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Donnerstag, 29. November 2007

Hightech-Strategie

Informations- und Kommunikationstechnologien: aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken

Vom Internet bis zur Unternehmenssoftware, vom Navigationsgerät im Auto bis zur Telemedizin – moderne Elektronik und Mikrosystemtechnik hat unseren Alltag durchdrungen.

Ein Mitarbeiter des Energiekonzerns Vattenfall Europe AG in der Wärmewarte in Berlin vor Computermonitoren.Bild vergrößern Computer sind aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken Foto: ddp images/dapd/Berthold Stadler

Wer diesen Text am Bildschirm liest, ist schon mittendrin im Thema. Mit enormer Geschwindigkeit werden die Worte digital kodiert und über Glasfaserkabel an die Internetleser verteilt. Im Zeitalter der Postkutschen lief die Kommunikation noch gemächlicher ab. Aber das dahinterstehende Prinzip der Vernetzung war damals schon wesentlich für den Informationsaustausch.

Die Schlagworte Wissensgesellschaft, Dienstleistungsgesellschaft und digitales Zeitalter zeigen an, in welche Richtung die Entwicklung geht: Zunehmend sind es die Produktion und der Austausch von Informationen, die unsere Ökonomie auf Trab halten. Die Herstellung von Waren spielt für die Wirtschaft eine immer geringere Rolle. Die Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) sind in Deutschland zur stärksten Triebfeder für Innovationen geworden.

Prof. Dr. Wolfgang Wahlster, Vorsitzender der Geschäftsführung des Deutschen Forschungszentrums für künstliche Intelligenz GmbH DFKI

Interview mit Prof. Dr. Wahlster zum Thema Informations- und Kommunikationstechnologien

Prof. Dr. Wolfgang Wahlster, Leiter des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz GmbH in Saarbrücken, zeigt in seinem Interview die aufregenden Perspektiven der Informations- und Kommunikationstechnologien auf. So werden sie unter anderem unsere Gesundheit, den Straßenverkehr und unsere Informationsmöglichkeiten beim Einkaufen verbessern.

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Sensoren für Autos und die Medizintechnik

Vor allem in einer der wichtigsten Branchen des Landes – der Automobilindustrie – gewinnt die Kommunikationstechnologie immer mehr an Bedeutung. Nahezu jeder Winkel eines Neuwagens enthält heute Sensoren und Minicomputer. Sie warnen zum Beispiel vor Glatteis oder helfen, Staus zu verhindern. Schon in naher Zukunft werden  die Autos untereinander kommunizieren und ihre Daten mit Verkehrsleitzentralen austauschen. Wer möchte, wird mit seinem Fahrzeug sprechen können (das tun zwar heute schon viele Menschen, allerdings in der Regel folgenlos).

Von den Informations- und Kommunikationstechnologien profitiert auch das Gesundheitswesen. Bildgebende Verfahren kennt die Medizin seit vielen Jahren – Röntgen, Ultraschall und die Computertomographie. Minisonden machen heute die Diagnose oder Behandlung an Stellen möglich, an die die Ärzte früher nur mit einer aufwändigen Operation gelangt wären. Ferndiagnosen von Spezialisten und die elektronische Patientenakte optimieren darüber hinaus die ärztliche Versorgung außerhalb der Ballungszentren.

Wer einen Reisepass beantragt, muss neuerdings seine Fingerabdrücke hinterlassen. Die biometrischen Daten werden in den Pass aufgenommen. Diese Sicherheitstechnik ist zwar nicht unumstritten, gewinnt aber im Zeitalter des internationalen Terrorismus weltweit an Bedeutung.

Elektronisches Papier und das Internet

Papier könnte hingegen schon bald verschwinden – zumindest vom Frühstückstisch. In Dresden entsteht das erste europäische Werk für elektronisches Papier: biegsame Displays, die nicht viel Energie brauchen. Von 2008 an will die Fabrik eine Million Stück pro Jahr davon herstellen. Bald könnte auf dem Material die Zeitung der Zukunft „gedruckt“ werden.

Nanotechnologische Verfahren spielen bei der Entwicklung der Computer von morgen eine herausragende Rolle. Aber die schnellsten Rechner nützen wenig, wenn sie nicht effizient vernetzt sind. Dafür werden die Software und die Infrastruktur des Internets stetig verbessert – auch dies ein Fall für die Kommunikationstechnologie.

Ein Netz der etwas anderen Art ist das „Internet der Dinge“. Das Kernstück dieser Technik bilden winzige Funkchips, die permanent aktualisierbare Informationen speichern. Künftig sollen zum Beispiel die Waren in einem Supermarkt mit den Chips versehen werden. Naht das Verfallsdatum, so meldet sich die Ananas vielleicht eines Tages mit Pieptönen aus dem Kühlschrank. Eine entscheidende Rolle könnten die Funkchips schon bald in der Logistikbranche spielen.

Steuerungstechnik und Unternehmenssoftware

Unverzichtbar sind Informations- und Kommunikationstechnologien auch beim Betrieb von Kraftwerken zur Stromproduktion. Die Netzspannung überall konstant zu halten, ist schon heute eine Kunst für sich. Und in Zukunft dürften immer mehr kleine Kraftwerke, Windkraftanlagen und Solaranlagen auf vielen Dächern hinzu kommen. Das erfordert wesentliche intelligentere Software für das Stromnetz.

Eine klassische Anwendung darf beim Stichwort Software nicht fehlen: Deutschland ist weltweit führend bei der Entwicklung von Computerprogrammen für die Wirtschaft. Solche Software erleichtert unter anderem die unternehmensinterne Kommunikation und muss gegen kriminelle Zugriffe von außen gut abgeschirmt sein.

Die Bundesregierung misst den Informations- und Kommunikationstechnologien eine große Bedeutung bei. Im Rahmen der Hightech-Strategie fördert sie die Zusammenarbeit von Unternehmern und Wissenschaftlern auf drei Ebenen: bei der Erforschung innovativer Techniken, bei der Entwicklung marktreifer Produkte und bei der Einführung von Dienstleistungen. Kleine und mittlere Unternehmen werden besonders unterstützt.