Mittwoch, 9. November 2011
Erfolgsquote bei Prüfungen über 90 Prozent
Wie hoch soll die Erfolgsquote bei Prüfungen sein und wovon hängt sie ab? Diese Grundsatzfrage beschäftigt Prüfungsverantwortliche schon seit Jahren. Institutionen, die Prüfungsaufgaben zentral erstellen, passen die Schwierigkeit ihrer Prüfungen einem bestimmten Sollwert an, der allerdings nicht öffentlich kommuniziert wird. Eine hohe Erfolgsquote kann bedeuten, dass die Auszubildenden in diesem Jahr besonders gut sind. Es kann aber auch bedeuten, dass die Prüfungen zu leicht waren oder die Prüfungsausschüsse niemanden durchfallen lassen wollten.
Bislang besaßen nur die Aufgabenerstellungsinstitutionen durch eigene Erhebungen Daten über die Erfolgsquoten. Seit 2009 erfassen die statistischen Ämter des Bundes und der Länder, wie viele Prüflinge im ersten Anlauf die Abschlussprüfung zum Ende ihrer beruflichen Ausbildung bestehen. Die vom Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) vorgenommene Auswertung für das Jahr 2009 zeigt, dass 91,2 Prozent der rund 477.700 jungen Männer und Frauen ihre Abschlussprüfungen auf Anhieb erfolgreich absolvierten. Die Frauen schnitten dabei noch etwas besser ab als die Männer.
Große Spannweite
Ein Blick auf einzelne Berufe verdeutlicht aber auch: Die Spannweite des Bestehens und Nichtbestehens im ersten Anlauf ist groß. Das zeigen Einzelauswertungen für die 25 Ausbildungsberufe mit den meisten Erstprüfungen. Deutliche Unterschiede zeigen sich auch zwischen den vorzeitig zur Prüfung Zugelassenen, die ihre Prüfung nahezu alle erfolgreich absolvierten, und denjenigen, die die Abschlussprüfung nach einer verlängerten Ausbildungszeit antraten: Bei ihnen lag die Erfolgsquote bei unter 40 Prozent.
Die meisten Prüfungsteilnehmerinnen und –teilnehmer gab es bei den Einzelhandelskaufleuten, Verkäuferinnen und Verkäufern, insgesamt fast 52.000. Fast 93 beziehungsweise 87 Prozent hatten beim ersten Anlauf zur Prüfung Erfolg. Bei den knapp 20.000 Bürokaufleuten lag die Erfolgsquote sogar bei 93,1 Prozent.
Die höchste Erfolgsquote von fast 98 Prozent ergab sich unter den 25 einzeln ausgewerteten Berufen bei den Elektronikerinnen und Elektronikern. Bei den Köchinnen und Köchen bestanden dagegen fast 20 Prozent die Prüfung nicht beim ersten Anlauf. Das ist sicher teilweise auf die unterschiedliche schulische Vorbildung der Auszubildenden zurückzuführen.
Bei den meisten untersuchten Einzelberufen ergaben sich nur geringe geschlechtsspezifische Unterschiede. In einigen konnten sich aber etwa 5 Prozent mehr Frauen als Männer über das Bestehen ihrer Abschlussprüfung im ersten Anlauf freuen: Friseur/-innen, Fachverkäufer/-innen im Lebensmittelhandwerk, Tischler/-innen sowie Maler/-innen und Lackierer/-innen.
Weitere Informationen im Beitrag "Gleich beim ersten Versuch erfolgreich? Erfolgsquote bei Erstprüfungen" in der BIBB-Fachzeitschrift "Berufsbildung in Wissenschaft und Praxis" (BWP) Heft 5/2011 und im BIBB-Datenreport, Kapitel A 4.7.

