Montag, 9. November 2009
Ein Fest der Freiheit
Berlin feiert den zwanzigsten Jahrestag der Maueröffnung. Bundeskanzlerin Angela Merkel überquerte mit Michail Gorbatschow, Lech Walesa und DDR-Bürgerrechtlern am Nachmittag die Brücke, auf der alles begann.
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Bösebrücke: Warten auf die Bundeskanzlerin
Foto: REGIERUNGonline / Bergmann
Begonnen hatte es natürlich viel früher, etwa mit den Leipziger Montagsdemonstrationen Anfang Oktober. Die Führung der DDR stand unter Druck. Als sie schließlich am 9. November abends bekanntgab, die Menschen kontrolliert in den Westen reisen zu lassen, überschlugen sich die Ereignisse.
Auch an der „Bösebrücke“, die heute wieder den Berliner Oststadtteil Prenzlauer Berg mit dem Westbezirk Wedding verbindet, ging es zunächst nur zögerlich los. Die Grenzer stempelten – neue Regelung hin, neue Regelung her – weiter jeden einzelnen Pass.
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Merkel mit Gorbatschow, Walesa und dem DDR-Bürgerrechtler Marcus Meckel (von links)
Foto: REGIERUNGonline / Kugler
Nur wenige Stunden nach Bekanntgabe der neuen Reisemöglichkeiten hielt die Grenze dem Ansturm allerdings nicht mehr stand. „Als wir nach Mitternacht vom Kudamm zurück kamen, standen die Tore schon weit auf“, erinnert sich ein Zeitzeuge von damals. „Wir gingen einfach durch.“
Das alles wirkte damals wie ein Märchen, berichteten Männer und Frauen, die dabei waren, der Bundeskanzlerin. Merkel war gekommen, um mit dem damaligen Staats- und Parteichef der Sowjetunion, Michael Gorbatschow, und dem seinerzeitigen Chef der polnischen Untergrundgewerkschaft „Solidarnosc“ der Ereignisse vor zwanzig Jahren zu gedenken.
Gemeinsam mit Bürgerrechtlern, darunter Bärbel Bohley, Joachim Gauck und Wolf Biermann, überquerten sie noch einmal die „Bösebrücke“ an der Bornholmer Straße. Zahlreiche Menschen waren gekommen, um mit dabei zu sein.
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Fest am Brandenburger Tor
Foto: REGIERUNGonline / Kugler
Wie vor zwanzig Jahren bei seinem Besuch in Ostberlin waren immer wieder begeisterte „Gorbi, Gorbi!“-Rufe zu hören. Die Bundeskanzlerin würdigte die Verdienste des früheren Kreml-Chefs um die Deutsche Einheit.
„Sie haben diese Dinge mutig geschehen lassen und damit das alles möglich gemacht“, rief Merkel Gorbatschow zu. „Doch bevor das Glück der Freiheit kam, haben hier viele Menschen gelitten“, erinnerte sie zugleich an die Unterdrückung Andersdenkender in der DDR. Sie forderte, das begangene Unrecht anzuerkennen – ebenso wie die verlorenen Lebenschancen, die Angst und Sorgen vieler Menschen unter dem SED-Regime.
Ein Fest für ganz Europa
Michail Gorbatschow hatte mit seiner „Glasnost“-Politik seit 1986 tiefgreifende Reformen in der Sowjetunion angestoßen. Der Friedlichen Revolution in der DDR hatte er sich nicht entgegengestellt.
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Die Staatschefs
Foto: REGIERUNGonline / Kugler
Nach und nach öffnete sich schließlich im Herbst 1989 der gesamte „eiserne Vorhang“, der bis dahin Osteuropa von Westeuropa getrennt hatte. Das Militärbündnis „Warschauer Pakt“ zerfiel, der Kalte Krieg war endgültig vorbei – und mit ihm die Nachkriegszeit des Zweiten Weltkriegs.
„Heute ist deshalb nicht nur ein Tag zum Feiern für die Deutschen – sondern für ganz Europa“, rief die Kanzlerin den Menschen zu. Am Abend empfing Angela Merkel die Staats- und Regierungschefs der gesamten Europäischen Union im Kanzleramt.
