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Freitag, 30. Juli 2010

Gute wirtschaftliche Entwicklung in Ostdeutschland

Zwanzig Jahre nach der deutschen Einheit hat die ostdeutsche Wirtschaft in vielen Bereichen aufgeholt. So lautet die Bilanz des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung. Das Produktivitätsniveau hat sich seit der Wiedervereinigung um 40 Prozent auf mehr als 70 Prozent gesteigert. Dennoch bestehen weiterhin strukturelle Nachteile in der ostdeutschen Wirtschaft.

„Der Angleichungsprozess ist immer noch nicht abgeschlossen“, betonen die Nürnberger Arbeitsmarktforscher. Ostdeutschland habe nach wie vor einen deutlichen Rückstand in der Wirtschaftsleistung und Produktivität. Außerdem ist in vielen ostdeutschen Regionen die Arbeitslosenquote höher als in Westdeutschland. Der Osten ist zudem immer noch auf finanzielle Unterstützung vom Westen angewiesen.

Grund für die strukturellen Nachteile sind laut der Studie die wenigen ostdeutschen Großbetriebe und der relativ kleine Industriesektor. Knapp 80 Prozent der Betriebe sind in den alten Bundesländern angesiedelt.

Beschäftigungszuwachs im Osten

Da jedoch die ostdeutsche Wirtschaft insgesamt weniger exportorientiert sei als die westdeutsche, sei die Beschäftigungspolitik resistenter gegen Konjunkturschwankungen. Während die Beschäftigung im Westen im Krisenjahr 2009 sank, kam es im Osten sogar zu einem Aufschwung. Die Arbeitsmarktforscher erläutern: „Zusammen mit der stärkeren Binnenmarktorientierung konnte sich der globale Nachfragerückgang weniger folgenreich auf den ostdeutschen Wirtschaftsraum auswirken.“

Teilzeitarbeit, Leiharbeit und befristete sowie geringfügige Beschäftigung sind im Osten in den letzten Jahren wichtiger geworden. Knapp ein Viertel aller Beschäftigten arbeitete 2009 in Teilzeit und sieben Prozent der Arbeitsverhältnisse waren befristet. Die Zahl der Leiharbeiter hat sich von 2004 bis 2008 fast verdoppelt. Die Betriebe begründen diesen Zuwachs vor allem mit dem zeitlich begrenzten Bedarf und der unsicheren wirtschaftlichen Entwicklung.

Beachtlicher Fortschritt

Die Ausbildungsquote beträgt in West- und Ostdeutschland gleichermaßen rund fünf Prozent. Zwar ist im Osten die Übernahmechance für einen Auszubildenden geringer, dafür weist der Osten jedoch eine höhere Weiterbildungsquote auf.

Insgesamt wird es wohl noch seine Zeit dauern, bis die ostdeutsche Wirtschaft in allen Bereichen das westdeutsche Niveau erreicht hat. Doch in den letzten 20 Jahren hat sich Ostdeutschland mehr und mehr den westdeutschen Verhältnissen angepasst. Gemessen an der ostdeutschen Wirtschaftslage vor dem Mauerfall ist dieser Fortschritt beachtlich.