"Modrows Plan" für die Einheit
30. Januar 1990: Ministerpräsident Hans Modrow reist nach Moskau, um Präsident Michael Gorbatschow zu treffen. Im Gepäck: ein Papier mit dem Titel: „Für Deutschland einig Vaterland“. Das Papier hatten Modrow und der sowjetische Botschafter in Ostberlin in Vorbereitung des Treffens erarbeitet.
Das Papier basiert auf Modrows Idee, „die Stabilisierung der DDR mit einer stufenweisen Vereinigung der beiden deutschen Staaten zu verbinden“. Modrow hatte die Idee gemeinsam mit dem Runden Tisch erarbeitet.
Erste Stufe: eine nachbarschaftliche Vertragsgemeinschaft mit konföderativen Elementen, eine Wirtschafts-, Währungs- und Verkehrsunion sowie eine Rechtsangleichung.
Zweite Stufe: eine Konföderation der beiden deutschen Staaten mit gemeinsamen Organisationen und Institutionen, zum Beispiel einem parlamentarischen Ausschuss, einer Länderkammer und gemeinsamen Exekutivorganen.
Dritte Stufe: die Souveränitätsrechte beider Staaten werden an die Machtorgane der Konföderation übertragen.
Vierte Stufe: ein einheitlicher deutscher Staat in Form einer Deutschen Föderation oder eines Deutschen Bundes – mit gemeinsamem Parlament und gemeinsamer Regierung.
Gorbatschow nennt diese Überlegungen „Modrows Plan“ und lässt damit erkennen, dass sie der Kreml akzeptiert.
