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Montag, 19. November 2012

Alphabetisierung eröffnet berufliche und soziale Chancen

Weltweit können 755 Millionen Erwachsene nicht richtig lesen und schreiben, darunter 7,5 Millionen Deutsche. Mit der nationalen Strategie für Alphabetisierung und Grundbildung Erwachsener, der Aktion „Lesen und Schreiben – Mein Schlüssel zur Welt“ wird den Betroffenen geholfen.

7,5 Millionen Deutsche zwischen 18 und 64 Jahren können nicht ausreichend lesen und schreiben. Sie sind funktionale Analphabeten. Das sind 14,5 Prozent der erwerbsfähigen Bevölkerung. 300.000 von ihnen sind vollständige Analphabeten: Sie können weder lesen noch schreiben.

Viele Tausende verlassen die Schule ohne Abschluss und haben damit kaum eine Chance auf dem Arbeitsmarkt. Sie scheitern im täglichen Leben an Speisekarten, Hinweisschildern, beim Geldabheben, am Fahrscheinautomaten oder an Klingelschildern. Es fällt ihnen schwer, eine E-Mail oder SMS zu schreiben oder sich an fremden Orten zurecht zu finden. Sie können nur eingeschränkt am gesellschaftlichen Leben teilnehmen.

"Die Fähigkeit, lesen und schreiben zu können, ist das Fundament für Bildung und Teilhabe am gesellschaftlichen Leben, erklärte Bundesbildungsministerin Annette Schavan und bezeichnete die Prävention und Bekämpfung des Analphabetismus als eine der wichtigsten Gemeinschaftsaufgaben.

Mit dem Start der bundesweiten Informationskampagne als Teil der nationalen Strategie für Alphabetisierung setzen das Bundesministerium für Bildung und Forschung und die Partner für Alphabetisierung in Deutschland zum Ende der UN-Weltdekade für Alphabetisierung einen weiteren Meilenstein zur Reduzierung des Analphabetismus.

Im Mittelpunkt stehen TV-Spots und Großflächenplakate, die in eindringlichen Bildern Erfolgsgeschichten erzählen. Sie verdeutlichen, welche privaten und beruflichen Perspektiven das Lesen- und Schreiben lernen eröffnet und warum es nie zu spät ist, diesen "Schlüssel zur Welt" selbst in die Hand zu nehmen. Eine eigens entwickelte interaktive Ausstellung trägt das Thema ab Oktober 2012 in Länder und Kommunen. Gemeinsam mit den Partnern der Alphabetisierung in Deutschland informiert die Ausstellung bei regionalen Informations-Veranstaltungen über alles Wissenswerte rund um das Thema.

Nationale Strategie für Alphabetisierung

Bund und die Länder haben bereits im Februar 2011 auf die „Nationale Strategie für Alphabetisierung und Grundbildung Erwachsener in Deutschland“ verständigt. Ein Kernstück von einem ganzen Bündel von Maßnahmen ist das Forschungsprogramm zur Alphabetisierung am Arbeitsplatz, das der Bund mit rund 20 Millionen Euro.

Volkshochschulen einer von vielen Akteuren

Volkshochschulen sind mit ihrem Kursangebot die erste Adresse für erwachsene Analphabeten und unterstützen die Menschen, aktiv an der Gesellschaft teilzuhaben. Rita Süssmuth, Präsidentin des Deutschen Volkshochschul-Verbandes (DVV): "Wenn Menschen in unserem Land nicht ausreichend lesen und schreiben können, dann betrifft uns das alle. Unsere Gesellschaft kann es sich nicht leisten, Analphabeten auszuschließen".

Der Deutsche Volkshochschulverband hat mit Unterstützung des Bundesbildungsministeriums das E-Learning-Portal "ich-will-lernen.de" entwickelt. Das Lernportal bietet kostenlose online-Übungen im Bereich von Alphabetisierung und Grundbildung. Mehr als 290.000 Lernende haben sich bereits angemeldet, rund 15.000 Nutzer sind an fünf Tagen der Woche online.

Breiter Ansatz notwendig

Von der Leseförderung über die Sprachdiagnostik von Kindern über Alphabetisierungskurse für Migrantinnen und Migranten bis zur Prävention reichen die Maßnahmen von Bund, Länder und Zivilgesellschaft. Der Bund alleine wird in den nächsten drei Jahren rund 185 Millionen Euro dafür ausgeben.