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Dienstag, 17. April 2012

Integration

Jugendintegrationsgipfel - Ideenschmiede für ein gutes Miteinander

100 Jugendliche aus ganz Deutschland engagieren sich für ein gutes Miteinander. Zwei Tage lang diskutierten die 16- bis 25-Jährigen über das Gelingen von Integration. In vier Workshops erarbeiteten die Jugendlichen gemeinsame Aktionspläne. Am Montag wurde der Gipfel von Bundeskanzlerin Angela Merkel und Staatsministerin Maria Böhmer im Bundeskanzleramt eröffnet.

Bundeskanzlerin Merkel auf dem Jugendintegrationsgipfel im Kanzleramt

Wie schaffen wir in Sachen Bildung endlich Chancengleichheit für Migranten? Und wie können sich Migranten noch besser in die Gesellschaft einbringen? Nur zwei der unzähligen Fragen, auf die hundert Jugendliche aus allen Teilen der Republik beim Jugendintegrationsgipfel nach Antworten suchten.

Zum dritten Mal trafen sich am 16. und 17. April Jugendliche aus ganz Deutschland in Berlin zum Jugendintegrationsgipfel. "Von diesem Gipfel müssen Denkanstöße ausgehen, wie wir alle in Deutschland morgen zusammenleben wollen", sagte Staatsministerin Prof. Dr. Maria Böhmer, Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, am Montag (16.04.2012) bei der Eröffnung im Bundeskanzleramt. "Wenn 100 Jugendliche zwei Tage lang zusammen diskutieren, können eine Menge Ideen zusammenkommen."

Böhmer verlangte ein Umdenken in Deutschland, "weg von Skepsis und Ablehnung, hin zu noch mehr Offenheit und einer Willkommenskultur". Bundeskanzlerin Angela Merkel forderte die Teilnehmer bei der Eröffnungsveranstaltung auf, auch unbequeme Fragen anzusprechen. "Zu Integration gehört Toleranz, Offenheit und auch ein kleines bisschen Mut, auszusprechen, was einen bewegt." Zugleich bezeichnete die Kanzlerin die Integration als eines der großen Zukunftsthemen in Deutschland. "Integration ist eine Aufgabe, die an alle gerichtet ist. Wenn wir uns in Deutschland auf Vielfalt eingelassen haben, dann hat uns das immer bereichert."

StM´in Böhmer auf dem Jugendintegrationsgipfel 2012Bild vergrößern Staatsministerin Böhmer: "Die Gestaltung der Zukunft unseres Landes gelingt nur mit dem Engagement der Jugendlichen" Foto: Bundesregierung

Jugendintegrationsgipfel als große Chance

Bei einer anschließenden Diskussion mit ZDF-Moderator Mitri Sirin sprachen die Teilnehmer über die Erwartungen an das zweitägige Treffen."Die Jugendintegrationsgipfel werden erst dann erfolgreich gewesen sein, wenn das Thema Integration gar nicht mehr diskutiert werden muss und der Name deshalb nur noch Jugendgipfel ist", sagte die in Kassel geborene Ümmühan Ciftci (23), die in Marburg Medizin studiert. Dass es bei dem zweitägigen Treffen um einen psychologisch wichtigen Akt für das Zusammenleben aller in Deutschland geht, machten auch die Erwartungen anderer Teilnehmer deutlich. "Dieser Integrationsgipfel für Jugendliche ist eine Chance, um wirklich etwas zu bewegen", sagte Moulay Bakir (18), Jura-Student im zweiten Semester an der Universität Hannover. Veljko Tomovic (16), der auf das Käthe-Kollwitz-Gymnasium in Kiel geht, sagte: "Ich hoffe, dass wir bei diesem Gipfel konkrete Forderungen ausarbeiten, die dann in der Politik auch etwas bewegen."

Elvan Korkmaz (26), Projektmanagerin für Stadtentwicklung in Bielefeld findet: "Was Integration angeht, brauchen wir endlich neue und kreative Ideen. Deswegen ist es gut, dass es diesen Integrationsgipfel gibt. Denn Jugendliche haben einen ganz anderen Blick auf das Thema. " Die Integrationsbeauftrage Maria Böhmer forderte die Jugendlichen auf, sich während des Gipfels für politisch korrekte Bezeichnung wie "Migrationshintergrund" oder "Migrant" neue Begriffe einfallen zu lassen. "Das klingt im Sprachgebrauch viel sperrig", sagte Böhmer.

Jugendliche erstellen Aktionspläne

Ziel des Jugendintegrationgipfels am 16. und 17. April sind Aktionspläne. Die Vorschläge wurden der Staatsministerin am Dienstag (17.04.2012) bei einem Abschlussplenum vorgestellt und mit ihr diskutiert. "Jugendliche sollen wissen, dass ihre Stimme gehört und ihr Engagement geschätzt wird", sagte Böhmer. Auch Kanzlerin Angela versprach, dass die Ergebnisse des Treffens in ihre politische Arbeit einfließen werden. Dafür setzten sich die 16- bis 25-Jährigen in vier Workshops mit "Bildung und Integration","Medien und Integration", "Bürgerschaftlichem Engagement und Integration« sowie "Konflikten zwischen den Generationen" auseinander. Dabei ging es auch um die Frage, was gerade Jugendliche tun können, damit in Deutschland Menschen mit Migrationshintergrund besser in die Gesellschaft integriert werden.

Die Arbeitsgruppen wurden von Stipendiaten der START-Stiftung sowie Absolventen bzw. Studierenden am Otto-Suhr-Institut der Freien Universität Berlin betreut. Gäste waren der TV-Moderator Cherno Jobatey, Comedian Murat Topal, Kommunkationstrainerin Latifa Kühn, der Kölner Handwerkskammer-Präsident Hans-Peter Wollseifer sowie Prof. Dr. Sebastian Braun vom Forschungszentrum für Bürgerschaftliches Engagement an der Humboldt-Universität zu Berlin. Außerdem waren die drei Bundestagsabgeordneten Sibylle Laurischk (FDP), Stefanie Vogelsang (CDU) und Memet Kilic (Grüne) dabei.

Der erste Jugendintegrationsgipfel fand im Jahr 2007 statt, der zweite 2008. Die Teilnehmer sind Schülerinnen und Schüler aller Schulformen, Studierende und Auszubildende. Unter ihnen sind sowohl Jugendliche mit als auch ohne Migrationshintergrund. "Diese Zusammenstellung spiegelt die Vielfalt wider, die wir in Deutschland haben", erklärte Böhmer. In Deutschland leben insgesamt mehr als 16 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund. Dazu zählen Menschen, die aus dem Ausland zugewandert sind genau so wie diejenigen, die hierzulande geboren sind und von denen mindestens ein Elternteil zugewandert ist. »Integration fängt bei jedem selbst an", sagte Staatsministerin Maria Böhmer. "Es geht es um Respekt, Toleranz und gegenseitige Wertschätzung."

Als Ziel von "Integration" gilt die Angleichung der Lebensverhältnisse von Menschen mit Migrationshintergrund an die Verhältnisse der Gesamtbevölkerung. Wie der "Zweite Integrationsindikatorenbericht" der Bundesregierung zeigt, spricht vieles dafür, dass sich die Lebensstile zunehmend angleichen. "Die Integration ist auf dem richtigen Weg", sagte Maria Böhmer. So hat sich insbesondere die Situation der in Deutschland geborenen Menschen mit Migrationshintergrund spürbar verbessert.


Ein paar Beispiele:

  • Immer mehr Menschen mit Migrationshintergrund leben in Deutschland mit einem langfristigen Aufenthaltsrecht. So hat inzwischen mehr als die Hälfte der drittstaatsangehörigen Ausländer, die sich seit fünf bis zehn Jahren in Deutschland aufhalten, ein langfristiges Aufenthaltsrecht.

  • Die Betreuungsquote von Migranten-Kindern in Kindertageseinrichtungen ist gestiegen. In der Altersgruppe der 3¬ bis unter 6¬Jährigen Kinder ist sie zwischen 2008 und 2010 stärker gestiegen als die in der gleichen Altersgruppe von Kinder ohne Migrationshintergrund und liegt nun bei knapp 86 Prozent.

  • Der Anteil von Jugendlichen ohne Schulabschluss geht zurück. Während immer mehr gleich im Anschluss an die Schule in eine Berufsausbildung starten, ist auch der Anteil derjenigen gesunken, die länger als ein Jahr nach der Schule noch immer keinen Ausbildungsplatz gefunden haben – der Anteil ist bei Migranten inzwischen nahezu identisch mit dem Anteil der Gesamtbevölkerung (etwas mehr als 46 Prozent).

  • Und: Zurückgegangen ist auch die Zahl der Menschen mit Migrationshintergrund, die in Haushalten ohne Erwerbstätige leben.

Nach dem "Ersten Integrationsindikatorenbericht" aus dem Jahr 2009, haben Wissenschaftler für den zweiten Bericht Daten aus den Jahren 2008 bis 2010 zusammengetragen, die vor allem auf dem Mikrozensus basieren. Mehrere Dutzend Indikatoren geben Aufschluss über Stand und Entwicklung der Integration.

Weitere Informationen zum Stand der Integration in Deutschland unter: Zweiter Integrationsindikatorenbericht