Donnerstag, 25. Februar 2010
Gegen Armut und soziale Ausgrenzung
"Arm ist, wer nicht mithalten kann, wer nicht mitmachen kann." So hat es Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen anlässlich der Auftaktveranstaltung zum Europäischen Jahres gegen Armut und soziale Ausgrenzung auf den Punkt gebracht.
Nicht selten versuchen wir, Armut zu ignorieren – dabei sieht sich jeder elfte Bundesbürger selbst von ihr betroffen. Das Europäische Jahr soll die Menschen aufrütteln. Die Europäische Union (EU) will so soziale Notlagen und Ausgrenzung ins öffentliche Interesse rücken.
In Deutschland steht die Kampagne zum Europäischen Jahr unter dem Motto "Mit neuem Mut". Bis zum Ende des Jahres ist bundesweit eine Reihe von Veranstaltungen geplant, die sich mit Armut und sozialer Ausgrenzung auseinandersetzen. Betroffene kommen zu Wort, prominente Botschafterinnen und Botschafter werben für die Aktion: aus Medien, Kunst, Kultur, Sport oder Kirche. Mit dabei sind unter anderem Reinhold Beckmann (Fernsehjournalist), Imke Duplitzer (Fechterin) oder auch Pastor Bernd Siggelkow (Initiator der Arche). An der Kampagne beteiligen sich europaweit alle 27 Mitgliedsstaaten der EU sowie Norwegen und Island.
Europa setzt Signal
„Europa setzt mit dem Europäischen Jahr ein starkes Signal“, betonte Ursula von der Leyen. Nicht nur die Wahrnehmung für Ursachen und Folgen von Armutsrisiken sollen in den kommenden Monaten geschärft werden. Es gehe auch darum, Auswege aufzuzeigen, betonte die Ministerin.
Schließlich gewinnt nicht nur die Gesellschaft. Jeder einzelne profitiert, wenn Armut und soziale Ausgrenzung abgebaut werden. Sei es im Zuge politischen Handelns oder mittels besserer Vernetzung der bestehenden Hilfsangebote.
40 Leutturmprojekte
„Du bist gefragt, was tust du für die Nächsten?“, fragte von der Leyen in ihrer Eröffnungsrede. Sie ermutigte Bürgerinnen und Bürger sowie Unternehmen, sich gesellschaftlich zu engagieren.
Stellvertretend für zahlreiche gemeinnützige Initiativen, die sich bereits gegen Armut und Ausgrenzung stark machen, sollen 40 Leuchtturmprojekte im Verlauf des Europäischen Jahres Anerkennung erfahren.
Sie werden von EU und Bundesregierung finanziell mit insgesamt 1,4 Millionen Euro gefördert. Je Projekt stehen bi zu 40.000 Euro zur Verfügung.
Armutsrisiken von Kindern mindern
Die Ministerin rief auch zu verstärkten Anstrengungen gegen Kinderarmut auf. Sie verwies auf das Urteil des Bundesverfassungsgerichts, das kürzlich die Berechnung der ALG-II-Regelsätze beanstandet hatte. Deutschland solle den Auftrag der Richter als Chance begreifen, forderte von der Leyen. Vor allem als eine Chance, die Armutsrisiken der Kinder zu mindern.
Denn die Bekämpfung der Kinderarmut sei ein vorrangiges Ziel der Bundesregierung. „Es darf nicht sein, dass Kinder arm machen", betonte die Ministerin.
