Nach einem Frühjahr, das den Tiefpunkt der schwersten Rezession seit dem Zweiten Weltkrieg erlebte, brachte der Sommer eine langsame Wende. Die Lage auf den Finanzmärkten hat sich stabilisiert. Die Stimmung hat sich verbessert.
Die Aufträge haben zugenommen, die Produktion stieg an, ebenso der Welthandel. Das fassen die sechs führenden deutschen Wirtschaftsinstitute in ihrer Gemeinschaftsdiagnose für die Prognose bis zum Ende des nächsten Jahres zusammen.
Prognosen nach oben korrigiert
2009 werde die Wirtschaft daher um fünf Prozent schrumpfen und nicht um sechs Prozent, wie noch im Frühjahr befürchtet. Im kommenden Jahr kann es nach Einschätzung der Fachleute sogar wieder Wachstum geben. Möglich seien 1,2 Prozent. Zuvor hatte man mit einem negativen Wert gerechnet.
Stabil blieben die Verbraucherpreise. Nach einem Zuwachs von 2,6 Prozent im Jahr 2008 stiegen sie 2009 nur 0,3 Prozent. Auch im kommenden Jahr soll der Preisanstieg mit 0,6 Prozent niedrig bleiben.
Auf dem Arbeitsmarkt blieb die Lage 2009 berechenbar unter der vier Millionengrenze. Dies gelte allerdings nicht für das nächste Jahr. Dann müsse im Jahresdurchschnitt mit 4,1 Millionen Arbeitslosen gerechnet werden, heißt es im Herbstgutachten. Einbrüche bis an die Fünf-Millionen-Marke werden aber nicht mehr befürchtet.
Lob für Krisenmanagement der Bundesregierung
Die Experten würdigen in ihrem Gutachten die Leistung der Politik: Die Stabilisierung sei "wesentlich" auf die massiven öffentlichen Interventionen zurückzuführen. Die Bundesregierung habe einen drohenden Zusammenbruch des Bankensystems abgewendet und die Konjunktur stabilisiert. In der Folge habe das Vertrauen auf den Finanzmärkten wieder zugenommen.
Die Experten würdigen die positiven Impulse, wie den privaten Konsum, niedrige Verbraucherpreise, Arbeitsmarktstabilität und die finanziellen Entlastungen der Bürger.
Unternehmensfinanzierung weiter schwierig
Zugleich müssen die Unternehmen mit erhöhtem Kostendruck rechnen, zum Beispiel bei Arbeitskosten und Energiepreisen. Und obwohl es derzeit keine Kreditklemme gebe, sei sie nicht ausgeschlossen. Die Gefahr im Bankensystem verborgener Risiken sei immer noch beträchtlich.
Um der gefürchteten Kreditklemme vorzubeugen, fordert die Expertengruppe die Banken auf, ihr Eigenkapital zu erhöhen.
Empfehlungen an die Politik
Die Wirtschaftsinstitute empfehlen nachdrücklich, das "strukturelle Defizit" abzubauen. Dabei gehen sie davon aus, dass sich die Konjunktur 2011 stabilisiert haben dürfte. Der Anstieg der Staatsausgaben solle zumindest begrenzt werden, so das Gutachten.
Spielräume dafür sehen die Institute bei den Subventionen. Vor kreditfinanzierten Steuersenkungen wird mit Blick auf die Gefahren einer steigenden Zinslast hingegen gewarnt.
Zweimal jährlich gibt es die Gemeinschaftsdiagnose der sechs führenden Wirtschaftsforschungsinstitute. Sie wird im Frühjahr und im Herbst vorgelegt. Beteiligt sind: das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin, das HWWA-Institut für Wirtschaftsforschung aus Hamburg, das Münchener ifo Institut für Wirtschaftsforschung, das Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW), das Institut für Wirtschaftsforschung (IWH) aus Halle und das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) in Essen.
