Nachhaltigkeit
Prioritäre Handlungsfelder
Nachhaltige Entwicklung kann nicht von oben verordnet werden. Wohl aber kann der Staat die Umsteuerung unterstützen. Dafür legte die Bundesregierung schon 2002 Handlungsfelder fest. Diese wurden mit jedem Fortschrittsbericht überprüft und ergänzt. Zuletzt im Fortschrittsbericht 2012.
Bild vergrößern
Klimaschutz / Wald - Gutachten
Foto: BMU / Brigitte Hiss
- Fortschrittsbericht 2012
- Fortschrittsbericht 2008
- Fortschrittsbericht 2004
- Nationale Nachhaltigkeitsstrategie 2002
Fortschrittsbericht 2012
Der Fortschrittsbericht 2012 setzt im Jahr der Nachhaltigkeitskonferenz der Vereinten Nationen in Rio seine Schwerpunkte bei Themen mit globalem Bezug: nachhaltiges Wirtschaften, Klima und Energie, Wasserpolitik.
Nachhaltiges Wirtschaften steht für Anpassung an die Herausforderungen unserer Zeit, das Ergreifen von wirtschaftlichen Chancen und Zukunftsverantwortung in Unternehmen und Organisationen. Inzwischen wird immer deutlicher: Richtig verstanden ist Nachhaltigkeit ein wesentlicher Wettbewerbsvorteil. Deutsche Unternehmen haben eine gute Startposition im Wettbewerb um nachhaltiges Wirtschaften. Viele Unternehmen sind Vorreiter bei der Einbeziehung von Nachhaltigkeit in ihre Geschäftspolitik.
Klima und Energie sind zentrale Themen für eine nachhaltige Entwicklung. Klimaschutz und die Anpassung an den Klimawandel sind eine der größten Herausforderungen der Menschheit im 21. Jahrhundert. Eine Erwärmung um mehr als 2 Grad Celsius gegenüber vorindustrieller Zeit hätte in ihren Auswirkungen auf Mensch und Umwelt gravierende Folgen. Deshalb müssen die weltweiten Treibhausgasemissionen bis 2050 gegenüber 1990 um mindestens 50 Prozent gesenkt werden.
Im Rahmen der Beschlüsse zur Energiepolitik der Zukunft hat die Bundesregierung ihr Ziel bekräftigt, die Treibhausgasemissionen in Deutschland bis 2020 gegenüber 1990 um 40 Prozent zu senken. Bis zum Jahr 2050 sieht das Energiekonzept eine Senkung um 80 bis 95 Prozent vor.
International wird die Bundesregierung weiter für ein weltweit geltendes, verbindliches Klimaschutzabkommen eintreten. Dies sieht auf Basis einer fairen Lastenteilung nachprüfbare Verpflichtungen für alle großen Emittenten vor. Außerdem soll dieses Abkommen Produktionsverlagerungen in Länder ohne Klimaschutz verhindern. Die Bundesregierung hat dabei auch die wirtschaftlichen, sicherheitspolitischen und entwicklungspolitischen Auswirkungen des Klimawandels im Blick.
Nachhaltige Wasserpolitik ist von besonderer Bedeutung für sauberes Wasser als eine essentielle Lebensgrundlage und eine unserer wichtigsten Ressourcen. In Deutschland hat die Wasserwirtschaft einen hohen bis sehr hohen Standard erreicht. Die hohen Investitionen unter anderem in die Abwasserinfrastruktur und Gewässerrenaturierungen haben deutliche Verbesserungen der Wasserqualität in Deutschland gebracht. Gleichwohl bleibt der Gewässerschutz eine Daueraufgabe.
Ein am Nachhaltigkeitsgedanken ausgerichteter Umgang mit Wasser sichert die Wasserressourcen für die kommenden Generationen und bewahrt das ökologische Gleichgewicht der Gewässer oder stellt es wieder her. Nachhaltige Wasserpolitik ist eine Querschnittsaufgabe. Wasserpolitische Aspekte müssen daher verstärkt in anderen Politikfeldern mitgedacht werden.
Fortschrittsbericht 2008
Im Fortschrittsbericht 2008 hat die Bundesregierung die Nachhaltigkeitsstrategie weiter entwickelt. Bürgerinnen und Bürger, Verbände, Organisationen und Wissenschaftler haben daran mit eigenen Vorschlägen mitgewirkt. Er enthält vier Schwerpunkte:
Klima und Energieeffizienz: Der Anstieg der Erdtemperatur und der daraus resultierende Klimawandel ist maßgeblich eine Folge unseres wachsenden Energieverbrauchs. Um die Folgen abzumildern, hat die Bundesregierung 2007/2008 ein umfassendes Energie- und Klimaprogramm beschlossen. Die Ziele: Energie besser nutzen, mehr erneuerbare Energien und modernste Umwelttechnik.
Die Europäische Union hat sich 2007 darauf geeinigt, die Treibhausgasemissionen bis 2020 mindestens um 20 Prozent zu verringern und die erneuerbaren Energien auszubauen. Ein neues internationales UN-Klimaschutzabkommen soll die Beschlüsse von Kyoto fortschreiben.
Nachhaltige Rohstoffwirtschaft: Jeder von uns verbraucht im Laufe seines Lebens etwa 1.000 Tonnen Rohstoffe. Die Preise für Rohstoffe sind aufgrund höherer Nachfrage in den letzten Jahren stark gestiegen, zum Teil haben sie sich binnen fünf Jahren verdoppelt. Das belastet die deutsche Wirtschaft besonders, da sie in einem rohstoffarmen Land wie Deutschland fast völlig auf Importe angewiesen ist.
Der Ausweg liegt in der Material- und Ressourceneffizienz. Es geht um möglichst geschlossene Rohstoffkreisläufe. Deutschland hat bei einigen Materialien, zum Beispiel Kupfer, mit 54 Prozent bereits die höchste Recyclingquote weltweit. Bei Papier wird eine Quote von 73 Prozent erreicht. Weitere Steigerungen sind möglich, zum Beispiel bei seltenen Metallen aus Mobiltelefonen.
Das Ziel: die Rohstoff-Produktivität bis 2020 gegenüber 1994 zu verdoppeln. Das heißt, vorhandene Rohstoffe sparsamer einsetzen und, wo es geht, durch nachwachsende Rohstoffe austauschen. Dabei spielt auch die mehrfache Nutzung etwa von Holz eine wichtige Rolle. Nachhaltige Rohstoffwirtschaft heißt auch, heimische Rohstoffpotenziale besser auszuschöpfen, die Forschung auszubauen und Handelshemmnisse abzubauen.
Demografischer Wandel: Bis zum Jahre 2050 wird der Anteil der über 60-Jährigen in Deutschland von heute 25 Prozent auf 40 Prozent ansteigen. Die Bundesregierung hat auf diese Entwicklung reagiert: Die sozialen Sicherungssysteme werden unter anderem durch Förderung privater Alterssicherung zukunftsfest gemacht.
Neue Versorgungszentren und Pflegestützpunkte gewährleisten ärztliche Betreuung und Pflege gerade auf dem Land. Ältere Menschen werden stärker in Bildungsmaßnahmen eingebunden.
Die Bundesregierung schafft zugleich auch den Rahmen, damit sich wieder mehr Menschen für Kinder entscheiden:
- Das Elterngeld sichert Familien nach der Geburt eines Kindes ab.
- Die Kinderbetreuung wird ausgebaut und ihre steuerliche Absetzbarkeit verbessert.
- Das Kindergeld wurde erhöht.
Welternährung: Die Anzahl hungernder Menschen soll bis 2015 weltweit halbiert werden. Dieses Millenniumsziel ist gefährdet, weil die Weltmarktpreise für Energie und Lebensmittel in den letzten Jahren stark gestiegen sind. Agrarforschung soll zusätzlich helfen, Produktivitätssteigerungen in der Landwirtschaft zu erzielen. Vorrang vor der Produktion von Biokraftstoffen hat die Sicherung der Ernährung.
Nachhaltigkeit ist bereits Realität
Deutschland konnte seine Treibhausgasemissionen seit 1990 um fast 25 Prozent senken. Der Anteil erneuerbarer Energien deckt bereits mehr als 17 Prozent des Stromverbrauchs. Das ist gegenüber 2000 mehr als eine Verdopplung. Aber es gibt noch viel zu tun.
Fortschrittsbericht 2004
Mit der Erarbeitung des Fortschrittsberichts 2004 wurden folgende Schwerpunkte gesetzt und mit konkreten Maßnahmen unterlegt:
- Neue Energieversorgungsstruktur unter Einbeziehung der erneuerbaren Energien,
- Potenziale älterer Menschen in Wirtschaft und Gesellschaft,
- Verminderung der Flächeninanspruchnahme und
- alternative Kraftstoffe und Antriebstechnologien.
Im "Wegweiser Nachhaltigkeit" des Jahres 2005 wurde die Nachhaltigkeitsstrategie mit spezifischen Konzepten zu folgenden Themen ergänzt:
- Moderne Stromversorgung - erneuerbare Energien optimal integrieren,
- Nachwachsende Rohstoffe - für neue Produkte und wachsende Märkte,
- Zukunftsfähige Waldwirtschaft - ökonomische Perspektiven entwickeln,
- Biologische Vielfalt - schützen und nutzen.
Nationale Nachhaltigkeitsstrategie 2002
Die Handlungsfelder in der 2002 beschlossenen Nachhaltigkeitsstrategie "Perspektiven für Deutschland" waren:
- Energie / Klima
- Umweltfreundliche Mobilität
- Gesund produzieren und ernähren
- Demographischen Wandel gestalten
- Innovation
- Globale Verantwortung
Diese Strategie enthielt bereits für die ersten drei Handlungsfelder eine Konzeption, Ziele und Maßnahmen. Dabei geht es um eine zukunftsfähige Energieversorgung, umweltschonende Mobilität und eine Neuorientierung in der Landwirtschaft und beim Verbraucherschutz.
Bei den anderen Handlungsfeldern stellt die Nachhaltigkeitsstrategie das Programm der folgenden Jahre dar, ohne bereits die Maßnahmen festzulegen. Daraus wird deutlich, dass der politische Auftrag der nachhaltigen Entwicklung ein Prozess ist, der ständig den aktuellen Entwicklungen angepasst wird. Mit jedem Bericht zur Umsetzung der Nachhaltigkeitsstrategie werden die Schwerpunkte überprüft und eventuell neu gesetzt.
