Prioritäre Handlungsfelder
Nachhaltige Entwicklung kann nicht von oben verordnet werden. Wohl aber kann der Staat die Umsteuerung unterstützen. Dafür legte die Bundesregierung Handlungsfelder fest.
ie Handlungsfelder sind:
- Energie / Klima,
- Umweltfreundliche Mobilität,
- Gesund produzieren und ernähren,
- Demographischen Wandel gestalten,
- Innovation und
- Globale Verantwortung.
Die Nationale Nachhaltigkeitsstrategie 2002 enthielt bereits für die ersten drei Handlungsfelder eine Konzeption, Ziele und Maßnahmen. Dabei geht es um eine zukunftsfähige Energieversorgung, umweltschonende Mobilität und eine Neuorientierung in der Landwirtschaft und beim Verbraucherschutz.
Bei den anderen Handlungsfeldern stellt die Nachhaltigkeitsstrategie das Programm der folgenden Jahre dar, ohne bereits die Maßnahmen festzulegen. Daraus wird deutlich, dass der politische Auftrag der nachhaltigen Entwicklung ein Prozess ist, der ständig den aktuellen Entwicklungen angepasst wird. Mit jedem Bericht zur Umsetzung der Nachhaltigkeitsstrategie werden die Schwerpunkte überprüft und eventuell neu gesetzt.
Konkrete Maßnahmen in der Nachhaltigkeitsstrategie (PDF)
Im Fortschrittsbericht 2004 wurden folgende Schwerpunkte gesetzt und mit konkreten Maßnahmen unterlegt:
- Neue Energieversorgungsstruktur unter Einbeziehung der erneuerbaren Energien,
- Potenziale älterer Menschen in Wirtschaft und Gesellschaft,
- Verminderung der Flächeninanspruchnahme und
- alternative Kraftstoffe und Antriebstechnologien.
Im "Wegweiser Nachhaltigkeit" des Jahres 2005 wurde die Nachhaltigkeitsstrategie mit spezifischen Konzepten zu folgenden Themen ergänzt:
- Moderne Stromversorgung - erneuerbare Energien optimal integrieren,
- Nachwachsende Rohstoffe - für neue Produkte und wachsende Märkte,
- Zukunftsfähige Waldwirtschaft - ökonomische Perspektiven entwickeln,
- Biologische Vielfalt - schützen und nutzen
Fortschrittsbericht 2004 (PDF)
"Wegweiser Nachhaltigkeit" 2005 (PDF)
Im Fortschrittsbericht 2008 hat die Bundesregierung die Nachhaltigkeitsstrategie weiter entwickelt. Bürgerinnen und Bürger, Verbände, Organisationen und Wissenschaftler haben daran mit eigenen Vorschlägen mitgewirkt.
Der Fortschrittsbericht enthält vier Schwerpunkte:
1. Klima und Energieeffizienz
Der Anstieg der Erdtemperatur und der daraus resultierenden Klimawandel ist maßgeblich eine Folge unseres wachsenden Energieverbrauchs. Um die Folgen abzumildern, hat die Bundesregierung 2007/2008 ein umfassendes Energie- und Klimaprogramm beschlossen. Die Ziele: Energie besser nutzen, mehr erneuerbare Energien und modernste Umwelttechnik.
Die Europäische Union hat sich 2007 darauf geeinigt, die Treibhausgasemissionen bis 2020 mindestens um 20 Prozent zu verringern und die erneuerbaren Energien auszubauen. Ein neues internationales UN-Klimaschutzabkommen soll die Beschlüsse von Kyoto fortschreiben.
2. Nachhaltige Rohstoffwirtschaft
Jeder von uns verbraucht im Laufe seines Lebens etwa 1.000 Tonnen Rohstoffe. Die Preise für Rohstoffe sind aufgrund höherer Nachfrage in den letzten Jahren stark gestiegen, zum Teil haben sie sich binnen fünf Jahren verdoppelt. Das belastet die deutsche Wirtschaft besonders, da sie in einem rohstoffarmen Land wie Deutschland fast völlig auf Importe angewiesen ist.
Der Ausweg liegt in der Material- und Ressourceneffizienz. Es geht um möglichst geschlossene Rohstoffkreisläufe. Deutschland hat bei einigen Materialien, z.B. Kupfer, mit 54 Prozent bereits die höchste Recyclingquote weltweit. Bei Papier wird eine Quote von 73 Prozent erreicht. Weitere Steigerungen sind möglich, z.B. bei seltenen Metallen aus Mobiltelefonen.
Das Ziel: die Rohstoff-Produktivität bis 2020 gegenüber 1994 zu verdoppeln. Das heißt, vorhandene Rohstoffe sparsamer einsetzen und, wo es geht, durch nachwachsende Rohstoffe austauschen. Dabei spielt auch die mehrfache Nutzung etwa von Holz eine wichtige Rolle. Nachhaltige Rohstoffwirtschaft heißt auch, heimische Rohstoffpotenziale besser auszuschöpfen, die Forschung auszubauen und Handelshemmnisse abzubauen.
3. Demographischer Wandel
Bis zum Jahre 2050 wird der Anteil der über 60-Jährigen in Deutschland von heute 25 Prozent auf 40 Prozent ansteigen. Die Bundesregierung hat auf diese Entwicklung reagiert: Die sozialen Sicherungssysteme werden u.a. durch Förderung privater Alterssicherung zukunftsfest gemacht.
Neue Versorgungszentren und Pflegestützpunkte gewährleisten ärztliche Betreuung und Pflege gerade auf dem Land. Ältere Menschen werden stärker in Bildungsmaßnahmen eingebunden.
Die Bundesregierung schafft zugleich auch den Rahmen, damit sich wieder mehr Menschen für Kinder entscheiden:
- Das Elterngeld sichert Familien nach der Geburt eines Kindes ab.
- Die Kinderbetreuung wird ausgebaut und ihre steuerliche Absetzbarkeit verbesser.
- Das Kindergeld wurde erhöht.
4. Welternährung
Die Anzahl hungernder Menschen soll bis 2015 weltweit halbiert werden. Dieses Millenniumsziel ist gefährdet, weil die Weltmarktpreise für Energie und Lebensmittel in den letzten Jahren stark gestiegen sind. Agrarforschung soll zusätzlich helfen, Produktivitätssteigerungen in der Landwirtschaft zu erzielen. Vorrang vor der Produktion von Biokraftstoffen hat die Sicherung der Ernährung.
Nachhaltigkeit ist bereits Realität
Deutschland konnte seine Treibhausgasemissionen seit 1990 um mehr als 21 Prozent senken. Der Anteil erneuerbarer Energien deckt bereits 14,2 Prozent des Stromverbrauchs. Das ist gegenüber 2000 mehr als eine Verdopplung. Aber es gibt noch viel zu tun.
