Mittwoch, 6. März 2013
Energiebotschafter
Von sonnenwarm bis sonnenkalt
Kreuz und quer durch die Toskana – für viele Menschen ist das Urlaub, für Thomas Krause Arbeitsalltag. Mit seiner Firma "Energia e Sole" in Roccalbegna verfolgt der Norddeutsche eine Mission: Er möchte die Sonne für möglichst viele italienische Haushalte, Hotels und Schulen arbeiten lassen.
Energiebotschafter Thomas Krause entwickelt Solartechnik
Foto: Burkhard Peter
Der Ingenieur für Solartechnik bietet Energiesysteme für Sonne, Biomasse und Erdwärme der Braunschweiger Firma Solvis an. Er plant und koordiniert die Installation, sorgt anschließend für Wartung und Reparatur. Alles aus einer Hand - so stellt der Ingenieur sicher, dass die Anlagen funktionieren und die Auftraggeber zufrieden sind.
"Eine Anlage perfekt zum Laufen zu bringen – das macht Spaß", findet er und macht auch gern ältere oder reparaturbedürftige Anlagen wieder fit.
Mit der Sonne leben und arbeiten
"Wir wollen leben, was wir arbeiten." Unter diesem Motto zog es Thomas Krause und seine Frau in den Süden - der Brasilianerin war es auf Dauer zu kalt in Deutschland. Das Paar machte eine Tour durch Europa, suchte einen geeigneten Ort, um seine Ideen zu verwirklichen.
In der Toskana, einhundert Kilometer südlich von Florenz, fanden sie schließlich ein Traumgrundstück mit altem Natursteinhaus. Während zahlreicher Urlaube sanierten sie das Haus und wohnen nun seit fast zehn Jahren hier. Für sie ist es Ehrensache, das eigene Zuhause mit Erneuerbaren Energien zu versorgen: eine Photovoltaik-Anlage mit Hausbatterie ersetzt den Stromanschluss, eine solarthermische Kombianlage bringt Wärme.
Heizen mit Pullover
Das ist in Italien noch etwas Besonderes: Die meisten Haushalte heizen noch mit Öl oder Gas – oft jeder für sich. So hat in italienischen Mehrfamilienhäusern häufig jeder Mieter seinen eigenen Heizkessel auf dem Balkon – keine zentrale Heizungsanlage mit Zählern für die einzelnen Wohnungen.
Beim Heizen scheinen die Italiener nach den langen, warmen Sommermonaten traditionell Abstriche zu machen: "Man heizt im Winter sparsam. Mit der Haltung 'der Sommer kommt ja bald wieder'‚ reicht man seinen Gästen einfach noch einen Pullover", erzählt Krause. Solargestützte Heizungssysteme seien jedoch im Kommen. Die Einstellung "Schluss mit Frieren, mit 17 Grad und Schnupfen" verbreite sich. Und auch die italienische Regierung fördert Investitionen in Erneuerbare Energien.
Was bringt Italiener dazu, ausgerechnet deutsche Solarsysteme zu kaufen? Thomas Krauses ganz persönliche Antwort: "Wir Deutschen haben wenig Sonne, deshalb gehen wir damit sorgfältig um – darum sind wir darin auch so gut."
Sonne im Wasser
So ist Italien nicht nur das richtige Land für Thomas Krause, sondern der Maschinenbauingenieur auch der richtige Mann für Italien: Nach dem Studium hat er viele Jahre für Solvis in Braunschweig gearbeitet. Das Unternehmen brachte in den 90er Jahren eine der ersten solarthermischen Kombianlagen auf den Markt. Herzstück der Anlagen, damals wie heute, ist der Wassertank. Er speichert die Wärme aus den Solarkollektoren. Diese kann man für Warmwasser und zum Heizen nutzen.
Die Besonderheit: ergänzende Energieerzeuger wie Öl- oder Gasbrenner, Wärmepumpe oder Fernwärme sind in diesen Wasserspeicher integriert. So verringert sich der Wärmeverlust, und die Heizung arbeitet besonders energiesparend. Ein weiteres Plus: Die Anlage kann später problemlos umgerüstet und mit einer anderen Energiequelle versehen werden. So lassen sich auch Pelletkessel oder Kaminöfen anschließen. Auf dieses einzigartige Prinzip hält Solvis ein Europapatent.
Thomas Krause war und ist überzeugt von dieser Technik. Wesentliche Komponenten hat er mitentwickelt, zunächst als Entwicklungsingenieur und später als Produktverantwortlicher. Zum Beispiel den "Schichtenspeicher" mit "Schichtenlader": Hierbei wird die natürliche Temperaturverteilung im Wasserspeicher – oben heiß und unten kalt – gezielt erhalten und damit die Wärme optimal genutzt. Heißes Wasser wird oben aus dem Kessel entnommen, etwa um das Trinkwasser im Wärmetauscher zu erwärmen, das abgekühlte Wasser unten zurückgeführt.
Mit Wärme kühlen
Zur Mutterfirma hat der Ingenieur auch über die große Distanz einen guten Draht: Schulungen, persönliche Kontakte und ein neues Forschungsfeld verbinden die Solarexperten: das Kühlen mit der Sonne. In einem sonnenreichen Land wie Italien ein wichtiges Thema.
Thomas Krause hat in einem toskanischen Hotel eine wasserbasierte Klima-Anlage installiert. Die Wärme aus den Solarkollektoren treibt dort im Sommer die Kältemaschine an – nicht Strom wie in anderen Anlagen üblich. Die Solarkollektoren auf dem Dach können nun beides: heizen im Winter und kühlen im Sommer. Die derzeit größte solare Kühlanlage in der Toskana beweist: Wärme und Kälte liegen manchmal nah beieinander.
