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Energiebotschafter

Über die Panne zum Elektroauto

Mit Vollgas spätabends im Schneesturm über Land fahren, hin und her – das ist typisch für Amadeus Bürgel. Eine Aktion, um zu testen, wie viele Kilometer sein Elektroauto bei null Grad schaffen kann.

Junger Mann tankt e-Mobil auf Amadeus Bürgel ist von der Elektromobilität überzeugt Foto: Sebastian Bolesch

40 Kilometer waren es, "aber 60 wären auch machbar gewesen", so der 26-Jährige. "Ich teste das Schneechaos, weil die Leute sagen, wie willst Du denn den im Winter fahren? Und dann sage ich immer, na, ich probier es aus."

Der Bezug zur Praxis ist dem jungen Mann wichtig. Er hat deshalb an der Ostfalia in Wolfenbüttel Energie- und Gebäudetechnik studiert und nebenbei seinen Installateur- und Heizungsbaumeister gemacht. Heute arbeitet er im Familienunternehmen für Heizungs- und Sanitärinstallation und macht seinen Master in Energiesystemtechnik. In puncto Elektromobilität hatte er erstmals an der Hochschule "Lunte gerochen".

Vom Mieter zum Eigentümer

Eine Panne war es, die Bürgel von der Elektromobilität überzeugte. Sein Wagen mit Ottomotor war kurz vor dem Urlaub liegen geblieben. Das Projektteam vom "E-Wald" in Bayern lieh ihm kurzerhand ein Elektroauto. "Das war meine erste Woche und seitdem bin ich begeistert." So begeistert, dass er für den Familienbetrieb ein Elektro-Auto kaufte. Mit dem kleinen Flitzer fahren er und seine Mitarbeiter nun zu den Kunden.

Bürgel hat inzwischen schon viele Elektrofahrzeuge ausprobiert, auch die Mietautos seiner Hochschule – wenn er denn Gelegenheit dazu bekommt. "Das Elektroauto unserer Fakultät wird viel genutzt. Wenn ich es zum Wochenende haben will, stelle ich oft fest, dass es erst Wochen später wieder frei ist." Bürgels Smartphone zeigt die Leidenschaft des Studenten: Fotos digitaler Tacho-Anzeigen und Batterien. Sogar Wärmebilder des Elektro-Mobils finden sich darauf: "Ich bin ein bisschen verrückt", räumt der Versorgungsingenieur ein. "Ich wollte einfach mal gucken, wo das Fahrzeug warm wird."

Immer geladen

Das ungewöhnliche Erscheinungsbild und die Flügeltüren seines Elektro-Flitzers stören ihn nicht. "Wenn die Technik mich begeistert, ist mir völlig egal, wie der aussieht. Ich habe ihn Probe gefahren und dann war klar: den nehme ich", sagt Bürgel. Mittlerweile ist das Fahrzeug 2.200 Kilometer gefahren, und sein Besitzer zufrieden. "Wir haben es bislang nicht geschafft, dass einer nicht losfahren konnte, weil die Batterie leer war. Wenn einer lange unterwegs war, hängt er das Auto zwischendurch an die Steckdose, dann ist es nach zwei Stunden voll."

Zwölf Jahre wurde die Außensteckdose des Betriebs nicht genutzt. Nun lädt das Auto hier regelmäßig Energie nach, andere E-Fahrer dürfen die Steckdose ebenfalls nutzen. Gespeist wird der Strom im Sommer aus der hauseigenen Photovoltaik-Anlage und im Winter aus dem Mini-Blockheizkraftwerk. Das ist Ehrensache für einen Betrieb, der Heizungs- und Energiesysteme installiert.

Sparsam mit Spaß

Ein Elektroauto erziehe seinen Fahrer zum sparsamen Verbrauch, erzählt der Student, denn: wer weniger verbraucht, fährt weiter. "Wenn ich ein schnelles Auto habe, fahre ich auch gern schnell. Mit so einem Elektroauto entwickelt man die Motivation, möglichst wenig zu verbrauchen. Das macht Spaß. Das ist auch ein kleiner Wettbewerb unter E-Fahrern." Es gibt Wettbewerb und Verbundenheit: die Fahrer grüßen sich auf der Straße – so wie damals die Käfer- und Ente-Fahrer.

Energiespar-Fan Bürgel ist überzeugt von der Elektromobilität. Der hohe Wirkungsgrad von 80 bis 90 Prozent begeistert ihn. Im Vergleich: Beim Verbrennungsmotor sind es nur 30 bis 40 Prozent. Die restliche Energie, und das ist nicht wenig, verpufft da als Abwärme. Heizungsfachmann Bürgel rechnet vor: "Ein kleiner Golf-Motor von 80 bis 110 PS entspricht 60 bis 80 Kilowatt, Ihre Heizung hat 5 bis 6 Kilowatt – Sie könnten also mit einem Golf-Motor zwölf moderne Häuser beheizen!"

Plan E

Ein wenig Planung gehört zum Betrieb des Elektro-Mobils, doch das stört Bürgel nicht: "Man muss so ein bisschen überlegen, wer ist der nächste und wo will er hin, reicht das, reicht das nicht. Man muss die Strecken etwas bewusster planen, vielleicht auch nicht die schnellste Route nehmen. Es stört ja keinen, wenn man auf einer wenig befahrenen Landstraße 90 statt 100 fährt. Und man ist auch nicht wesentlich später am Ziel."

Die Ladezeiten nimmt er locker – denn wenn er wirklich mal 60 Kilometer fährt, "dann will ich an meinem Zielort ja was machen und nicht nur zehn Minuten bleiben".