Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung
Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung
Im vergangenen Jahrhundert wurden Millionen Menschen vertrieben. Die "Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung" soll an dieses Unrecht erinnern und zur Versöhnung beitragen.
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Flüchtlingstreck im ehemaligen Ostpreußen
Foto: picture-alliance / akg-images
Die Bundesregierung hat 2008 beschlossen, die „Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung“ zu errichten. Ihr Träger ist das Deutsche Historische Museum (DHM).
An das Unrecht erinnern
Zweck der Stiftung ist es gemäß § 16 des Errichtungsgesetzes, "im Geiste der Versöhnung die Erinnerung und das Gedenken an Flucht und Vertreibung im 20. Jahrhundert im historischen Kontext des Zweiten Weltkrieges und der nationalsozialistischen Expansions- und Vernichtungspolitik und ihren Folgen wachzuhalten". Hierzu soll in Berlin ein Ausstellungs-, Dokumentations- und Informationszentrum eingerichtet werden.
Themen der Dauerausstellung
Ein Schwerpunkt der geplanten Dauerausstellung wird die Darstellung von Flucht und Vertreibung Deutscher aus ihrer Heimat sein. Ausgelöst durch die aggressive Außenpolitik des Deutschen Reiches, wurden sie aus den früheren preußischen Ostprovinzen und den Siedlungsgebieten in Mittel-, Ost- und Südosteuropa während und nach dem Zweiten Weltkrieg vertrieben. Weitere Themen sind die Eingliederung der Flüchtlinge und Vertriebenen in den beiden deutschen Teilstaaten und ihre Aufbauleistungen.
Ein weiterer Aspekt wird die europäische Dimension dieses Themas sein. Von Flucht und Vertreibung waren im vergangenen Jahrhundert auch Millionen weitere Menschen vor allem in Ostmitteleuropa und Russland betroffen.
Individuelle Schicksale im Fokus
Neben der Dauerausstellung sind ergänzende Wechselausstellungen geplant, die einzelne Themenaspekte vertiefen. Die Darstellung von Einzelschicksalen soll die Tragweite von Flucht und Vertreibung und das dadurch ausgelöste menschliche Leid veranschaulichen.
Die Stiftung wird auch individuellem Gedenken angemessen und würdevoll Raum geben.
Die Ausstellungen der Stiftung richten sich an ein breites Publikum. Als Zielgruppen kommen neben Vertriebenen und ihren Nachfahren das hauptstädtische Publikum sowie sämtliche in- und ausländischen Berlin-Besucher in Betracht. Neben der durchgängigen Mehrsprachigkeit soll die Dauerausstellung weitere Angebote (Audio-Guides, spezielle Führungen) für ausländische Besucher gerade aus dem nordost-, mittel-, südost- und osteuropäischen Raum bereithalten.
Umbaupläne für das Deutschlandhaus
Standort der Ausstellung wird das Berliner Deutschlandhaus. Das in der Nähe des Potsdamer Platzes gelegene Gebäude muss zu diesem Zweck umgebaut werden. Dafür ist ein Architektenwettbewerb durchgeführt worden, den das österreichische Architekturbüro Marte.Marte gewonnen hat.
Der Entwurf von Marte.Marte reduziert den Bestand des Deutschlandhauses konsequent auf dessen historisch wertvolle Substanz im Bereich der Straßenfassaden. Der Rest des Gebäudes weicht einem zeitgenössischen Museumsbau mit frei bespielbaren Ausstellungsflächen.
Für die Ausstellungs-, Veranstaltungs- und Büroflächen sowie die Mediathek der "Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung" sind im Deutschlandhaus etwa 3.300 Quadratmeter vorgesehen.
Dem Stiftungsrat unter Vorsitz von Kulturstaatsminister Bernd Neumann gehören 21 Mitglieder an. Davon werden 19 vom Deutschen Bundestag gewählt. Der Präsident der Stiftung Deutsches Historisches Museum sowie der Präsident der Stiftung Haus der Geschichte sind qua Amtes Mitglied. Im Stiftungsrat sind die Bundesregierung mit drei Mitgliedern, der Deutsche Bundestag mit vier Mitgliedern und der Bund der Vertriebenen mit sechs Mitgliedern vertreten. Der Zentralrat der Juden in Deutschland sowie die Evangelische und die Katholische Kirche stellen je zwei Mitglieder.
Dem Wissenschaftlichen Beraterkreis gehören 15 international ausgewiesene Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Deutschland, Polen, der Schweiz, Ungarn und den USA an. Er berät den Stiftungsrat und den Direktor entsprechend dem Stiftungszweck in fachlichen Fragen.
Dieser Beitrag wurde zuletzt aktualisiert am 29.08.2012
