Navigation und Service

Inhalt

Donnerstag, 29. November 2007

Hightech-Strategie

Medizintechnik für unabhängigere Patienten

Kommunikationstechniken können Leben retten. Daher haben die Informations- und Kommunikationstechnologien Eingang in die Medizin gefunden

Chefarzt-Visite mit drahtloser Patientenakte und Rezeptliste Bild vergrößern Ohne Computer wäre Medizin schwieriger Foto: LICHTBLICK

Fast jeder dritte Todesfall in Deutschland geht auf eine Herzerkrankung zurück. Für eine effektive Behandlung des Herzens ist eine rechtzeitige und mitunter ständige Diagnose entscheidend. Die Fortschritte in den Informations- und Kommunikationstechnologien bieten dafür ganz neue Möglichkeiten.

Eine ständige Überwachung des Blutdrucks oder des EKGs war bisher nur stationär möglich. Inzwischen sind aber immer kleinere medizinische Sonden entwickelt worden, die die Patienten am Körper tragen können. Einige können gar in den Körper eingepflanzt werden. Stellen diese winzigen Instrumente eine Unregelmäßigkeit fest, melden sie dies automatisch an ein rund um die Uhr mit Ärzten besetztes Diagnosezentrum. Umgehend kann ein Notarzt an den Aufenthaltsort der Patientin, des Patienten gelotst werden.

Mittels der minimal-invasiven Chirurgie lassen sich auch für andere Zwecke ohne große Eingriffe und Schnitte Minisonden einpflanzen. Heute schon nutzen Chirurgen bei Operationen am Rückgrat derartige Instrumente, um Nerven in den Wirbelgelenken zu betäuben.

Implantate und mobile Diagnose

Zu den medizinischen Instrumenten der Zukunft gehören intelligente Implantate. Bei einem neuen Hüftgelenk  besteht etwa die Gefahr, dass das Gelenk vom angrenzenden Gewebe abgestoßen wird. Intelligente Implantate messen, wie das Immunsystem reagiert und übertragen diese Daten per Funksignal nach außen. So lässt sich das Problem lokalisieren und behandeln.

Auch andere Organe und Körperfunktionen können mit Hilfe der neuen Technologien dauerhaft überwacht werden. Dazu entwickelt die Forschung immer mehr mobile Monitoring-Systeme – etwa zur Messung der Körpertemperatur, des Blutdrucks oder des Herzschlags. Die mobile medizinische Analyse ist technisch möglich geworden. Mit bioanalytischen Mikrosystemen lässt sich beispielsweise der Glukosespiegel im Blut bestimmen. Das hilft Diabeteskranken bei der Eigenbehandlung.

Entscheidender Vorteil einer vernetzten medizinischen Zentrale ganz nebenbei: Auch ältere Patienten können trotz einer Krankheit weiterhin selbstbestimmt wohnen.

Medizinische Informationen stets verfügbar

Schematische Darstellung einer ambulanten PatientenüberwachungBild vergrößern Patienten werden ambulant überwacht Foto: Universität Karlsruhe, ITIV

Ein Arzt muss über seinen Patienten gut informiert sein. Das gilt vor allem dann, wenn er sie oder ihn bislang nicht behandelt hat. Im Zeitalter hoch komplexer medizinischer Daten ist kaum jemand in der Lage, die Ergebnisse früherer Untersuchungen ausreichend genau zu schildern. Ein Problem, das mit den Jahren zunimmt: Welcher ältere Mensch kann schon alle Vorerkrankungen und jemals verschriebenen Medikamente vollständig aufzählen?

Die kurz vor der Einführung stehende Gesundheitskarte macht es möglich, solche Daten zu speichern bzw. den Zugang zu ihnen zu eröffnen. Allerdings ausschließlich auf freiwilliger Basis.

Entscheidet sich ein Patient zum Beispiel dafür, dass seine Arzneimittel dokumentiert werden, erleichtert das Ärzten und Apothekern künftig erheblich die Arbeit. Und die Behandlung wird sicherer: Doppelverordnungen und schädliche Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten entfallen.

Lebensrettende Datenbasis

Weitere klinische Basisdaten auf der Karte (wie zum Beispiel Grunderkrankungen, Blutgruppe und Allergien) können im Notfall lebensrettend sein. Sie helfen aber auch, unerwünschte Arzneimittelwirkungen zu vermeiden. Zugriffsberechtigtes medizinisches Personal im Krankenhaus oder beim Rettungsdienst kann mit diesen Daten sehr viel zielgerichteter handeln.

Langfristig könnte auf diese Weise eine elektronische Patientenakte entstehen. Neben den Personendaten würde diese eine Fülle unterschiedlicher medizinischer Daten enthalten: die individuelle Krankengeschichte, wichtige Laborbefunde, Operationsberichte sowie Röntgenbilder und digitale Daten anderer Untersuchungen.

So tragen Informationen und ihr schneller Austausch dazu bei, unsere Gesundheit zu verbessern und Gefahren für sie abzuwenden.