Donnerstag, 24. Januar 2013
Energiebotschafter
Gut beraten – Geld gespart
Butter und Teewurst - eine feine Kombination. Doch ist der Kühlschrank ansonsten leer, läuft er nur dafür auf Hochtouren. Michael Grow und Mohammed Khalife erleben viel, wenn sie als Energiesparberater unterwegs sind.
Mohammed Khalife (links) und Michael Grow beraten und legen auch mit Hand an
Foto: Sebastian Bolesch
Die beiden Berliner sind sich einig: geht es um den Stromverbrauch, wird der Kühlschrank am häufigsten unterschätzt. Das Gerät kann je nach Alter und Nutzung schon mal 400 bis 500 Kilowattstunden pro Jahr verbrauchen. Das ist Strom für rund 100 Euro. Schnell sind die Berater dabei, das auszurechnen. Denn das ist eine Größenordnung, die vielen mehr sagt als die Maßeinheit für Stromverbrauch.
Zum Verzicht rufen die beiden niemanden auf. Aber wenn nur Butter und Wurst im Kühlschrank liegen, schlagen sie zum Beispiel vor: Auf ein kleineres Gerät umzusteigen oder den Kühlschrank mit Styropor-Elementen zu füllen, um das Kühlvolumen zu verkleinern.
Manchmal werden sie noch direkter. Grow nimmt – ganz Berliner Schnauze – da kein Blatt vor den Mund: "Ich sag den Leuten gern: Da unten ist der Aldi, der kühlt für Sie." Und er hat auch schon vorgerechnet: Ewig kühl gehaltene Sonderangebote haben irgendwann so viel Strom verbraucht, dass sie nicht mehr günstig sind.
Vom Energiesparer zum Sparberater
Grow und Khalife sind ein eingespieltes Team. Seit 2009 sind die beiden als Energiesparberater dabei. Sie gehörten zu den ersten, die sich beraten ließen, als die Caritas eine eigene Energieberatungen in Berlin-Neukölln anbot. Das Bundesumweltministerium fördert die Beratungen über die Initiative "Stromspar-Check".
Aber da war nicht viel. Khalife lacht: "Ich hatte schon Energiesparlampen und der Duschkopf war ganz ordentlich." Das war für den Elektriker selbstverständlich. Ähnlich bei Grow: Der ehemalige Maler und Haustechniker hatte sich schon vor 30 Jahren die erste Energiesparlampe gekauft. "Da haben mir die Leute noch gesagt: Du bist doch balla".
Sparpakete die passen
Zwei Mal besuchen die Stromsparhelfer einen Haushalt, der einen Termin zum Stromsparcheck vereinbart hat. Einmal kommen sie, um sich anzuschauen, welche Geräte in der Wohnung sind und wie sie genutzt werden. Das ist die Grundlage, um den Stromverbrauch zu berechnen und zu überlegen, wie die Bewohner am besten Strom sparen können.
Beim zweiten Besuch haben sie dann ein passgenaues Sparpaket dabei: Wasserstrahlregler, Kühlschrankthermometer, bis zu 15 Sorten Energiesparlampen und anderes. Rund 70 Euro ist das Paket wert, bei großen Familien manchmal auch mehr.
32 Lampen sind zu viel
Gelegentlich müssen sie jedoch die Segel streichen: Bei 32 Lampen in einem Kristallleuchter wäre ihr Budget für einen Haushalt schnell erschöpft. So muss immer wieder entschieden werden, welche Maßnahmen am sinnvollsten sind.
Doch nicht nur die Geräte einer Wohnung sind wichtig, die Lebensgewohnheiten spielen eine ebenso große Rolle: Die beiden haben schon verdutzt im warmen Zimmer vor einem kalten Heizkörper gestanden, denn der laufende Fernseher heizte das Zimmer.
Und das muss sich auch nach der Beratung nicht ändern: Denn Umdrehen wollen und können die "Energieengel" niemanden. Auch wenn Heizungswärme günstiger wäre oder ein kleinerer Fernseher weniger Energie verbräuchte.
Nach Einschätzung der beiden Energiesparer führte bislang noch jede Beratung dazu, in Haushalten den Stromverbrauch zu senken.
"Machen wir weiter!"
Erst neulich hat ein Familienvater Khalife angerufen und sich bedankt. Seine Familie hatte so viel Strom gespart, dass es am Ende des Jahres sogar eine Rückzahlung gab. "Dann denke ich: Das bringt was, mein Gott, machen wir weiter."
Manche "Kunden" von Khalife und Grow sind so begeistert, dass sie hinterher selber Stromsparhelfer werden wollen. Das Geheimnis der beiden? "Einfach jedem Menschen mit Respekt begegnen." Und das fällt eben leicht, wenn man seinen Beruf liebt.
Für Grow ist die Arbeit als Energiesparengel eine glückliche Fügung. "Menschen zu helfen ist für mich das Wichtigste," sagt er. "Der Job ist für mich gut, für die Menschen gut, und für die Umwelt – das ist doch eine tolle Geschichte." Er und Khalife waren selbst arbeitslos und wissen, wie es ist, wenn dann auch noch die Strompreise steigen.
Kein Tag ist wie der andere
Beide lieben die Abwechslung, die der Beruf mit sich bringt: den Kontakt zu den Menschen, die Wohnungsbesuche, das Berechnen und das Zusammenstellen der Sparpakete.
Neuerdings ist noch ein Aspekt dazu gekommen: Immer wieder interessieren sich Journalisten für ihre Arbeit, immer wieder erzählen und zeigen die beiden, was sie tun und warum. Und das kann die Arbeit auch erleichtern: "Manchmal kommt man in eine Wohnung und hört: Sie kennen wir doch aus dem Fernsehen".
Khalife lacht. Der große Auftritt ist sein Ding nicht – bei den Menschen willkommen zu sein, das wohl.
