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Honeckers Sturz

17. Oktober 1989: Ministerpräsident Willi Stoph fordert zu Beginn der Politbürositzung Erich Honecker zum Rücktritt als Staatsratsvorsitzender und SED-Chef auf. Honecker leistet kaum Widerstand. Alle Politbüromitglieder stimmen dem Rücktritt zu.

Dass Honecker nicht mehr der richtige Mann im Amt war, hatte der 40. Jahrestag der DDR am 7. Oktober noch einmal deutlich gemacht. In seiner Festtagsrede ging er mit keinem Wort auf die desolate Lage im Land ein. Stattdessen lobt er die Erfolge des Sozialismus. Honecker zeigte sich damit als ein Staatsführer ohne Einsicht, der jeden politischen Instinkt verloren hatte. Viele Vertreter der SED-Führung ärgerten sich über die Feierlichkeiten und bewerteten sie als Misserfolg.

Der Wunsch nach Reformen

Bereits im August 1989 hatte SED-Politbüromitglied Egon Krenz versucht, mit Honecker über grundlegende Reformen zu reden. Doch Honecker zeigte sich stur und wollte nichts von Veränderungen wissen.

Gemeinsam mit Politbüromitglied Günter Schabowski erarbeitete Krenz ein fünfseitiges Papier mit kritischen Ansätzen. Krenz wollte es auf einer Sitzung am 8. Oktober mit anderen Politbüromitgliedern besprechen. Es sollte vom Politbüro verabschiedet und veröffentlicht werden. Doch Honecker lehnte eine Besprechung des Papiers ab. Krenz wirkte jedoch in Telefonaten weiter auf Honecker ein. Beide vereinbarten, am nächsten Tag nochmals über die Angelegenheit zu sprechen.

Veränderungen im Dialog

Schließlich erreichte Krenz sein Ziel, das Papier wurde im Politbüro besprochen. Als „Stellungnahme des SED-Politbüros zur Massenflucht“ wurde es schließlich am 12. Oktober im „Neuen Deutschland“ veröffentlicht, der wichtigsten - unter SED-Einfluss – stehenden Tageszeitung.

Darin ist von einem Dialog die Rede. Bisher hatte die SED alleinig die Entwicklung der DDR bestimmt. „Gemeinsam wollen wir Antwort finden, wie wir die nicht leichten Herausforderungen des kommenden Jahrzehnts im Sinne der humanistischen Ideale des Sozialismus bestehen können. Gemeinsam wollen wir unser Vaterland so gestalten, dass die wachsenden materiellen und kulturellen Bedürfnisse jedes Einzelnen entsprechend seiner Leistungen erfüllt werden können.“

Am selben Tag wird Honecker scharf auf einer Sitzung mit den SED-Bezirkschefs kritisiert. Das hatte es bisher noch nicht gegeben. Vor allem Hans Modrow von der Bezirksleitung Dresden greift Honecker an. Die Durchfahrt der Züge mit DDR-Flüchtlingen aus der Prager Botschaft hatte zu großen Unruhen in Dresden geführt.

Revolte in Dresden

Krenz fühlt sich dadurch ermutigt. Am 15. Oktober verabredet er mit weiteren Politbüromitgliedern, Erich Honecker in der nächsten Politbürositzung zum Rücktritt zu bewegen. Rückendeckung erhält Krenz auch durch den sowjetischen Präsidenten Michael Gorbatschow.

Die Abstimmung über Honeckers Rücktritt fällt am 17. Oktober einstimmig aus. Auch Honecker hatte für seinen Rücktritt gestimmt.