Wirtschaft
Kleine, mittelständische, wie auch global agierende Firmen sind wichtige Akteure und Multiplikatoren für eine nachhaltige Wirtschaftsweise. Vor allem sie haben es in der Hand, dass neue, zukunftsfähige Produkte, Dienstleistungen und Verfahren entstehen.
Teaser Schaufenster Elektromobilität
Foto: REGIERUNGonline/Tybussek
Nachhaltige Unternehmensführung wird zunehmend zum Markenzeichen, denn für die Wirtschaft ist höhere Energie- und Ressourceneffizienz sowohl ökonomisch wie ökologisch profitabel. Ökologisches Handeln trägt aber auch zum Image bei, verbessert Absatzmöglichkeiten und fördert nachhaltigen Konsum. Immer mehr Unternehmen integrieren soziale und ökologische Qualität in wirtschaftliche Effizienz. Diese Entwicklung gilt es, messbar zu machen. Deshalb wurde beispielsweise der "Dow Jones Sustainability Group Index" entwickelt. Der Index berücksichtigt jene zehn Prozent der weltweit 2.000 marktstärksten Aktiengesellschaften, die unter wirtschaftlichen, ökologischen und sozialen Kriterien als Branchenführer eingestuft wurden.
Einführung betrieblicher Umweltmanagementsysteme
Ein weiterer Gradmesser für die Nachhaltigkeitsorientierung der Wirtschaft ist die zunehmende Anzahl von Firmen mit betrieblichen Umweltmanagementsystemen. Beim freiwilligen Öko-Audit, einem Verfahren, bei dem ein Betrieb freiwillig sein Umweltverhalten überprüft, verbessert und offenlegt, liegen die deutschen Unternehmen in Europa an der Spitze. Einschließlich der Betriebe aus den nach deutschem Recht schon zugelassenen Erweiterungsbranchen sind derzeit in Deutschland knapp 1.900 Organisationen registriert. EU-weit sind etwa 7.600 Standorte EMAS-registriert. Die Abkürzung "EMAS" steht für die englische Bezeichnung "Eco-Management and Audit Scheme" (= System für Umweltmanagement und Umweltbetriebsprüfung). In der Umgangssprache wird hierfür in der Regel der Begriff "Öko-Audit" verwendet.
Nachhaltigkeitsberichte
Das Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) und future e.V. - verantwortung unternehmen bewerten seit 1994 die Nachhaltigkeitsberichte von deutschen Unternehmen. Sie erstellen eine Rangfolge der besten Berichte. Seit dem Jahr 2009 finden zwei getrennte Wettbewerbe für Großunternehmen sowie kleine und mittlere Unternehmen (KMU) statt. Das Ranking wird unterstützt vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales und vom Rat für Nachhaltige Entwicklung.
In einer Umweltinitiative der Wirtschaft haben sich rund 550 Mitglieder im Bundesdeutschen Arbeitskreis für Umweltbewusstes Management e. V. (B.A.U.M.), europaweit dem größten seiner Art, vereint. Führende national und global agierende Unternehmen der deutschen Wirtschaft haben das "Forum Nachhaltige Entwicklung econsense" etabliert. Auf internationaler Ebene hat sich die Wirtschaft auf vergleichbarer Weise im "World Business Council" zusammengeschlossen.
Eine Reihe weltweit tätiger deutscher Unternehmen beteiligt sich auch an der "Global Compact"-Initiative des ehemaligen UN-Generalsekretärs Kofi Annan. Sie erklärten sich bereit, durch Ausrichtung ihrer Geschäftspolitik und modellhafte Initiativen zwischen Wirtschaft, Nationalstaaten und gesellschaftlichen Gruppen UN-Nachhaltigkeitsziele voranzubringen.
Corporate Social Responsibility
Auch unter dem Begriff "Corporate Social Responsibility" (CSR) machen mehr und mehr Unternehmen Anstrengungen, ihre gesellschaftliche Verantwortung in Deutschland und weltweit durch ökonomisch, ökologisch und sozial nachhaltiges Handeln aktiv wahrzunehmen (siehe zum Beispiel www.econsense.de, www.unternehmen-fuer-die-region.de, www.csrgermany.de).
Die Bundesregierung setzt sich für die Bündelung, Förderung und Sichtbarkeit der CSR-Aktivitäten deutscher Firmen ein. Außerdem will sie weitere Anreize dazu setzen und Hilfestellungen geben, den Nachhaltigkeitsansatz in die Unternehmenspraxis zu integrieren. Alle Maßnahmen zur Stärkung von CSR hat die Bundesregierung im Oktober 2010 in einem Aktionsplan gebündelt. Ein neues Internetportal informiert über alle CSR-Aktivitäten und -Entwicklungen in Deutschland und weltweit.
Innovationen anstoßen
Ein Anliegen der Bundesregierung ist es, in wichtigen wirtschaftlichen Feldern Entwicklungen zu unterstützen, die im Zeichen der Nachhaltigkeit stehen. Zu diesen wichtigen Branchen gehört die Rohstoffwirtschaft.
Die im März 2007 vorgestellte Rohstoffstrategie zielt auf sparsamere und umweltfreundlichere Nutzung und die sichere Verfügbarkeit von Rohstoffen. Die sozialen und entwicklungspolitischen Auswirkungen des Rohstoffausbaus sollen stärker berücksichtigt werden. Handlungsansätze sind unter anderem Maßnahmen für mehr Transparenz im Rohstoffhandel und der stärkere Einsatz von nachwachsenden Rohstoffen. Im Zusammenhang mit technischen Innovationen spielt auch die Hightech-Strategie der Bundesregierung eine Rolle. Sie greift vielversprechende Felder wie die Werkstoffforschung, Biotechnologie, Nanotechnologie, Recyclingmanagement, Verfahrenstechnologie und der Umwelttechnik auf.
Das Anfang 2007 gestartete "Netzwerk Ressourceneffizienz" soll zusätzlich das Know-how zum sparsameren Umgang mit Energie und Rohstoffen bündeln sowie Studien und Pilotprojekte anstoßen.
Klimaschutzdialog Wirtschaft und Politik
Um Umweltpolitik intelligent und marktgerecht zu gestalten, hat Bundesumweltminister Röttgen im Dezember 2009 einen Klimaschutzdialog mit der Wirtschaft angestoßen. Die Fragestellung: Wie gelingt die Wende hin zu einer kohlenstoffarmen Wirtschaft? In vier Arbeitsgruppen haben hochrangige Vertreter aus Wirtschaft und Politik gemeinsam eine Vielzahl von Vorschlägen erarbeitet. Der Abschlussbericht wurde im Februar 2011 vorgelegt.
