Freitag, 20. August 2010
Hightech-Strategie
Bundesregierung fördert die Gesundheitsforschung
„Volkskrankheiten“ wie Rheuma, Asthma, oder Diabetes stehen im Zentrum der von der Bundesregierung geförderten Gesundheitsforschung. In der neuen Hightechstrategie geht es darum Zentren für jede der wichtigsten Volkskrankheiten zu etablieren.
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Operation per Internet
Foto: picture-alliance / dpa
Plötzliche Lähmungen, Schwindel, Sehstörungen, schwerste Kopfschmerzen: Symptome, die auf einen Schlaganfall hindeuten. Häufig ist er die Folge plötzlich eingetretener Durchblutungsstörungen im Gehirn. Dabei erhalten die Nervenzellen des Gehirns zu wenig Sauerstoff und Nährstoffe – und sterben ab. Es kommt zu den beschriebenen Symptomen.
Jedes Jahr erleiden rund 150.000 Menschen in Deutschland erstmals einen Schlaganfall. Ein Drittel stirbt an den Folgen. Zwei Drittel sind behindert und fortan auf Hilfe und Pflege angewiesen.
Von der Theorie zur Praxis: Patientennahe Forschung
Dafür, dass es erst gar nicht soweit kommt, richtet das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) ein Integriertes Forschung- und Behandlungszentrum (IFB) ein. Das Centrum für Schlaganfallforschung Berlin (CSB) ist an der Charité in Berlin angesiedelt. Das Berliner Zentrum verbindet die Forschung mit der Versorgung von Patientinnen und Patienten. Untersucht werden hier die Ursachen der Krankheit ebenso wie ihre Behandlungsmöglichkeiten und mögliche Vorsorge. Bisher gibt es fünf Integrierte Forschungs- und Behandlungszentrum (IFB): Zentrum für Transplantationsforschung an der Medizinischen Hochschule Hannover (IFBTx), Zentrum für chronische Immundefizienzen in Freiburg, ein IFB zur Erforschung und Behandlung von Schwindel und Gleichgewichtsstörungen, und ein IFB Adipositaserkrankungen in Leipzig.
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Vorbeugen auch durch Sport
Foto: BMBF
Patienten sollen durch die Integrierten Forschungs- und Behandlungszentren schneller von den neuesten Forschungsergebnissen profitieren. Auch soll der medizinische Nachwuchs gefördert werden, um hochqualifizierte Experten in Deutschland zu binden und den Forschungsstandort Deutschland zu stärken. Junge, qualifizierte Fachleute arbeiten in den Zentren frühzeitig wissenschaftlich unabhängig und bekommen attraktive Perspektiven für ihre berufliche Weiterentwicklung. Die in der Grundlagenforschung erarbeiteten Erkenntnisse fließen systematisch und ohne Zeitverluste in die Entwicklung neuer Therapien ein.
Klinische Forschung stärken
Bei der Behandlung von Krankheiten geht es bekanntlich nicht allein um die Symptome. Genauso wichtig ist die Erforschung der Ursachen – und mögliche Vorsorge. Deshalb stärkt die Bundesregierung die klinische Forschung: mit insgesamt 630 Millionen Euro für die Gesundheitsforschung im Zeitraum von 2007 bis 2010. Der größte Teil davon fließt in die Erforschung bislang unheilbarer Krankheiten.
Fahrplan für die Forschung
Bei der Vergabe der Forschungsmittel kann sich die Bundesregierung an der „Roadmap Gesundheitsforschung“ orientieren. Erarbeitet hat sie der Gesundheitsforschungsrat, ein unabhängiges Beratungsgremium des Bundesforschungsministeriums. In einer Online-Befragung hatten die Berater rund 900 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in Deutschland einbezogen. Die Ergebnisse erörterten sie in sechs interdisziplinären Arbeitsgruppen.
Bei der Übergabe der „Roadmap Gesundheitsforschung“ sprach Bundesforschungsministerin Annette Schavan von einem „wichtigen Wegweiser für die künftige Ausrichtung der medizinischen Forschung“.
Der Bericht enthält 74 Themenvorschläge aus den sechs großen Krankheitsbereichen. Auf diesen Gebieten erwarten die Expertinnen und Experten wesentliche Erkenntnisfortschritte. Fortschritte, die zu Verbesserungen in der Diagnostik, Therapie oder Prävention wichtiger Krankheitsbereiche führen dürften. Und zu Impulsen für die Entwicklung neuer Produkte oder Dienstleistungen am Standort Deutschland.
Unter die Krankheitsbereiche fallen „Volkskrankheiten“ wie Rheuma, Asthma, oder Diabetes. Auch auf Krebserkrankungen, Demenz oder Herz-Kreislauferkrankungen soll sich die Forschung künftig stärker konzentrieren. Entscheidend ist, dass die Forschungsergebnisse möglichst schnell in das Gesundheitswesen übertragen werden. So trägt die „Roadmap Gesundheitsforschung“ ganz konkret dazu bei, die Qualität des Gesundheitswesens zu sichern.
