Start der Aktion "Stadternte"

Wanka: Obst wächst vor der Haustür

Bundesforschungsministerin Wanka ist auf die Leiter gestiegen. Sie erntet Kirschpflaumen und Mirabellen. Am Berliner Stadtrand macht sie darauf aufmerksam, dass es auf öffentlichen Grünflächen Köstliches zu entdecken gibt.

Bundesministerin Johanna Wanka bei der Stadternte in Berlin

Bundesministerin Wanka gibt den Statschuss für die Aktion "Stadternte".

Foto: BMBF/Rickel

Die Früchte, die öffentliche Obstbäume und –sträucher hergeben, kann man getrost auch mit nach Hause nehmen. Auch Kräuter und Gemüse auf Freiflächen warten darauf entdeckt zu werden. Zudem tut man damit noch etwas Gutes - für sich selbst und die Umwelt.

"Wir wollen dazu anregen, Obst auf Flächen, die Gemeingut sind, zu nutzen", sagt Bundesforschungsministerin Johanna Wanka. Sie ist dafür nach Britz in den Berliner Süden gekommen, wo auf dem alten Bundesgartenschau-Gelände von 1985 Pflaumen, Mirabellen, Äpfel und Brombeeren verwildern. Die Aktion ist eingebettet in das Wissenschaftsjahr "Zukunftsstadt 2015" des Bundesforschungsministeriums.

Die Wissenschaftsjahre sind eine gemeinsame Initiative des Bundesministeriums für Bildung und Forschung und von "Wissenschaft im Dialog". Seit 2000 fördern die Wissenschaftsjahre den Austausch zwischen Öffentlichkeit und Forschung.

Das Wissenschaftsjahr 2015 mit dem Thema "Zukunftsstadt" beschäftigt sich mit den ökologischen und sozialen Herausforderungen an die Stadtentwicklung. Für das Wissenschaftsjahr 2015 stehen insgesamt sechs Millionen Euro zur Verfügung. Für Forschungsprojekte stellt des Bundesforschungsministeirum in den kommenden Jahren 150 Millionen Euro bereit.

Mit "Mundraub.org" Obstbaumalleen finden

Dafür hat sich das Ministerium mit den Machern der Internetplattform "Mundraub" zusammengetan. Mundraub-Gründer Kai Gildhorn hatte vor sechs Jahren die Idee, auf einer Plattform zu erfassen, wo Obst, Gemüse oder Kräuter im öffentlichen Raum zur Verfügung stehen. Jeder kann in seiner Nähe die Allmende – so hieß es früher, wenn man Dinge gemeinschaftlich nutzte – ernten.

Und jeder kann auch eintragen, wenn er neue Plätze zur gemeinschaftlichen Ernte gefunden hat. Auf der Plattform ist kartiert, an welcher Allee Kirschbäume oder Holunder stehen. Mundraub veranstaltet darüber hinaus Erntelager oder geführte Radtouren zu besonders ergiebigen Obstplätzen. Natürlich machen die Initiatoren darauf aufmerksam, dass es immer gilt, die Eigentumsrechte zu respektieren.

Grenzwerte von Kadmium und Blei nicht überschritten

Aber kann man Obst, das an befahrenen Straßen wächst, guten Gewissens verzehren? Um das herauszufinden, hat das Bundesforschungsministerium das Institut für Ökologie der Technischen Universität Berlin mit ins Boot geholt.

Mitarbeiterin Ina Säumel gibt Entwarnung: "Wir haben keine Probe gefunden, wo die Grenzwerte von Blei und Kadmium überschritten werden. Natürlich gilt wie für jedes Obst, dass es vor dem Essen gut gewaschen werden sollte."

Gekauftes Obst fährt durch Europa

Den Vergleich muss sich auch das im Laden gekaufte Obst gefallen lassen: Meist ist es viele Kilometer in Lastwagen durch Europa gefahren oder sogar um die Welt geflogen. Es wächst in der Regel in Monokulturen auf, die oftmals mit Schädlingsbekämpfungsmitteln belastet sind.

Bei den 67,3 Kilogramm Obst, die pro Kopf pro Jahr in Deutschland gegessen werden, ist die Obstversorgung vor der Haustür eine gute Alternative. Streuobstwiesen sind nahezu vollkommen pestizid- und mineraldüngerfrei. Zudem können auf ihnen viele Arten von Käfern, Wespen,Vögeln und anderen Lebewesen geschützt leben.

Wanka rüttelt am Baum

Wanka: "Stadtnahe Obstbäume und Streuobstwiesen sind eine umweltfreundliche Quelle für schmackhaftes Essen, die wir besser nutzen sollten. Das fördert auch das Bewusstsein für regionale Lebensmittel." Das vermittelt sie auch den elfjährigen Schülerinnen und Schülern aus einem Erntecamp – und schüttelt mit ihnen noch einmal ordentlich den Mirabellenbaum.

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