Montag, 11. Februar 2013
Energiebotschafter
Wasserstoff-Kraftwerk für jedermann
Die Firma "WS Reformer": Hier werden seit 2003 so genannte Reformer entwickelt, die Erdgas schadstoffarm und mit hoher Energieausbeute zu Wasserstoff umwandeln. Der wiederum dient als Ausgangstoff für Brennstoffzellensysteme, sei es in Autos oder in Anlagen mit Kraftwärmekopplung.
Hans-Peter Schmid mit einem "Reformer"
Foto: Bundesregierung/Affolter
Ein Flachbau, funktional, grau, gedrungen. Im Eingang ein verwaister Tresen, der Geschäftsführer persönlich holt den Besucher an der Tür ab. Hans-Peter Schmid ist von Anfang dabei und einer der Geschäftsführer der siebenköpfigen Firma. Der promovierte Ingenieur empfand den Gestaltungs- und Forschungsspielraum in großen Firmenstrukturen als zu eng. Deswegen war er von der Tüftlerarbeit im kleinen Team angezogen.
2003 ist Joachim Wünning, Mitgeschäftsführer der Mutterfirma "WS Wärmeprozesstechnik", ein technischer Coup gelungen: Erstmals konnte Erdgas in Wasserstoff auch im kleinen Maßstab umgewandelt werden, ohne den hohen Wirkungsgrad von 85 Prozent zu schmälern. Mit einem Preis und Fördergeldern ausgestattet, entschloss sich Wünning, das Reformer-Verfahren auszubauen. Hierfür sprach er den Verbrennungstechniker Hans-Peter Schmid als Partner an.
Der war damals noch in der Brennstoffzellen-Sparte eines Automobilunternehmens tätig. Seinen beruflichen Start hatte Schmid in der Sparte Dieselmotoren gemacht. Dort stellte er schnell fest, dass die Entwicklung schon sehr weit gediehen war. Deswegen tauschte er den Arbeitsplatz bei einem der größten Arbeitgeber des Landes gegen das kleine Labor.
"In so einer kleinen Firma lebt man mit einer gewissen Freiheit, aber mit einer gewissen Unsicherheit. Da gehört auch ein persönliches Risiko und Engagement dazu. Alle von uns sind mit Herzblut dabei", sagt Schmid. Davon hat der Mittfünfziger offensichtlich viel: neben seiner Arbeit bei "WS-Reformer" hält er Vorlesungen an der Hochschule für Technik in Konstanz. Ein weiteres Motiv seiner Arbeit sieht er in seiner Sozialisation Ende der siebziger Jahre: "Die Devise war damals: Etwas tun für die Umwelt. Auch auf dem Weg des Ingenieurs ist das möglich."
Weichenstellungen für die Zukunft
Heute steht Schmid nicht mehr im Labor. Die Zeiten, wo jeder alles machte, sind vorbei. Schmid konzentriert sich heute auf den Vertrieb und die strategische Ausrichtung des Betriebs. Dazu gehören auch Entscheidungen wie die, als Unternehmen jetzt selbst ganze Mikro-Kraftwerke zu bauen, das heißt, Reformer plus Brennstoffzellen.
Diese Kombination lag nahe. Denn wenn man Brennstoffzellen in Masse herstellen und nutzen will, ist der Reformer genauso wichtig wie die Brennstoffzelle an sich. Noch kosten diese Mini-Kraftwerke 25.000 Euro. "Das ist um den Faktor Zwei zuviel", kommentiert Schmid nüchtern. Aber er ist zuversichtlich, dass sich die Kosten reduzieren lassen - durch Serienproduktion und Änderungen am Design. Und in der Werkhalle zeigt er schon den nächsten Schritt, an dem man bei "WS-Reformer" arbeitet: die Speicherung des gewonnenen Stroms in Batterien.
Die Marktchancen für die Brennstoffzelle schätzt Schmid gut ein. Einerseits, weil Erdgas mit dem Reformer-Verfahren doppelt, für Strom und Wärme, genutzt werden kann. Außerdem ist für die Erdgasnutzung schon eine Versorgungsstruktur vorhanden – das Erdgasnetz. Auch der Trend hin zur stärkeren Dezentralisierung der Energieversorgung spricht aus seiner Sicht für kleine Wasserstoff-Kraftwerke für jedermann. "Die Brennstoffzelle zu Hause ist eine gute Ergänzung zur Solarenergie, deren Leistung im Winter siebenmal niedriger als im Sommer ist."
Markteroberung - eine Frage der Zeit
Bei "WS-Reformer" sind Forscher- und Unternehmergeist eine fruchtbare Symbiose eingegangen. Und beides wird kontinuierlich weiter gefördert. "Wenn man einen Schritt erfolgreich gemacht hat, dann kommt der nächste, und dann kommt die nächste Hürde", sagt Geschäftsführer Schmid lachend. Immer findet sich eine Lösung, wie das Beispiel der serienmäßigen Fertigung von Brennstoffzellen zeigt. Damit reagierte das Unternehmen auf fehlende Partner beim Vertrieb des Reformers.
Hans-Peter Schmid ist optimistisch, dass "WS Reformer" sich seinen Markt weiter erobern wird. Es scheint eine Frage der Zeit. Noch fehlt aus Sicht des Ingenieurs das Bewusstsein in Wirtschaft und Gesellschaft. Bei den Unternehmen werde, so Schmid, der Handlungsdruck kommen: durch die Ressourcenfrage, die Innovationszyklen, und nicht zuletzt durch die Konkurrenz.
Und die Gesellschaft? Schmids Antwort ist knapp: "Der Strom kommt immer noch einfach aus der Steckdose. Die Energiewende muss auch in den Köpfen stattfinden."
