Gruppe der Acht
Die G8
Die Gruppe (G8) ist ein informelles Forum der Staats- und Regierungschefs aus acht Industrieländern. Auf ihren jährlichen Gipfeltreffen stimmen sie die gemeinsamen Positionen zu globalen politischen Fragestellungen ab - insbesondere zu den Bereichen Außen- und Sicherheitspolitik, Entwicklung und Klima.
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G8-Gipfel / Outreach-Sitzung
Foto: REGIERUNGonline / Bergmann
- Wer gehört zur G8?
- Wie ist die G8 entstanden?
- Wie arbeitet die G8?
- Kontakt mit Interessengruppen und Nicht-G8-Ländern
Die Gruppe der 8 (G8) ist ein informelles Forum der Staats- und Regierungschefs aus acht Industrieländern. Sie ist – wie die G20 – keine internationale Organisation, sie besitzt weder einen eigenen Verwaltungsapparat noch eine permanente Vertretung ihrer Mitglieder. Auf Grund der informellen Strukturen spielt die jeweilige G8-Präsidentschaft eine besonders wichtige Rolle, in ihren Händen liegen die Organisation sowie die Agenda des Gipfels. 2012 hat die USA die G8-Präsidentschaft inne, der Gipfel fand am 18. und 19. Mai in Camp David, USA, statt. 2013 übernimmt Großbritannien die G8-Präsidentschaft, der Gipfel wird am 17. und 18. Juni 2013 im nordirischen Lough Erne stattfinden.
Wer gehört zur G8?
Der G8 gehören Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Japan, die Vereinigten Staaten von Amerika, Kanada (seit 1976) und Russland (seit 1998) an. Außerdem ist die Europäische Union bei allen Treffen vertreten.
Wie ist die G8 entstanden?
Der erste "Weltwirtschaftsgipfel" wurde 1975 vom früheren französischen Präsidenten Giscard d'Estaing und dem damaligen Bundeskanzler Helmut Schmidt ins Leben gerufen. Die Staats- und Regierungschefs von Frankreich, Deutschland, Italien, Japan, Großbritannien und USA trafen sich zu einem Kamingespräch auf Schloss Rambouillet.
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Rambouillet 1975
Foto: REGIERUNGonline/Schaack
Nach der ersten Ölkrise und dem Zusammenbruch des Systems der festen Wechselkurse (Bretton Woods) stimmten sich die Teilnehmer über die internationale Wirtschaftspolitik ab. Sie vereinbarten erste Maßnahmen, um dem anhaltenden weltweiten Abschwung zu begegnen.
Seit der Aufnahme Kanadas in den Kreis der Teilnehmer auf dem Gipfel 1976 in Puerto Rico trafen sich die Mitglieder als G7. Zunächst standen weiterhin währungspolitische Fragen im Vordergrund der Gespräche.
Bereits 1977 kam es in London zu ersten Gesprächen zwischen der Europäischen Gemeinschaft und den G7. Seit dem Ottawa-Gipfel 1981 nahm die Europäische Gemeinschaft regelmäßig an allen Arbeitssitzungen teil. Die Notwendigkeit einer permanenten Beteiligung der Europäischen Union (EU) am G8-Prozess ergibt sich heute aus ihrer Rolle als einem der mächtigsten Wirtschaftsräume der Welt. Ein weiterer Faktor ist das verstärkte sicherheitspolitische Engagement der EU.
In den achtziger Jahren erweiterte sich das Interesse der G7 auf außen- und sicherheitspolitische Themengebiete. Seinerzeitige Herausforderungen wie der langjährige Iran-Irak-Konflikt sowie die Besetzung Afghanistans durch die Sowjetunion beeinflussten die Themen der Treffen.
Nach der Überwindung der Ost-West-Konfrontation wurde 1991 erstmals der damalige sowjetische Generalsekretär Gorbatschow zu Gesprächen am Rande des Londoner Gipfels eingeladen. 1992 konnte Russland Mitglied des Internationalen Währungsfonds (IWF) werden. Auf dem Gipfel von Birmingham 1998 konstituierte sich schließlich die Gruppe der Acht: Russland wurde Mitglied.
Wie arbeitet die G8?
Der G8-Prozess hat sich im Laufe der Jahre tiefgreifend verändert. Zunächst standen die informellen Gipfeltreffen im Zentrum. Die Gipfel fanden in kleinem Kreis statt. Bei sogenannten "Kamingesprächen" erörterten die Staats- und Regierungschefs globale Probleme. Dann entwickelte sich rund um den Gipfel zwischen den Regierungen ein dichter Prozess der politischen Koordinierung.
Mittlerweile gibt es ganzjährig Treffen auf verschiedenen Ebenen, in denen die G8-Staaten gemeinsame Positionen auf diversen Politikgebieten abstimmen.
Die G8-Staats- und Regierungschefs treffen sich einmal jährlich. Die Präsidentschaft lädt die Staats- und Regierungschefs üblicherweise zur Jahresmitte ein. Deutschland hatte 2007 den Vorsitz inne; der Gipfel fand in Heiligendamm statt. Der nächste G8-Gipfel in Deutschland ist 2015 geplant.
Diese Treffen bieten die Möglichkeit, im persönlichen Gespräch Standpunkte zwischen den Staats- und Regierungschefs auszutauschen. Sie sind außerdem Ausgangspunkt gemeinsamer G8-Initiativen.
Neben Arbeitssitzungen und Arbeitsessen erlaubt das kleine Format auch bilaterale Gespräche: Gerne nehmen die Regierungschefs auch die Gelegenheit war, im Vier-Augen-Gespräch am Rande der Gipfel aktuelle Themen zu diskutieren und zu vertiefen.
Zunächst trafen sich die G8-Staats- und Regierungschefs in Begleitung ihrer Außen- und Finanzminister. Durch die große Teilnehmerzahl verloren die Gipfel zunehmend den ursprünglichen "Geist von Rambouillet".
Deshalb trennte die britische Präsidentschaft auf dem Birmingham-Gipfel 1998 die beiden Ministertreffen von dem eigentlichen Gipfeltreffen der Staats- und Regierungschefs ab. Dieses Format hat sich bewährt und wird seitdem beibehalten.
Andere Fachminister, beispielsweise die Umwelt- oder die Entwicklungsminister, treffen sich ebenfalls im G8-Kreis.
Die Themen für den Gipfel und die Ministertreffen werden von den so genannten "Sherpas" vorbereitet, den Chefunterhändlern der Regierungen.
Deutscher G8-Sherpa (persönlicher Beauftragter der Bundeskanzlerin für den G8-Gipfel) ist Prof. Dr. Lars-Hendrik Röller, wirtschafts- und finanzpolitischer Berater der Bundeskanzlerin.
Im G8-Prozess gibt es neben den Treffen der Sherpas noch Treffen der so genannten "Sous-Sherpas" und der Politischen Direktoren, mit denen der Sherpa-Prozess unterstützt wird. Sous-Sherpas (FASS – Foreign Affairs Sous-Sherpa und FSS – Financial Sous-Sherpa) gehören dem Auswärtigen Amt bzw. dem Bundesministerium der Finanzen an, der für Außenpolitik zuständige Politische Direktor gehört ebenfalls dem Auswärtigen Amt an.
Kontakt mit Interessengruppen und Nicht-G8-Ländern
Die jeweilige G8 Präsidentschaft hält engen Kontakt mit verschiedenen Interessengruppen und Nicht-G8-Ländern (so genanntes Outreach).
Auch die Bundesregierung bindet die Zivilgesellschaft umfassend in die Vorbereitungen zu den G8- und G20-Gipfeln ein. Vor jedem Gipfel findet ein Austausch mit Nichtregierungsorganisationen (NRO), Wirtschaftsverbänden und Gewerkschaften sowie mit Vertretern des Parlaments und ausländischer Botschaften statt.
Darüber hinaus lädt die Bundeskanzlerin regelmäßig im Vorfeld der Gipfel internationale NROen zu einem Meinungsaustausch insbesondere zu den Themen Entwicklungspolitik und Klimaschutz nach Berlin ein.
Auch der deutsche G8/G20-Sherpa trifft regelmäßig Vertreter von nationalen Nichtregierungsorganisationen, um mit diesen über G8- und G20-Themen zu sprechen. Nach jedem Gipfel informiert die Bundesregierung die Ausschüsse des Deutschen Bundestages über die Ergebnisse des Treffens. Die Berichte der Bundesregierung zu den G8- und G20-Gipfeln der vergangenen Jahre finden Sie unter: Berichte und Erklärungen der Bundesregierung.
