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Donnerstag, 29. November 2007

Das Internet der Dinge

Nach dem Internet für Informationen kommt das Internet der Dinge. Jedes Produkt ist vernetzt und kann Informationen übermitteln.

Frau an einem Monitor vor einem Regal mit WeinflaschenBild vergrößern Weinflaschen geben ihre Informationen preis Foto: Liesa Johannssen/photothek.net

Der Barcode ist in die Jahre gekommen – schon seit mehr als 30 Jahren werden die Waren im Supermarkt mit dem scannerlesbaren Strichmuster markiert. Mit den modernen RFID-Funkchips zeichnet sich eine Entwicklung ab, die den zum Symbol verschlüsselter Daten gewordenen Barcode eines Tages ablösen könnte. Die Abkürzung steht für Radio Frequency Identification.

Experten sprechen prosaisch vom „Internet der Dinge“. Im Prinzip soll es nämlich ganz ähnlich funktionieren wie der Transport der Datenpakete im World Wide Web. Wissenschaftler am Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik in Dortmund forschen daran.

Künftig sollen auf dem RFID-Chip einer Ware die günstigsten Transportwege gespeichert werden. Kommt die Ware an einen Knotenpunkt im Transportwegenetz, meldet sie sich selbst an. Automatisch wird sie in die richtige Richtung und auf den schnellsten Pfad weiter geleitet. So kann der Warenverkehr deutlich effizienter werden als heute – Fachleute sprechen schon von einer „logistischen Revolution“.

RFID-ChipBild vergrößern RFID-Chip Foto: PolyIC GmbH & Co. KG; Bartsch GmbH

Für jeden Einzelnen von uns wichtig: Kundinnen und Kunden erfahren mehr über den Artikel, den sie kaufen wollen. Irgendwann müssen sie nicht mehr so lange an der Kasse anstehen.

Ein Chip für jedes Produkt

Mit der RFID-Technik ausgerüstete Computerchips verfügen über einen Sender, einen Empfänger und einen Datenspeicher. Mit Hilfe externer Lesestationen geben die Waren so wichtige Informationen über ihren Zustand und ihren Transport weiter. 

Heutige RFID-Funkchips fassen Datenmengen zwischen 10 Kilobyte und 256 Kilobyte. Zum Vergleich: Auf einer eng beschriebenen DIN-A-4-Seite stehen etwa 3 Kilobyte an Daten.

Man unterscheidet zwischen aktiven und passiven Geräte: Die aktiven haben eine Batterie und können selbst Signale aussenden, die passiven reagieren bloß auf entsprechende Lesestationen. Aktive Funkchips kosten mindestens fünf Euro, passive sind schon ab 40 Cents zu haben. Künftig sollen die Chips noch kleiner werden. So genannte Smart-Label-Chips werden so klein und flach sein, dass sie sich in eine Folie oder ein Etikett integrieren lassen. Es soll sogar möglich werden, die Chips direkt auf die Verpackung zu drucken. Dies ist der Ansatz der Polymerelektronik.

Die wissende Weinflasche

Smart Check Out: gekaufte Waren werden automatisch registriertBild vergrößern Waren in Sekunden erfasst Foto: METRO AG

In die Mini-Chips können zudem zahlreiche Sensoren eingebaut werden, die etwa Temperatur, Feuchtigkeit, Vibrationen und die Helligkeit messen. Mittels GPS-Navigation kann so ein Chip sogar die Position des Produkts erkennen und mitteilen. Noch ist es eine Vision, Fachleute sprechen jedoch schon heute vom digitalen Produktgedächtnis.

Nehmen wir eine Flasche Wein, die mit einem Smart-Label-Chip versehen ist. Diese Flasche würde nicht nur „wissen“, wo der Wein herkommt und zu welchen Speisen er am besten passt. Auf ihrem Chip wäre ebenso gespeichert, ob die Flasche schon einmal stark geschüttelt wurde und bei welcher Temperatur der Wein gelagert werden soll.

Das digitale Produktgedächtnis der Zukunft entwickeln die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler am Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz in Saarbrücken. Dessen Leiter Professor Wolfgang Wahlster beschreibt das Vorhaben: „Die nächste Generation der 'Smart Items' wird neben der Auswertung verschiedener Sensoren vielfältige Produkt- und Betriebsdaten erfassen. Diese Informationen werden die Sachen mit ihrer Umgebung und ihren Nutzern aktiv austauschen können“.

Wahlster veranschaulicht seine Vision an einem Beispiel: „Pralinenschachteln könnten sich in einem Kühllaster bei der Klimaanlage 'beschweren', dass ihre Grenzwerte für Luftfeuchtigkeit überschritten wurden“. Darauf würde die Klimaanlage automatisch reagieren. Insofern könnten von den Fortschritten in der Logistik eines Tages auch die Feinschmecker profitieren.

Natürlich kann der RFID-Chip auch mit der Kasse des Supermarkts kommunizieren. Die Kundin geht an einer Lesestation vorbei, die alle Artikel in der Tasche erkennt und an den zentralen Rechner des Geschäfts übermittelt. Sekundenbruchteile später sind die Preise ermittelt, addiert und gedruckt.