Donnerstag, 6. Mai 2010
Elektronische Gesundheitskarte rückt näher
Lange schien es, als würde die elektronische Gesundheitskarte nicht kommen. Ende April haben sich Ärzte, Krankenversicherungen, Apotheken und Krankenhäuser nun auf eine Version geeinigt. Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler ist es gelungen, die unterschiedlichen Interessen zusammenzubringen.
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Foto: picture-alliance/dpa
Die elektronische Gesundheitskarte wird zunächst die sogenannten Stammdaten – zum Beispiel Name, Geburtsdatum, Geschlecht und Adresse – der Versicherten und einen elektronischen Arztbrief enthalten. Außerdem werden auf ihr Daten vermerkt, die für die Behandlung des Patienten im Notfall lebensnotwendig sein können. Das ursprüngliche Vorhaben, auch Rezepte elektronisch auf der Gesundheitskarte zu laden, wurde zurückgestellt.
Bundesgesundheitsminister Rösler bewertete die Einigung als vernünftige Basis, um zu einem späteren Zeitpunkt weitere Anwendungen hinzufügen zu können. „Es war ein Fehler, alles auf einmal machen zu wollen. Das ist nicht zu schaffen“, räumte er ein.
Nutzen für die Versicherten
Jahr für Jahr entstehen durch den Missbrauch von Krankenkassenkarten zusätzliche Kosten in Millionenhöhe. Ein Schaden, den letztendlich alle Versicherten zu tragen haben. Die mit einer neuen Prozessortechnik ausgestattete Karte ist fälschungssicher. Missbrauch wird auch dadurch vermieden, dass jede Karte mit einem Foto versehen ist. Der Datenschutze wird durch neue Verschlüsselungstechnik besser eingehalten als bisher. Nur der Karteninhaber kann zu jeder Zeit bestimmen und kontrollieren, was mit den gespeicherten Informationen passiert.
Die Gesundheitskarte speichert die Daten, die für eine medizinische Behandlung in Europa erforderlich sind. Sie kann bereits jetzt die Funktionen der Krankenversichertenkarte übernehmen. Durch die für jeden behandelnden Arzt zugänglichen Daten lassen sich Doppeluntersuchungen vermeiden. Die Notfalldatensatz ermöglicht nach einem Unfall schnelle Hilfe und kann auf diese Weise Leben retten. Gefährliche Wechselwirkungen von Medikamenten können besser vermieden werden.
Einfachere Verwaltung
Die Krankenkassen profitieren davon, wenn die Gesundheitskarte bald kommt. Denn damit lassen sich für die Verwaltung wichtige Daten (zum Beispiel Name, Geburtsdatum, Geschlecht und Adresse) online aktualisieren. Wenn sich beispielsweise die Adresse ändert. Wird die neue Anschrift schnell und sicher elektronisch übertragen und beim Einlesen in der Arztpraxis auf den neuesten Stand gebracht.
Ohne die Online-Aktualisierung müssten die Karten bei jeder Änderung wie bisher ausgetauscht werden. Durch die Aktualisierung können beispielsweise auch verloren gegangene oder als gestohlen gemeldete Karten sofort erkannt und aus dem Verkehr gezogen werden.
Für die Ärztinnen und Ärzte ist die Kommunikation untereinander von besonderer Bedeutung. Sie wird mit der Karte verlässlicher und sicherer werden. Heute müssen noch oft vertrauliche Patientendaten per Fax ohne weiteren Schutz ausgetauscht oder nicht geschützte Internetverbindungen genutzt werden. Mit der neuen Gesundheitskarte stehen Informationen schneller zur Verfügung, so dass der Arzt unverzüglich notwendige Entscheidungen treffen kann. Das kann lebenswichtig sein.
Klare Verteilung der Verantwortlichkeiten
Zwischen allen Beteiligten wurde nun im Sinne von mehr Effizienz, Schnelligkeit und Einfachheit eine klare Verteilung der Aufgaben und Verantwortlichkeiten vereinbart: Die Leistungserbringer übernehmen die alleinige Verantwortung für die medizinischen Anwendung, die Kostenträger die alleinige Verantwortung für die administrativen Anwendung der Karte.
Der Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) verantwortet ab sofort die Einführung eines onlinegestützten Managements Versichertenstammdaten. Die Bundesärztekammer kümmert sich darum, dass die für Notfälle relevanten Daten auf den Karten gespeichert werden. Die adressierte Kommunikation, also die Übermittlung von Nachrichten der Leistungserbringer (Ärzte, Krankenhäuser) ist Aufgabe der Kassenärztlichen Bundesvereinigung. Für die übergreifende Aufgabe der Basis-Telematikinfrastruktur wird der GKV-Spitzenverband gemeinsam mit der Kassenärztlichen Bundesvereinigung zuständig sein.
Sollten auf dem weiteren Weg zur elektronischen Karte noch Entscheidungen strittig sein: In Zukunft wird der ehemalige Staatssekretär Klaus Theo Schröder als Schlichter vermitteln.
Die Gesundheitskarte im Test
Seit Dezember 2006 wurde die elektronische Gesundheitskarte in umfangreichen Tests erprobt. 63.000 Versicherte, 190 Ärzte, 115 Apotheken und 11 Krankenhäuser waren in Schleswig-Holstein, Sachsen, Bayern, Baden-Württemberg, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz beteiligt. Die technische Durchführung weiterer Tests gehörte zu den Aufgaben der "gematik", der Gesellschaft für Telematikanwendungen der Gesundheitskarte mbH.
