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Rundbrief Ausbildung Nr. 2 vom 12. Juni 2012

Fachkräfte gesucht

Der Berufsbildungsbericht 2012 zieht eine positive Bilanz des Ausbildungsjahres 2011. Erneut stehen mehr Ausbildungsstellen zur Verfügung als Bewerberinnen und Bewerber. Zugleich gehen Deutschland aber die Fachkräfte aus.


Im Ausbildungsjahr 2010/2011 wurden 570.140 Ausbildungsverträge neu abge-schlossen. Gegenüber 2010 (559.960) bedeutet dies eine Steigerung um 1,8 Prozent. Zum vierten Mal hintereinander gab es mehr unbesetzte Ausbildungsplätze (29.689) als unversorgte Bewerber (11.550).


Das ist die zentrale Aussage des vom Bundeskabinett beschlossenen Berufsbildungsberichts 2012 und eine gute Nachricht für alle Ausbildungsplatzsuchenden. Laut Bundesagentur für Arbeit und Mitgliederbefragung des Deutschen Industrie- und Handelskammertages setzt sich diese positive Entwicklung auf dem Ausbildungsmarkt fort


Fachkräftemangel nimmt zu


Was für die Jugendlichen erfreulich ist, macht den Betrieben zunehmend Sorgen. Bis 2030 wird die Altersgruppe junger Menschen zwischen 17 und 25 Jahren um rund ein Fünftel schrumpfen. Parallel hält der Trend zu höheren Schulabschlüssen an, die Konkurrenz zwischen dualer Ausbildung und Hochschulbildung nimmt zu. Mehr als ein Drittel der Betriebe konnte eine oder mehrere Ausbildungsstellen nicht besetzen


Bundesbildungsministerin Annette Schavan: "Wir müssen alle Potenziale nützen, um den Fachkräftebedarf zu sichern. Das sind wir auch den jungen Menschen schuldig. Eine gute Ausbildung ist die beste Versicherung gegen Arbeitslosigkeit und eine wichtige Voraussetzung für gesellschaftliche Teilhabe."


Als zentrale Herausforderung für das Berufsbildungssystem benennt der Bericht deshalb die Fachkräftesicherung. In vielen Branchen macht sich der Fachkräfte-mangel deutlich bemerkbar. Nicht nur Ingenieure fehlen. Jedes vierte Unternehmen findet laut Mitgliederumfrage der Bundesvereinigung Logistik nicht mehr genügend Fahrer und Zusteller.


Bei der Suche nach Fachkräften verstärkt die Bundesregierung gemeinsam mit der Wirtschaft ihre Bemühungen. Mit einer Offensive will sie im In- und Ausland Fachkräfte anwerben. Über die Internetplattform www.fachkräfte-offensive.de sollen vorrangig im Land Menschen aus der "stillen Reserve" für den Arbeitsmarkt aktiviert werden. Die Plattform bündelt die besten Beratungs- und Unterstützungsangebote für Unternehmen und Fachkräfte.


Gesucht wird auch nach Fachkräften aus dem Ausland, die durch eine weitere Kampagne "Make it in Germany" motiviert werden, in Deutschland zu arbeiten. Bundeswirtschaftsministerium, Bundesarbeitsministerium und die Bundesagentur für Arbeit arbeiten bei den beiden Aktionen zusammen.


Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte dazu auf dem Treffen mit den Sozialpartnern in Meseberg am 5. Juni 2012: "Es ist noch einmal deutlich geworden, dass für die Bereitstellung oder für die Gewinnung von ausreichend Fachkräften ein gutes Ausbildungssystem entscheidend ist". Bei dem Treffen sei verabredet worden, den 1,5 Millionen jungen Leuten im Alter von 25 bis 35 Jahren ohne Ausbildung noch eine Berufsausbildung zu ermöglichen.


Schwache Jugendliche besonders fördern


Diesem Ziel widmet sich der "Nationale Pakt für Ausbildung und Fachkräftenachwuchs" von Politik und Wirtschaft. Vor allem Jugendliche mit Migrationshintergrund und Altbewerber werden besonders unterstützt. Die Bundesregierung fördert deshalb durch die Initiative "Abschluss und Anschluss – Bildungsketten bis zum Ausbildungsabschluss" die Berufsorientierung und Ausbil¬dungsreife lerngefährdeter Schülerinnen und Schüler.


Potenzialanalysen in der 7. Klasse und das praxisorientierte Berufsorientierungsprogramm des Bundesministeriums für Bildung und Forschung sollen Schulabbrüche verhindern. Berufseinstiegsbegleiter betreuen die Jugendlichen auf ihrem Weg in die Ausbildung. "Prävention statt Reparatur ist das Ziel der Initiative", erklärte Schavan. Eine gute Ausbildung sei immer noch die beste Versicherung gegen Arbeitslosigkeit.


Mit dem Programm "Jobstarter" werden die Ausbildungsstruktur fortentwickelt und beispielsweise ausbildungsunerfahrene oder -müde Betriebe unterstützt. Rund 56.700 Ausbildungsplätze wurden geschaffen. Bis 2013 stehen 125 Millionen Euro zur Verfügung, darunter auch Mittel aus dem Europäischen Sozialfonds.


Zielgruppe des Bundesprogramms "Jobstarter Connect" sind leistungsschwache Jugendliche. Bis 2013 werden für sie bundeseinheitliche Ausbildungsbausteine erprobt, auf die später eine Lehre aufbauen kann.


Leistungsstarke werden gebraucht


Die Bundesregierung will alle vorhandenen Potenziale nutzen. Die duale Ausbildung soll auch für leistungsstärkere Jugendliche attraktiv werden. Deshalb hat die Bundesregierung im Herbst 2011 die bundesweite Kampagne "Berufliche Bildung – Praktisch unschlagbar" gestartet. Eine bundesweite Infotour zur beruflichen Bildung besucht von Mai bis Oktober mehr als 30 Orte in Deutschland. Ziel ist es, Schülerinnen und Schüler, Erwerbstätige, Unternehmer sowie interes-sierte Bürgerinnen und Bürger über die Chancen der beruflichen Aus- und Weiterbildung zu informieren.


Gute Aufstiegschancen bis zum Studium


Mit dem Wettbewerb "Aufstieg durch Bildung: offene Hochschulen" setzen Bund und Länder ein Signal zur Verbesserung der Durchlässigkeit zwischen beruflicher und akademischer Bildung. Damit werden berufsbegleitende Studiengänge für Qualifizierte ohne Abitur möglich. Außerdem fördert die Bundesregierung die Teilnahme qualifizierter Berufstätiger an Meisterkursen.


Ausländische Berufsabschlüsse werden leichter anerkannt


Am 1. April 2012 ist das Gesetz zur Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse in Kraft getreten. Damit erhalten rund 300.000 der seit Jahren in Deutschland lebenden Menschen bessere Chancen, in ihrem erlernten Beruf zu arbeiten.


Gut ausgebildeten ausländischen Fachkräften wird es zudem leichter gemacht, zur Arbeit nach Deutschland zu kommen. Der Bundestag verabschiedete kürzlich die "Blaue Karte EU" als vereinfachte Arbeitsgenehmigung.


Weiterbildung wird immer wichtiger


Weiterbildung ist entscheidend für die Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft und den Wohlstand Deutschlands. Beispielsweise wurden im Jahr 2010 knapp 170.000 Menschen durch das Meister-Bafög gefördert. Aber auch für die Arbeitnehmer zahlt sich jedes zusätzliche Jahr in Schule, Ausbildung oder Studium aus: Über das gesamte Erwerbsleben hinweg erhöht sich die Bildungsrendite pro Ausbildungsjahr um fünf Prozent.


Die Zahl der Altbewerber ist mit 174.285 weiterhin rückläufig. Auch die Zahl junger Menschen im Übergangssystem hat sich verringert und liegt mit 294.294 erstmals unter 300.000. Beide Gruppen profitieren von der guten Lage am Ausbildungsmarkt. Beim Treffen mit der Bundeskanzlerin in Meseberg waren sich die Sozialpartner einig, dass die unter 25-jährigen ohne Berufsausbildung nachqualifiziert werden müssen.


Die Ausbildungsquote junger Ausländer ist leicht angestiegen und war mit 33,5% in 2010 aber dennoch nur etwa halb so hoch wie die der deutschen Jugendlichen (65,4%).