NS-Raubkunst

"Deutsches Zentrum Kulturgutverluste" geplant

Die Bundesregierung will die Provenienzforschung weiter ausbauen. Deshalb plant sie die Gründung eines "Deutschen Zentrums Kulturgutverluste". Ziel ist es, Initiativen von Bund, Ländern und Kommunen zentral zu bündeln.

Im jüdischen Museum Berlin geht eine Frau durch die Ausstellung über den Kunstraub der Nationalsozialisten

NS-Raubkunst: Bundesregierung will die Provenienzforschung intensivieren.

Foto: picture-alliance/ dpa

"Nicht erst der Fall Gurlitt und die Reaktion im In- und Ausland haben deutlich gemacht, dass wir unsere Anstrengungen in der Provenienzrecherche und Restitutionsfragen ausbauen müssen", ist Kulturstaatsministerin Monika Grütters überzeugt.

Deshalb plant der Bund die Gründung des "Deutschen Zentrums Kulturgutverluste – German Lost-Art Foundation". Es soll als Stiftung Bürgerlichen Rechts unter Beteiligung der Länder und Gemeinden noch in diesem Jahr eingerichtet werden. Kulturstaatsministerin Grütters wird das Projekt mit Mitte März mit den Kulturministerinnen und Kulturministern der Länder beraten.

Mehr Mittel für die Provenienzforschung

Zwar hätten die Museen seit der Jahrtausendwende beträchtliche Anstrengungen bei der Suche nach NS-Raubkunst unternommen, so Grütters. "Uns ist jedoch klar, dass wir noch nicht am Ende unserer Bemühungen stehen."

Der Bund will die Mittel in Höhe von jetzt 2,7 Millionen Euro im Jahr für Provenienzforschung deutlich erhöhen. Entstehen soll das neue Zentrum in Magdeburg. Dort ist bereits der Sitz der "Lost Art" – Koordinierungsstelle. Außerdem ist eine Dependance des Zentrums in Berlin vorgesehen.

Unterstützung öffentlicher und privater Einrichtungen

Aufgabe des Zentrums wird es sein, öffentliche Einrichtungen bei der Suche nach NS-Raubkunst in ihren Beständen zu unterstützen.

Aber auch privaten Sammlern und Museen, die freiwillig den "Washingtoner Prinzipien" folgen, soll das neue Zentrum bei der Identifizierung NS-verfolgungsbedingt entzogener Kulturgüter helfen. Ein Angebot, das es auch kleineren Einrichtungen ermöglichen wird, unabhängige Provenienzforscher einzusetzen.

Weitere Aufgabenschwerpunkte werden in der Dokumentation und in der Kommunikation liegen. Das Zentrum soll einen zentralen Zugang zu Informationsportalen wie "Central Collecting Point München" und "Linzer Sammlung" eröffnen. Wie auch jene zur "Kunstsammlung Hermann Göring" werden diese Datenbanken bisher vom Deutschen Historischen Museum geführt.

Die Aufarbeitung der in der ehemaligen Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) und der DDR entzogenen Kulturgüter wird ebenfalls zu den Aufgaben des Zentrums gehören.

Zentraler Ansprechpartner in Restitutionsfragen

Geplant ist, folgende Stellen unter dem Dach der neuen Einrichtung zu vereinen:

  • die Koordinierungsstelle Magdeburg (mit der Lost Art-Datenbank und der Geschäftsstelle der Beratenden Kommission),
  • die Arbeitsstelle für Provenienzforschung,
  • die zeitlich befristete Taskforce "Schwabinger Kunstfund" und
  • die Forschungsstelle "Entartete Kunst" der Freien Universität Berlin.
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