Afghanistan
Aufbauhilfe für die afghanische Polizei: Eine Maßnahme mit Tradition
In einem Namensbeitrag im Magazin für Europa und Internationales schreibt Polizeioberrat Markus Bierschenk über die polizeiliche Aufbauhilfe in Afghanistan. Seit neun Jahren sei die deutsche Polizei eine feste Größe beim Polizeiaufbau. Dabei habe sie sich bei den afghanischen Kollegen eine hohe Wertschätzung erarbeitet.
Polizeiausbildung in Afghanistan - auch für Frauen
Foto: Einsatzführungskommando der Bundeswehr
Die deutsche Polizei blickt bei der Aufbauhilfe für die afghanische Polizei auf eine lange Tradition zurück: Bereits in den Fünfzigerjahren wurde in der Kabuler Polizeiakademie ein Gästehaus eingeweiht, in dem fortan Polizeiberater aus Deutschland ihre afghanischen Kollegen in Themen wie Einsatztaktik, Menschenrechte, kriminalpolizeiliche Ermittlungen und Führungslehre qualifizierten.
Zwar haben sich Schwerpunkt und Ausrichtung der Ausbildungsunterstützung im Laufe der Jahre - geprägt von den jeweiligen regionalen und weltpolitischen Rahmenbedingungen - gewandelt. Geblieben ist aber das hohe Ansehen, das sich die deutsche Polizei bei ihren afghanischen Kollegen erarbeitet hat: Deutsche Polizeibeamte gelten in Afghanistan als besonders sorgfältig, gewissenhaft, pflichtbewusst und professionell.
Deutschland feste Größe beim Polizeiaufbau in Afghanistan
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Polizeiausbildung durch Eupol
Foto: Bundeswehr / Martin Stollberg
Seit nunmehr neun Jahren ist die deutsche Polizei eine feste Größe beim Polizeiaufbau Afghanistans und mit einer hohen Anzahl von Polizeiausbildern und Rechtsstaatsexperten im Rahmen des bilateralen German Police Project Team (GPPT) sowie der im Rahmen der 2007 ins Leben gerufenen European Police Mission Afghanistan (Eupol AFG) vor Ort.
Während Eupol AFG die Aufgabe hat, den Aufbau tragfähiger und effektiver Polizeistrukturen unter afghanischer Eigenverantwortung zu fördern, ist GPPT überwiegend mit der Durchführung konkreter Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen beschäftigt. Ergänzt wird die Ausbildungshilfe durch Bau- und Infrastrukturprojekte, die gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) betrieben werden.
Praxisbezogene Ausbildung für afghanische Polizisten
Eigens für die Ausbildung afghanischer Polizisten hat das GPPT in Masar-i-Sharif, Kundus und Faisabad im Norden Afghanistans sogenannte Police Training Center (PTC) eingerichtet.
In den sehr praxisbezogenen Grundausbildungsgängen werden die künftigen afghanischen Polizisten mit den Grundlagen polizeilicher Arbeit vertraut gemacht: Betreiben von Kontrollstellen, Lesen von Ausweisdokumenten und Nummernschildern, Festnahme und Durchsuchung von Personen und Fahrzeugen, Umgang mit Schusswaffen.
Die Vermittlung der Lerninhalte erfordert hierbei von den deutschen Trainern ein hohes Maß an Kreativität, denn die afghanischen Polizeischüler, die die einfachen Basiskurse besuchen, können oftmals beim Eintritt in den Polizeiberuf weder lesen noch schreiben. Flankierend zur Polizeiausbildung finden daher in Zusammenarbeit mit der GIZ Alphabetisierungskurse statt.
Beratung und Mentoring an der Afghan National Police Academy
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Polizeiausbildung als Mittel zur Krisenprävention
Foto: BMI
An der afghanischen Polizeiakademie in Kabul, an der Polizisten mit abgeschlossener Schulausbildung für den vergleichbar mittleren und höheren Dienst ausgebildet werden, verfolgt das GPPT einen weitergehenden Ansatz. Hier führen deutsche Polizisten nicht direkt das Training des Führungsnachwuchses der afghanischen Polizei und der Grenzpolizei durch, sondern beraten das Leitungs- und Lehrpersonal bei der Konzipierung, Planung, Durchführung und Evaluierung der Ausbildung.
So beginnt beispielsweise im Februar 2011 ein neuer Studiengang für den gehobenen Polizeidienst auf der Grundlage eines durch deutsche und afghanische Polizeiausbilder gemeinsam erstellten Studienplans. Durch diese "Hilfe zur Selbsthilfe" soll die für die Polizeiausbildung in ganz Afghanistan verantwortliche Akademie in Kabul in die Lage versetzt werden, künftig auch ohne internationale Unterstützung erfolgreiche Bildungsarbeit zu leisten.
Transition-Prozess: Übergabe der Verantwortung an die afghanischen Partner
Anfang 2011 wird das GPPT auf dem Gelände der Polizeiakademie in Kabul ein neues Bildungszentrum in Betrieb nehmen. Hier soll künftig von deutschen Polizisten eine hohe Zahl von Führungskräften der afghanischen Polizei zu Polizeiausbildern qualifiziert werden. Diese Polizeiausbilder werden nach und nach die derzeit in den Ausbildungsstätten Afghanistans tätigen internationalen Ausbilder herauslösen und sodann selbstständig die Aus- und Weiterbildung der afghanischen Polizisten aller Hierarchieebenen gestalten.
Deutsche Ausbildungshilfe ist auf Nachhaltigkeit angelegt
Mit dem Abschluss des Transition-Prozesses wird voraussichtlich 2014 ein Großteil der derzeit in Afghanistan eingesetzten Kollegen das Land verlassen haben. Das soll aber keineswegs das Ende der sehr erfolgreichen deutsch-afghanischen Kooperation im Polizeibereich sein.
Wie bereits in den vergangenen Jahrzehnten werden auch künftig deutsche Polizeiberater zum gewohnten Bild der afghanischen Polizei gehören. Im frisch renovierten Gästehaus des GPPT an der Kabuler Polizeiakademie wird also gewiss auch in einigen Jahren noch deutsch gesprochen werden.
>> Auch die Herzen und Gedanken gewinnen
Kriminalhauptkommissar Karsten Radeloff berichtet aus Afghanistan über seine Arbeit als Polizeitrainer in Mazar-i-Sharif.
