Nachhaltig im Kiez

Selber Säen, selber Ernten, selber Zapfen

Auf einem ehemaligen Sportplatz im Berliner Wedding wächst und gedeiht der Gemeinschaftsgarten "Himmelbeet". Seit 2013 können die Kiezbewohner hier Obst und Gemüse anbauen. Und sich in einem Café aus Holzpaletten stärken.

Himmelbeet Schilder nah

Im Himmelbeet können die Kiezbewohner eigene Pflanzen anbauen.

Foto: Bundesregierung/Rapoport

Menschen zusammenbringen und sie für das Thema "Selbstversorgung" sensibilisieren – das ist das Ziel der gemeinnützigen Initiative "Himmelbeet". Neben der praktischen Gärtnerei werden auch unterschiedliche Kurse rund um die Themen urbanes Gärtnern, ökologisches Wohnen sowie Kochen mit regionalen Lebensmitteln angeboten. "Mit unseren Projekten wollen wir eine Gemeinschaft schaffen", erklärt Felix Lodes, Leiter des pädagogischen Programms.

Ursprünglich wollten die Gründer des Projekts hoch hinaus: Die Anlage sollte auf dem Dach einer Einkaufspassage entstehen – ein "Beet im Himmel" in 22 Metern Höhe. Doch wegen der hohen Umbaukosten kam es nicht dazu. Trotzdem ließ sich die Idee eines Ruheorts für die Kiezbewohner verwirklichen: Das Projekt bezog eine 1.700 Quadratmeter große Fläche, vom Berliner Senat zur Verfügung gestellt. Seit 2015 tragen die Einnahmen aus dem Café zur Finanzierung von Himmelbeet bei.

Ein eigenes Beet zur Miete

Ob beim Ernten der eigenen Gemüse oder in den Workshops – die Besucher tauschen sich über ihr gemeinsames Hobby aus und lernen einander auf diese Weise kennen. "Himmelbeet erleichtert es, in der Nachbarschaft anzukommen", stellt Lodes fest.

Diejenigen, die sich rechtzeitig bewerben und das Glück haben, ein Pachtbeet zu ergattern, können von April bis Oktober ihren eigenen kleinen Garten bebauen. Für 60 Euro pro Saison erhalten die Hobbygärtner eine sogenannte Hochbeeteinheit, die aus einer Palette, Aufsätzen, Gartenvlies, Hasendraht, Grün-und Strauchschnitt, Kompost und Erde besteht. Sie können das Wasser für die Bewässerung sowie die Gartengeräte nutzen, an einem Einführungsseminar teilnehmen und haben ermäßigten Zutritt zu den Fachworkshops. So kommen Menschen unterschiedlichster Herkunft und aller Altersstufen zusammen.

"Bio"-Gärtnern

"Himmelbeet" setzt vor allem auf alte und regionale Pflanzensorten, die nur selten im Supermarkt erhältlich sind. Ziel ist es, seltene Arten zu erhalten und Monokulturen zu verhindern. Ebenso wird bei der Wahl der Blumenerde auf Torf verzichtet. Pestizide sind im gesamten Garten verboten. Man setzt auf natürliche Mittel, um Schädlinge zu vertreiben, etwa einen günstigen Mix der Pflanzen.

Umweltbewusst genießen

Himmelbeet Cafe mit Menschen

Das Café Himmelbeet, gebaut aus recycelten Europaletten.

Foto: Bundesregierung/Rapoport

Das Café: ein Kiosk und eine Terrasse aus recycelten Europaletten und Stampflehm. Leitlinie bei der Errichtung war, den Ressourcenverbrauch und die Umweltverschmutzung so gering wie möglich zu halten. "Der Bau des Cafés war von Anfang an ein Lernprozess für alle", erinnert sich Alice Hillebrand. Die studierte Architektin war eine der rund 30 Freiwilligen, die geholfen haben, den pavillonähnlichen Komplex zu errichten. Heute gehört sie zum Team der Cafébetreiber und kocht täglich neue vegetarische Speisen vor allem mit der Ernte aus eigenem Anbau.

Bei jedem Gericht versuchen die Hobbyköche, mindestens eine Zutat aus dem Garten vor der Tür zu verwenden. Das Küchengerät ist gebraucht und von Unterstützern zur Verfügung gestellt.

Außerdem gilt das Prinzip der möglichst kurzen Lieferwege. Das Café kooperiert mit Bauern aus der Berliner Umgebung und kauft auf dem Wochenmarkt um die Ecke ein.

Weniger ist mehr

Verpackungen sind nicht gerne gesehen: Himmelbeet lässt seine Kaffeebohnen in wiederverwendbaren Plastikeimern liefern, vereinbart Lieferkooperationen mit Pfandsystemen und Mehrwegkisten und verzichtet komplett auf "To-Go"-Plastik und -Pappe.

Das selbsterarbeitete Wissen über die Einsparmöglichkeiten wollen die Cafébetreiber an ihre Kunden weitergeben. Beim Projekt "Low Waste" ("wenig Müll") versuchte Himmelbeet, Alternativen zum täglichen Verpackungsmüll zu entwickeln und die Besucher auf das Thema aufmerksam zu machen. "Wenn die Konsumenten auch nur kurz innehalten und über ihr Verhalten nachdenken, dann haben wir schon etwas erreicht", sagt Hillebrand. Im Rahmen des Projekts hat das Himmelbeet-Team auch einen Leitfaden für einen verpackungsarmen Cafébetrieb erarbeitet.                                                                                                                                                                       

Außer Informationen versucht das Café, den Kunden auch praktische Einspar-Hilfen zu bieten: So kann man Essen in Mehrwegbechern mitnehmen. Außerdem gibt es eine Verteilstation für Wasch- und Spülmittel, sodass jeder seinen Bedarf mit einem eigenen Behältnis decken kann. In Zukunft soll es außerdem ein Zapfsystem für Wein, Saft, Öl und Essig geben.

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