NS-Dokumentationszentrum

Aufklären am Ort der Täter

München hat als "Hauptstadt der Bewegung" eine besondere Rolle im Nationalsozialismus gespielt. Auf dem Gelände der früheren Parteizentrale der Nazis informiert ein neues Dokumentationszentrum über die Geschichte der Stadt in der NS-Zeit. Der Bund hat es mitfinanziert.

Kulturstaatsministerin Grütters besichtigt die Ausstellung im neuen NS-Dokumentationszentrum München.

Kulturstaatsministerin Grütters bei der Eröffnung des NS-Dokumentationszentrums München.

Foto: LH München/Michael Nagy

Errichtet wurde das neue Dokumentations- und Informationszentrum dort, wo noch vor gut 70 Jahren das sogenannte "Braune Haus" stand. Bis zu seiner Zerstörung im Jahr 1945 beherbergte es die Zentrale der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP). Sie bildete in der NS-Zeit das Zentrum eines ganzen Parteiviertels rund um den Königsplatz mit zahlreichen Dienststellen und Institutionen.

Genau dort lädt das neue Dokumentationszentrum dazu ein, mehr über die Rolle Münchens im Nationalsozialismus zu erfahren. Dabei versteht es sich als Lern- und Erinnerungsort. Zu den Angeboten des Zentrums gehören nicht nur eine Dauerausstellung, sondern auch Sonderausstellungen, ein Lernforum sowie ein vielfältiges Bildungs- und Veranstaltungsprogramm.

"Immerwährende moralische Verpflichtung"

Die Dauerausstellung lasse nachvollziehen, wie sich eine weltoffene Kulturmetropole zu einem Sammelbecken antisemitischer und nationalistischer Kräfte entwickeln konnte, wie aus gewöhnlichen Menschen Vollstrecker einer menschenverachtenden Ideologie werden konnten, erklärt Kulturstaatsministerin Monika Grütters. Sie wird das Zentrum heute zusammen mit dem bayrischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer und Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter eröffnen.

Bereits im Vorfeld hatte es Grütters als eine "immerwährende moralische Verpflichtung" Deutschlands bezeichnet, die Verbrechen der Nationalsozialisten aufzuarbeiten, ihrer Opfer zu gedenken und die Erinnerung auch in nachfolgenden Generationen wach zu halten. "Der Anspruch an uns selbst, moralisch angemessen mit den Abgründen der eigenen Geschichte umzugehen und nicht zuletzt dadurch ein identitätsstiftendes Fundament für die Gegenwart und Zukunft zu legen, gehört zum Selbstverständnis unserer Nation", betonte sie.

München als "Hauptstadt der Bewegung"

NS-Dokumentationszentrum München Gedenkstätte Nationalsozialismus

Gezeigt werden rund 900 Fotos und Dokumente

Foto: Jens Weber

Auf vier Etagen dokumentiert die Ausstellung die Geschichte Münchens vom Aufstieg der NS-Bewegung bis zur Aufarbeitung in der Gegenwart. Dabei setzt das Zentrum ganz auf die Aussagekraft von Fotografien, Filmen und Dokumenten.

Die Frage nach "Ursprung und Aufstieg der NS-Bewegung" steht im Mittelpunkt des ersten Ausstellungskapitels. Wie war es möglich, dass die Nationalsozialisten hier so früh und so viel Zulauf bekamen? Welche Bedeutung hatte Hitlers Putschversuch vom 9. November 1923 für Münchens spätere Rolle als "Hauptstadt der Bewegung".

Eine Etage tiefer geht es um "Mitmachen und Ausgrenzen" – und den Alltag im Nazi-Reich. Gezeigt wird, wie das Regime die rechtsstaatlichen Strukturen systematisch zerstörte, wie Minderheiten und politische Gegner verfolgt wurden - und wie andere nicht nur davon wussten, sondern auch davon profitierten.

Der dritte Ausstellungsteil dokumentiert den Alltag im Zweiten Weltkrieg, den Zusammenbruch des Regimes und die unmittelbare Nachkriegszeit. Im Fokus stehen hier die Zwangsarbeit als zentrales Mittel der Unterdrückung im NS-Staat und die Kriegsverbrechen. Geschildert werden aber auch die Widerstandsaktionen, die Handlungsspielräume sichtbar machen.

Die Auseinandersetzung mit der NS-Zeit nach 1945 steht am Ende des Ausstellungsparcours. Hier wird der Umgang mit der NS-Vergangenheit illustriert, der sich zwischen Aufarbeitung, Kontinuität und Verdrängung bewegte.

Erkennen, lernen und verstehen

Anspruch des Dokumentationszentrums ist es, zu einer "lebendigen und fortdauernden Auseinandersetzung mit der Nazi-Diktatur" beizutragen, so die Kulturstaatsministerin. Unter dem Motto "Erkennen, Lernen und Verstehen am historischen Ort" hat es deshalb ein breites Bildungsangebot entwickelt.

Im Untergeschoss können Interessierte an Medientischen und Recherchestationen vertiefende Informationen zu den Ausstellungsthemen finden. Auch eine Bibliothek ist dort integriert. Ein eigener Seminarbereich ist für Vorträge, Zeitzeugengespräche und andere Veranstaltungen vorgesehen.

Finanziert wurde das neue NS-Dokumentationszentrum vom Bund, dem Freistaat Bayern und der Landeshauptstadt München: sie haben die Baukosten in Höhe von 28,2 Millionen zu je einem Drittel übernommen. Entworfen wurde der Neubau von den Berliner Architekten Bettina Georg, Tobias Scheel und Simon Wetzel.

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