Montag, 20. Februar 2012
Berufliche Bildung
In Deutschland erhalten rund 60 Prozent aller jungen Menschen ihre Berufsausbildung im so genannten dualen System mit den Partnern Betrieb und Berufsschule. Das duale Berufsbildungssystem ist weltweit anerkannt.
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Manch einer muss früh aufstehen
Foto: Photothek
Das Berufsbildungsgesetz wurde zuletzt 2005 grundlegend modernisiert. Die Bundesregierung will die berufliche Ausbildung durch eine Strukturreform noch attraktiver und international wettbewerbsfähiger machen. Gemeinsam mit den Sozialpartnern modernisierte sie in den letzten Jahren die überwiegende Zahl der derzeit circa 350 Ausbildungsberufe oder schuf neue.
Nach jahrelangem Lehrstellenmangel gibt es derzeit mehr Ausbildungsplätze als Ausbildungssuchende, eine Chance auch für schwache Schülerinnen und Schüler. Der Pakt für Ausbildung und Fachkräftenachwuchs konzentriert sich auf diesen Personenkreis mit zahlreichen Hilfsangeboten wie dem Programm Bildungsketten oder den Einstiegsqualifizierungen.
Berufsorientierung
Besonders gefährdet sind Hauptschülerinnen und Hauptschüler. Ihnen will die Bundesregierung mit 3.000 Berufseinstiegsbegleitern oder Bildungslotsen den Weg in einen Beruf ebnen. „Wir wollen für diese Jugendlichen betreuende Bildungsketten schaffen – von der siebten Klasse an bis hinein in die Berufsbildung", sagte Bildungsministerin Schavan. In Zusammenarbeit mit der Bundesagentur für Arbeit werden 3.000 haupt- und ehrenamtliche Bildungslotsen eingesetzt, die vor allem bei der Berufsorientierung helfen. Um die Zahl der Schulabbrecher nachhaltig zu verringern, will die Bundesregierung für das auf acht Jahre angelegte Programm bis 2018 insgesamt 755 Millionen Euro investieren.
Ganz wichtig ist auch eine Berufsorientierung für Mädchen in bisher eher typische Männerberufe. Um sie für die so genannten MINT-Berufe zu begeistern - also für Berufe in Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik - gibt es einen Pakt von Politik und Wirtschaft und das Technikum.
Teilzeitberufsausbildung
Die Ausbildungsmöglichkeiten sind flexibler und vielfältiger geworden in den letzten Jahren. Für junge Menschen, die kleine Kinder haben oder Angehörige pflegen ist im Berufsbildungsgesetz die Möglichkeit verankert worden, eine Berufsausbildung auch in Teilzeit gestalten zu können. Dies eröffnet jungen Menschen mit Familie eine realistische Perspektive auf eine qualifizierte Berufsausbildung. Gleichzeitig sichert sie den Betrieben Fachkräftenachwuchs durch motivierte Auszubildende, die aufgrund ihrer familiären Verantwortung gute soziale und organisatorische Kompetenzen mitbringen.
Fast ein Fünftel der betroffenen Jugendlichen, überwiegend Frauen, hat ein Kind zu betreuen. Ein „berechtigtes Interesse“ an einer Teilzeitausbildung liegt auch dann vor, wenn der Auszubildende einen Angehörigen pflegen muss.
