Mittwoch, 12. September 2012
Wiedervereinigung
Der 3. Oktober behält seinen Sinn
Über 15 Millionen junge Deutsche haben das Licht der Welt erst nach der Wiedervereinigung erblickt. Weitere fünf Millionen waren zwar schon geboren, wahrscheinlich aber zu jung, um zu verstehen, was da passierte. Heißt: Die bewegenden Ereignisse der Jahre 1989/90 sind für etwa ein Viertel der Bevölkerung Geschichte.
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Die Feier zur deutschen Einheit am 03. Oktober 1990 vor dem Reichstagsgebäude.
Foto: Bundesregierung/Reineke
Junge Leute können nur ihre Eltern und Großeltern befragen, wie sie die Friedliche Revolution, den Mauerfall, die Wiedervereinigung erlebt haben. Oder darauf hoffen, im Geschichtsunterricht etwas darüber zu erfahren.
Umso wichtiger ist es, wenigstens einmal im Jahr, am Tag der Deutschen Einheit, an die Ereignisse von „damals“ zu erinnern; vor allem daran, dass es die Menschen in der DDR waren, die sich Freiheit und Einheit erkämpft haben. Und es gilt zu vermitteln, weshalb die Einheit ein Grund zur Freude bleibt – warum es nicht selbstverständlich ist, dass alle Deutschen heute Bürgerinnen und Bürger eines freien Landes sind, das im Frieden mit allen seinen Nachbarn lebt.
Zwischenbilanzen
Die Tage der Deutschen Einheit bieten Anlass, Erinnerungen wachzurufen und zugleich Zwischenbilanzen zu ziehen: Wie weit ist der Einigungsprozess gediehen? Die im Grundgesetz verankerten Freiheiten gelten heute für alle Deutschen. „Eine wirkliche Befreiung im umfassenden Sinne“, nennt Bundeskanzlerin Angela Merkel das Ende des SED-Regimes und die Wiedervereinigung. Dennoch gibt es in einigen Köpfen immer noch Barrieren, die offenbar schwer zu überwinden sind.
Dass die Innenstädte in den neuen Ländern weitestgehend saniert, lebens- und sehenswert sind, weiß jeder, der mit offenen Augen hinschaut. Vom Zerfall bedrohte Denkmäler sind gerettet. Die Infrastruktur ist inzwischen auf wettbewerbsfähigem Niveau; von den geplanten 38,7 Milliarden Euro hat der Bund bereits über 30 Milliarden in die Verkehrsprojekte Deutsche Einheit investiert.
In weiten Teilen der neuen Länder sind moderne mittelständische Betriebe an die Stelle maroder Industriestrukturen getreten. Eine ganze Reihe von Unternehmen – insbesondere im Hochtechnologiebereich – sucht inzwischen händeringend Fachkräfte und lässt sich manches einfallen, um der Abwanderungsneigung junger Menschen zu begegnen. Die Arbeitslosigkeit ist zwar immer noch fast doppelt so hoch wie in den alten Ländern, aber insgesamt erheblich gesunken.
Normalität?
Für die allermeisten jungen Menschen ist die Einheit Normalität. Trotzdem – oder gerade deswegen – ist es notwendig, hin und wieder darauf hinzuweisen, dass die Einheit nicht vom Himmel gefallen ist – und dass die Einheit, wie wir sie heute haben, das Ergebnis harter Arbeit und großartiger Solidarität ist.
