Montag, 18. Februar 2013
Energiebotschafter
Hüter des schlauen Netzes
Dass Stephan Elgas am Schreibtisch sitzt, ist eher die Ausnahme. Eigentlich spielt sich sein Job draußen ab, zwischen Mast und Kabelgraben, Leitungsschneisen, Tannen und Containern. Und das Tag und Nacht – je nachdem, wann Störungen im Stromnetz auftreten.
Ingenieur Elgas ist der "Netzmann" der Gemeinden Prüm und Arzfeld
Foto: Sebastian Bolesch
"Die meiste Arbeit haben wir mit der Streckenkontrolle und der Pflege unserer Trassen, um Schäden vorzubeugen. Das fängt bei Schneebruch an und hört bei Tauwetter mit unterspülten Bäumen auf", erklärt der Elektrotechniker mit Sitz in Prüm, einem Ort inmitten der sogenannten Schneeeifel.
Elgas ist der "Netzmann" der beiden Verbandsgemeinden Prüm und Arzfeld, die zusammen etwa 750 Quadratkilometer Fläche umfassen. Er kennt hier jeden Baum und jeden Hügel. Das liegt daran, dass er im Monat bis zu 2.000 Kilometer herumfährt. Außerdem ist er 15 Kilometer westlich von Prüm, in Habscheid, aufgewachsen.
Nicht nur der Heimat ist der Elektrotechniker treu geblieben. Seit über 20 Jahren arbeitet er beim örtlichen Energieversorger RWE. In der Zeit hat er sich über den harten Weg der Abendschule mehrfach weiter qualifiziert: zuletzt zum technischen Betriebsmeister.
Begeisterung von Anfang an
Elgas' derzeitige Spezialaufgabe ist es, das intelligente Verteilnetz "Smart Country" zu betreuen. Die RWE-Tochter "Westnetz" hat es im Kreis Bitburg-Prüm eingerichtet. 2011 begann das Projekt, die Bundesregierung gab drei Millionen Euro Starthilfe dazu. Das IT-gesteuerte Stromnetz gilt es am Laufen zu halten, Störungen zu beheben.
Elgas hat das Projekt mit großem Engagement übernommen. Denn die Eifel steht wie viele andere ländliche Regionen vor einer technischen Herausforderung: Immer mehr Windräder drehen sich auf den Hügeln, immer mehr Häuser haben eine Solaranlage auf dem Dach.
Sie alle speisen Strom ins Netz ein - und das kann nicht immer mithalten. Schon im Startjahr von "Smart Country" war die Kapazität aller Ökostrom-Anlagen mit rund 13 Megawatt viermal größer als die Höchstlast, für die das regionale Verteilnetz ausgelegt war.
Statt aufwändig viele neue Kabel und Freileitungen zu legen, konzentrierte man sich in "Smart Country" darauf, die bestehenden Netze technisch aufzurüsten: Messpunkte messen die Netzspannung und die Stromnachfrage. Mit intelligenter Technik ausgestattete Spannungsregler halten die Spannung exakt beim eingestellten Wert.
Wenn Wind und Sonne nicht ausreichend Energie liefern, um den Bedarf zu decken, kommt ein Blockheizkraftwerk zum Einsatz. Um Strom zu produzieren, zapft das Kraftwerk einen großen Biogasspeicher an.
Stephan Elgas ist begeistert von der neuen Technik: "Das ist ein neuer Weg, um meiner Grundaufgabe nachzukommen - nämlich dafür zu sorgen, dass die Stabilität der Grundversorgung erhalten und verbessert wird." Vor allem die Biogasanlage plus Speicher hat es ihm angetan. Der Speicher hat einen hohen Wirkungsgrad und braucht wenig Platz, weil er einfach auf die Anlage aufgepfropft wurde.
Ein Mann für alle Energiefragen
Elgas will, dass die Menschen so wenig Umstände wie möglich durch die technischen Veränderungen haben: "Wenn die Technik im Hintergrund ihren Dienst tut und der Kunde am besten nichts davon merkt, dann haben wir eigentlich alles richtig gemacht."
Doch das "Strippenziehen" im Hintergrund scheint gar nicht zu gehen, denn das Interesse am Thema ist stark. Gerade Landwirte versprechen sich von der Energieproduktion eine zusätzliche Einkommensquelle. Viele beschäftigt die Energiewende als solche.
Insofern hat Elgas nicht nur viel mit Technik sondern auch mit Menschen zu tun: Freunde, Verwandte, Bekannte und manchmal auch ganz Fremde sprechen ihn an, um Informationen zu bekommen oder seine Einschätzung zur Energiewende zu hören.
Elgas sieht seine umfangreiche Beratungstätigkeit gelassen: "Das geht alles ineinander über."
