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Berufsausbildung in Europa

Mit dem Programm Leonardo unterstützt die Europäische Union Auslandsaufenthalte von Auszubildenden. Sie können so weitere berufliche Qualifikationen erwerben.

Zwei Jugendliche in der AusbildungswerkstattBild vergrößern Berufsausbildung Foto: Burkhard Peter

Aufenthalte von Auszubildenden im EU-Ausland

Das LEONARDO-Programm als Teil des EU-Bildungsprogramms für lebenlanges Lernen fördert den europaweiten Austausch von Auszubildenden und Berufsschülerinnen und -schülern. Diese haben die Möglichkeit, nicht nur Land und Leute kennen zu lernen und ihre Fremdsprachenkenntnisse zu verbessern. Sie erwerben auch zusätzliche berufliche Qualifikationen.

Der Auslandsaufenthalt bleibt immer Teil der Ausbildung in Deutschland und wird als solcher anerkannt. Eine Teilnahme sollte aber nicht dazu führen, dass die Ausbildung länger dauert als ursprünglich geplant.

Wie der Aufenthalt im Ausland aussieht, kann von Beruf zu Beruf ganz unterschiedlich sein. Junge Schreiner oder Maurer lernen zum Beispiel während eines längeren Auslandsaufenthalts in Italien neue Verfahren der Restaurationstechnik kennen. Andere machen ein Praktikum als Konditor in Frankreich. Je nach Schwerpunkt des Austausches kann ein langfristiger (drei bis neun Monate) oder kurzfristiger (drei bis zwölf Wochen) Aufenthalt in Frage kommen.

Die Ausbildungsstelle, die für die Gesamtausbildung verantwortlich ist, koordiniert den Austausch für einzelne oder ganze Gruppen. Dazu muss der Betrieb oder die Berufsschule einen ausländischen Partner suchen, mit dem der Austausch durchgeführt werden kann. Mindestens drei europäische Partner sollten an einer Ausbildungspartnerschaft beteiligt sein.

Jeder, der sich für einen Austausch an eine andere europäische Ausbildungsstätte interessiert, sollte deshalb zuerst seine Ausbilderin oder seinen Ausbilder oder seine Berufsschullehrer fragen. Diese müssen dann den Antrag zur Förderung des Austauschprojekts und Auslandsaufenthalts stellen. Die Höhe des Stipendiums für Auszubildende richtet sich je nach Zielort und Dauer eines Austausches.

In allen EU-Mitgliedstaaten verwalten Koordinierungsstellen die Austauschprogramme der Europäischen Union. Diese nationalen Stellen verfügen über alle erforderlichen Informationen und geben Tipps, wie ein Austausch organisiert werden kann. Sie helfen darüber hinaus bei der Suche nach Ausbildungsstätten und der Beantragung des finanziellen Zuschusses.

Auslandspraktika für junge Arbeitnehmer

Das LEONARDO-Programm bietet jungen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern mit und ohne Berufserfahrung die Chance, ein Betriebspraktikum im Ausland zu machen. Voraussetzung ist, dass sie eine nichtakademische, abgeschlossene Berufsausbildung haben. Wer keine Ausbildung mit Abschluss hat, muss für die Teilnahme eine längere Berufserfahrung nachweisen. Außerdem ist es erforderlich, dass Bewerber ihren ständigen Wohnsitz in Deutschland haben.

Natürlich sollte man auch die nötigen Fremdsprachenkenntnisse mitbringen, um in einem anderen europäischen Land zu arbeiten. Teilweise wird ein vorbereitender Sprachkurs unterstützt, der in der Regel einen Monat dauert. Diese Fortbildung geht allerdings über einfache Sprachkenntnisse hinaus und soll auf das Berufsleben im Gastland vorbereiten.

Die EU beteiligt sich vor allem an den Kosten für den Aufenthalt im Gastland, wie Unterkunft und Verpflegung sowie an den Fahrtkosten. Eigene finanzielle Aufwendungen sind auf jeden Fall nötig. Normalerweise dauert das Betriebspraktikum in einem anderen europäischen Land drei, höchstens aber zwölf Monate.

Durch seine Mitarbeit in einem Unternehmen erhält der Bewerber den besten Einblick in einen ausländischen Betrieb und in das soziale, wirtschaftliche und kulturelle Leben des Gastlandes. Das Betriebspraktikum kann die unterschiedlichsten Sektoren wie Landwirtschaft, Handwerk, Handel, Industrie oder Dienstleistungen einschließen.

Oft ist es nicht einfach, auf eigene Faust ein Praktikum in einem anderen europäischen Land zu finden. LEONARDO fördert deshalb Gruppenmaßnahmen von sogenannten "Trägerorganisationen". Dies sind Organisationen, die ein vollständiges Programm mit Praktikumplätzen und Sprachkurs für eine ganze Gruppe anbieten und bundesweit ausschreiben.

Bescheinigung der im Ausland erworbenen Berufskenntnisse

Wer einen Teil seiner Ausbildung in einem anderen Land absolviert, bringt nicht nur Landes- und Sprachkenntnisse, sondern auch zusätzliche Berufserfahrung und -fähigkeiten mit nach Hause. Oft bereitet den künftigen Arbeitgebern die Einschätzung solcher Kenntnisse Schwierigkeiten.

Die europäische Initiative, der "EUROPASS-Berufsbildung", beschreibt die erworbenen Kenntnisse und Arbeitserfahrungen. Der EUROPASS bestätigt, dass der Jugendliche einen Teil seiner Ausbildung im Rahmen eines Programms im europäischen Ausland abgeschlossen hat. Diese Initiative richtet sich an alle Jugendlichen, die ihre Lehre - wie in Deutschland üblich - in einem dualen Ausbildungssystem absolvieren. EUROPASS-Formulare sind erhältlich bei der GIZ (vormals Invent).