Navigation und Service

Inhalt

Bessere Ausbildungschancen von jungen Migranten

Auszubildende in den Werstätten der Firma Bosch in StuttgartBild vergrößern Auszubildende bei Bosch Foto: Photothek/Grabowsky

Der Übergang von der Schule in die Ausbildung stellt für viele Jugendliche mit Migrationshintergrund eine besondere Herausforderung dar. So lag die Ausbildungsbeteiligungsquote der ausländischen Jugendlichen 2010 mit 33,5 % deutlich niedriger als die ihrer deutschen Altersgenossen (65,4 %). Zur besseren Gestaltung dieses Übergangs trägt der Bund mit einer ganzen Reihe von Initiativen und Förderprogrammen bei, die die Dienstleistungsangebote der Agenturen für Arbeit und Jobcenter, z. B. zur Berufsorientierung und Ausbildungsvermittlung, ergänzen.

Ausschöpfen von Ausbildungspotenzialen

Eine wesentliche Voraussetzung für die Erhöhung der Ausbildungsbeteiligung von Jugendlichen mit Migrationshintergrund ist ein besseres Zusammenführen von Angebot und Nachfrage auf dem Ausbildungsmarkt und das gezielte Ausschöpfen von Ausbildungspotenzialen.

Die Anstrengungen der Partner im Nationalen Pakt für Ausbildung und Fachkräftenachwuchs leisten hierzu einen wichtigen Beitrag. Seit November 2012 hat die Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration gemeinsam mit der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände und der Kultusministerkonferenz die Federführung inne. Die demographische Entwicklung führt zu einer veränderten Situation im Ausbildungsmarkt; in einzelnen Branchen und Regionen besteht bereits heute ein Bewerbermangel. Gleichwohl gibt es nach wie vor eine erhebliche Zahl von Ausbildungssuchenden, denen der Übergang von der Schule in Ausbildung nicht sofort gelingt. Dies betrifft in hohem Maße auch Jugendliche mit Migrationshintergrund.

Um die Ausbildungsbeteiligung auch dieser Jugendlichen zu gewährleisten, sind weitere Anstrengungen erforderlich. Einen besonderen Schwerpunkt setzt der Bund mit Programmelementen des Ausbildungsstrukturprogramms JOBSTARTER und der Initiative „Aktiv für Ausbildung“ bei der Gewinnung von Unternehmen mit Inhaberinnen und Inhabern ausländischer Herkunft für die Ausbildung.

Ausbildung durch Unternehmer mit Migrationshintergrund

Die "Koordinierungsstelle Ausbildung bei Selbstständigen mit Migrationshintergrund“ Kausa hat mit vielen regionalen Partnern und Projekten Maßnahmen und Aktivitäten koordiniert und eine verstärkte Beteiligung dieser Unternehmergruppe an der dualen Ausbildung erreicht.

Ziel dieses Jobstarter-Programms ist es, das Ausbildungsplatzpotenzial ausländischer Unternehmen für alle jugendlichen Bewerberinnen und Bewerber zu erschließen, unabhängig von Abstammung und Nationalität.

Die Aktivitäten der „Koordinierungsstelle Ausbildung bei Selbstständigen mit Migrationshintergrund“ (KAUSA) werden gemäß den Vereinbarungen aus dem Nationalen Pakt für Ausbildung und Fachkräftenachwuchs erweitert; künftig richtet sich die Initiative sowohl an Unternehmen als auch an Jugendliche mit Migrationshintergrund, um diese für eine Berufsausbildung zu gewinnen.

Das Förderprogramm "Passgenaue Vermittlung Auszubildender an ausbildungswillige Unternehmen" unterstützt die Vermittlung von Jugendlichen, auch mit Migrationshintergrund, in Ausbildungsverhältnisse.

Einen integrierten Ansatz verfolgt die Initiative „Abschluss und Anschluss – Bildungsketten bis zum Ausbildungsabschluss“, die frühzeitige Potenzialanalysen bereits in der Schule, eine praxisorientierte Berufsorientierung und eine ganzheitliche Förderung und individuelle Begleitung ab der 7. Klasse bis zum Ausbildungsabschluss umfasst.

Maßnahmen zur besseren Berufsorientierung und zur individuellen Begleitung von Jugendlichen am Übergang Schule-Ausbildung werden auch von anderen Akteuren (Kommunen, Länder) und insbesondere von der Wirtschaft angeboten.

Ein besonders erfolgreiches Instrument im Übergang in Ausbildung ist die im Ausbildungspakt verankerte Einstiegsqualifizierung (EQ). Für zwei von drei Jugendlichen führt ein solches sechs- bis zwölfmonatiges Betriebspraktikum zu einem Ausbildungsvertrag. Der Anteil der Jugendlichen mit Migrationshintergrund bei den EQs liegt bei mehr als 30 %.

Ergänzt werden diese Aktivitäten durch die Programme der Initiative JUGEND STÄRKEN, die auf die Integration in Schule, Ausbildung und Arbeitsmarkt, insbesondere von jungen Migrantinnen und Migranten, die von anderen Akteuren nicht mehr erreicht werden, gerichtet sind.

3000 Berufsbegleiter

Damit schwache Schülerinnen und Schüler, auch mit Migrationshintergrund, einen Beruf bekommen, tut frühe Orientierung Not. Darum stehen erfahrene Helfer den Jugendlichen zur Seite: Schon heute begleiten sogenannte Berufseinstiegsbegleiter etwa 20.000 Schülerinnen und Schüler. Doch künftig sollen voraussichtlich bis zu 30.000 Mädchen und Jungen ab der siebenten Klasse individuell betreut und in Betriebe vermittelt werden.

Dafür sollen bald insgesamt 3.000 Helfer bereitstehen: Schon jetzt arbeiten 1.000 Berufseinstiegsbegleiter an Schulen und Ausbildungsstätten. Bald kommen neben 1.000 Ehrenamtlichen noch weitere 1.000 hauptberufliche Bildungseinstiegsbegleiter hinzu. 755 Millionen Euro investiert die Bundesregierung bis zum Jahr 2018 in das Programm.

Besonders Mädchen und Jungen mit Migrationshintergrund können von dem Angebot profitieren. Sie verlassen die Schule häufiger ohne Abschluss als ihre deutschstämmigen Mitschüler. Oft fehlen ihnen auch Netzwerke oder Ratgeber, die manch anderem Schüler den Weg zum Ausbildungsplatz erleichtern. Hier helfen die Berufsbegleiter: Mit Rat und Erfahrung können sie besonders den Schützlingen aus Zuwandererfamilien zur Seite stehen.

Etwa 60.000 junge Menschen verlassen jedes Jahr die Schule ohne Abschluss. Bund und Länder haben sich nun zum Ziel gemacht, diese Zahl zu halbieren – mit Hilfe des Engagements der Berufseinstiegsbegleiter. Gleichzeitig sollen sie dafür sorgen, dass mehr schwache Schülerinnen und Schüler den Übergang in eine Berufsausbildung schaffen.

Am Anfang steht die sogenannte „Potenzialanalyse“ in der siebenten Klasse: „Was will ich einmal werden?“, „Was kann und was will ich erreichen?" sind die Fragen, die es zu beantworten gilt. Sie sind die Grundlage für die berufliche Orientierung ab der achten Klasse. Besonders gefährdete Schülerinnen und Schüler sollen durch Berufseinstiegsbegleiter über mehrere Jahre gezielt und kontinuierlich bis in die Ausbildung begleitet werden. In Modellregionen vor allem in Nordrhein-Westfalen zeigte dieser Ansatz große Erfolge. Der betriebliche Rahmen motiviert sehr viel stärker als schulische Maßnahmen.