Die Themen der G8
Weltwirtschaft und Handel
Die G8 befassten sich ursprünglich ausschließlich mit der Entwicklung der Weltwirtschaft (daher auch die Bezeichnung der Treffen als "Weltwirtschaftsgipfel"). Im Laufe der Jahre wurde die G8-Agenda zusehends erweitert und umfasst nun das gesamte Spektrum globaler Fragestellungen wie zum Beispiel Außen- und Sicherheitspolitik, Handel, Klima, Entwicklung. Im September 2009 verständigten sich die Staats- und Regierungschefs der G20 beim Gipfel in Pittsburgh darauf, die G20 zum zentralen Forum für ihre Zusammenarbeit in Fragen der Wirtschafts- und Finanzpolitik zu machen. Diese Themen stehen seitdem nicht mehr im Fokus der G8. Gleichwohl nutzen die Staats- und Regierungschefs ihre Zusammenkünfte weiterhin auch für einen informellen Meinungsaustausch zu den aktuellen weltwirtschaftlichen Entwicklungen. So standen auch beim letzten Gipfel 2012 in Camp David mögliche Maßnahmen der G8 zur Unterstützung der Erholung der Weltwirtschaft auf der Tagesordnung.
Die G8 setzt sich seit langem für freie und offene Märkte ein. Bei ihrem letzten Gipfel in Camp David haben die Staats- und Regierungschefs der G8 erneut ein nachdrückliches Signal mit Blick auf die Stärkung des multilateralen Handelssystems und den Abbau von Investitions- und Handelshemmnissen gesandt.
Außen- und Sicherheitspolitik
Einen Schwerpunkt der G8-Agenda bilden Fragen der Außen- und Sicherheitspolitik. Die Treffen ermöglichen die vertrauliche Beratung wichtiger Fragen, wobei naturgemäß aktuelle Krisen und Konflikte im Mittelpunkt stehen. Die Gipfel bieten aber auch Gelegenheit zur Behandlung längerfristiger Anliegen und zum Start gemeinsamer G8-Initiativen.
So haben sich die Staats- und Regierungschefs 2010 beim Gipfel in Muskoka etwa über die Lage in Afghanistan und Pakistan, die Perspektiven und Optionen im Nahost-Friedensprozess sowie die von Nordkorea und Iran ausgehenden Bedrohungen ausgetauscht. 2011 stand in Deauville der „arabische Frühling“ im Vordergrund – die G8 riefen die „Deauville Partnerschaft“ ins Leben, um die sich zu freien und demokratischen Gesellschaften wandelnden Staaten in Nahost und in Nordafrika zu unterstützen. 2012 in Camp David ging es um die Lage in Syrien, das iranische Atomprogramm und den zivilen Wiederaufbau Afghanistans nach dem für 2014 geplanten Truppenabzug – die G8, die derzeit 80 % der zivilen Hilfe für Afghanistan aufbringen, sendeten hier ein wichtiges Signal der Unterstützung vor der Geberkonferenz in Tokio im Juli 2012 aus.
Entwicklungspolitik
Die G8 spielt eine wichtige Rolle als entwicklungspolitischer Impulsgeber. Sie mobilisiert Mittel für Entwicklung und rückt zentrale Sektoren und Querschnittsthemen der Entwicklungspolitik in den Blick der Öffentlichkeit.
Das klare Bekenntnis der G8 zu den Millenniumentwicklungszielen (MDGs) hat dafür gesorgt, dass diese Ziele und die Verpflichtungen von Gebern und Entwicklungsländern eine zentrale Rolle auf der Agenda der internationalen Politik einnehmen, und dass insbesondere die entwicklungspolitischen Herausforderungen Afrikas globale Aufmerksamkeit erfahren. 2011 wurde, gemeinsam mit den Staats- und Regierungschefs einer Reihe von afrikanischen Staaten – darunter den frisch gewählten Präsidenten der Elfenbeinküste, Guineas und Nigers – über die Zusammenarbeit bei der Bewältigung von Krisen auf dem afrikanischen Kontinent beraten und erstmals auch eine gemeinsame Erklärung verabschiedet. 2012 diskutierten die Staats- und Regierungschefs der G8 mit vier afrikanischen Staatschefs und sieben in Afrika aktiven Unternehmen und Finanzinstitutionen über die Zukunft der Ernährungssicherung in Afrika.
Beispiele für entwicklungspolitische Beschlüsse der G8 sind die Wasserinitiative von Evian, die HIV/Aids-Initiative von Genua, der multilaterale Schuldenerlass von Gleneagles, die Klimainitiative von Heiligendamm, die Ernährungsinitiative von L´Aquila, die Initiative zur Reduzierung der Kinder- und Müttersterblichkeit von Muskoka und die Neue Allianz zur Ernährungssicherung von Camp David.
Welche Ergebnisse bei der Umsetzung zentraler Gipfelzusagen der vergangenen Jahre zu den Bereichen Entwicklungspolitik und entwicklungsnahe Themen erreicht wurden, zeigen die zu den Gipfeln in Muskoka, Deauville und Camp David vorgelegten Rechenschaftsberichte.
Klima und Energie
Die G8-Staaten tragen eine besondere Verantwortung, da sie als Industriestaaten den bislang größten Anteil an der Zunahme der Treibhausgaskonzentration in der Erdatmosphäre haben. Die G8 stellt sich dieser Verantwortung und hat den internationalen Klimaverhandlungen, die in den Vereinten Nationen (United Nations Framework Convention on Climate Change, UNFCCC) geführt werden, immer wieder wichtige Impulse gegeben.
Diese Rolle müssen die G8-Staaten auch in Zukunft übernehmen, um Fortschritte für den Internationalen Klimaschutz zu ermöglichen. Deutschland setzt sich daher dafür ein, in der G8 der Umwelt- und Klimapolitik und auch den Fragen der Biodiversität weiterhin einen hohen Stellenwert einzuräumen.
2011 kam vor dem Hintergrund der Katastrophe in Fukushima das Thema der nuklearen Sicherheit hinzu. Deutschland hat sich bei der Diskussion in Deauville erfolgreich dafür eingesetzt, dass weltweit die höchstmöglichen Sicherheitsstandards durchgesetzt sowie periodische und intensive Sicherheitsüberprüfungen aller Kernkraftwerke durchgeführt werden sollen.
2012 traten alle G8-Staaten der „Climate and Clean Air Coalition“ zum Kampf gegen kurzlebige Klimagase wie Ruß und Methan bei. Außerdem verständigten sie sich darauf, mit Blick auf die wichtige Rolle der Versorgung mit Rohöl für das globale Wachstum, im Bedarfsfall eng mit der Internationalen Energie-Agentur (IEA) zusammenzuarbeiten, damit diese zu einer gesicherten Versorgung beitragen kann.
