Donnerstag, 6. September 2012
Entwicklungszusammenarbeit
Vertrauen auf die Kraft der Armen
Bereits seit 50 Jahren kooperiert die Bundesregierung mit den Zentralstellen für Entwicklungszusammenarbeit der beiden großen Kirchen. Gefeiert wurde das Jubiläum mit einem Gottesdienst und einem Festakt in Bonn.
Gemeinsamer Einsatz für Entwicklung
Foto: Bundesregierung/Bergmann
Seit 1962 fördern die Katholische Zentralstelle für Entwicklungshilfe (KZE) und die Evangelische Zentralstelle für Entwicklungshilfe (EZE) gemeinsam mit dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) Projekte zur Armutsbekämpfung. Sowohl die Bundesregierung als auch die Kirchen halten diese Zusammenarbeit für eine Erfolgsgeschichte.
Die Kooperation entstand während der Kanzlerschaft Konrad Adenauers unter dem Eindruck von Hunger und Not in der Welt. Die Kirchen erhalten seitdem vom Staat ein globales Budget für Hilfsprojekte, über das sie eigenständig verfügen können. Seit 1962 wurde die Entwicklungsarbeit der Kirchen mit etwa sechs Milliarden Euro gefördert.
Entwicklungszusammenarbeit in der Mitte der Gesellschaft
Nach Einschätzung von Bundesentwicklungsminister Dirk Niebel hat sich die Zusammenarbeit mit den Kirchen in den letzten 50 Jahren bewährt. Diese sei von keiner Regierung jemals in Frage gestellt worden, sagte er der Katholischen Nachrichten-Agentur.
Ganz im Gegenteil wolle man auch weiterhin die Entwicklungszusammenarbeit in der Mitte der Gesellschaft ansiedeln. Die Kirchen seien zentraler Bestandteil der Gesellschaft, so Niebel. Die Unabhängigkeit der Kirchen erlaube ihnen ein "sehr niedrigschwelliges Eingreifen, notfalls auch unter Umgehung aller staatlicher Strukturen".
Nicht zuschauen, sondern handeln
"Wer sich gegen Armut und Ungerechtigkeit einsetzt, braucht starken Willen, Mut und Zuversicht", betonte Bundespräsident Joachim Gauck in seiner Festrede. Er dankte den weltweit über 20.000 Menschen, die allein in der deutschen staatlichen Entwicklungszusammenarbeit tätig sind. "Nicht zuschauen, sondern eintreten in solidarisches Handeln", sei gemeinsames Motto von Kirchen und Staat.
Entwicklungszusammenarbeit dürfe man nicht mit Almosen verwechseln. Langfristig bessere Entwicklungschancen zu geben, das sei das Ziel. Dabei habe sich Entwicklungszusammenarbeit auch weiterentwickelt. Die Kirchen seien seit nunmehr 50 Jahren erwünschte Partner im Kampf gegen Armut und Ungerechtigkeit, gerade auch mit ihrem dichten Netz an Kontakten.
Hilfe zur Selbsthilfe
Partnerschaftlichkeit und Eigenverantwortung sind die Prinzipien staatlicher wie kirchlicher Entwicklungspolitik. "Vertrauen auf die Kraft der Armen", so lautete auch das Motto der Festveranstaltung.
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50-jährige Erfolgsgeschichte
Foto: Bundesregierung/Bergmann
In den Empfängerländern führen einheimische Träger die Projekte durch. Diese gestalten die Vorhaben nach den Erfordernissen für die Menschen vor Ort. Für das Jahr 2012 erhalten die Kirchen für ihre Hilfsprojekte jeweils 108 Millionen Euro.
"Menschen zu unterstützen, ihr eigenes Schicksal in die Hand zu nehmen: Das ist unser gemeinsames Ziel – das der Kirchen, das der staatlichen Entwicklungszusammenarbeit und das der Menschen in unseren Kooperationsländern", bekräftigte Niebel in seiner Rede. Dies sei die Grundlage einer wirksamen Entwicklung und ein zentrales Menschenrecht.
Der Entwicklungsminister hatte Mitte August gemeinsam mit dem Vorsitzenden der Evangelischen Zentralstelle für Entwicklungshilfe, Prälat Bernhard Felmberg, und dem Vorsitzenden der Katholischen Zentralstelle für Entwicklungshilfe, Prälat Karl Jüsten, Entwicklungsprojekte der Kirchen in Kenia besucht.
Am Festakt in der Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland nahmen auch der Vorsitzende der Katholischen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, und der Vorsitzende des Rats der Evangelischen Kirche, Präses Nikolaus Schneider, teil.
