Mittwoch, 9. November 2011
Beste Chancen auf eine Ausbildungsstelle
In diesem Jahr gibt es fast dreimal so viele offene Lehrstellen wie unversorgte Bewerberinnen und Bewerber. Das zeigt die Ausbildungsstellenbilanz der Bundesagentur für Arbeit. Vielen Betrieben gelingt es nicht mehr, ihre Lehrstellen zu besetzen. Der Ausbildungspakt konzentriert sich darauf, die Potenziale aller jungen Menschen auszuschöpfen.
Die Situation für Lehrstellenbewerberinnen und -bewerber hat sich deutlich verbessert. Der Bundesagentur für Arbeit (BA) waren bis Ende September 519.800 Ausbildungsstellen gemeldet und damit 7,5 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Davon waren noch 29.689 unbesetzt. Dem standen 11.550 noch unversorgte Ausbildungsbewerberinnen und –bewerber gegenüber.
Trotz doppelter Abiturjahrgänge in Bayern und Niedersachsen und Aussetzung des Wehr- und Zivildienstes sank die Zahl der gemeldeten Bewerber erneut um 13.700 auf 538.200 (-2,5 Prozent). Ein Grund für die sinkenden Bewerberzahlen sind die rückläufigen Zahlen nicht-studienberechtigter Schulabgänger - den Hauptnachfragern nach Ausbildungsplätzen (minus 3,5 Prozent gegenüber 2010).
Überhang mehr als verdoppelt
Rechnerisch gab es somit zum Beginn des Ausbildungsjahres noch 18.100 offene Lehrstellen mehr als unversorgte Bewerber. Im vorigen Jahr betrug dieser Lehrstellenüberhang nur 7400 Stellen. Raimund Becker, Vorstandsmitglied der Bundesagentur für Arbeit: "Heute kommen auf etwa 100 Ausbildungsstellen 115 Bewerber. Das ist eine deutliche Verbesserung gegenüber den letzten Jahren."
Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen zeigte sich über die Bilanz sehr erfreut und sagte: "Der Ausbildungsmarkt hat sich gedreht, er ist zu einem Bewerbermarkt geworden. Das ist eine sehr gute Nachricht für die jungen Menschen. Sie können aus einer Vielzahl von Angeboten auswählen. Es ist auch eine erfreuliche Nachricht für die Wirtschaft, aber auch eine Herausforderung."
Fachkräftebedarf schwieriger zu decken
Industrie und Handel schlossen bis Ende Oktober 340.000 neue Ausbildungsverträge. Das sind 12.900 oder 3,9 Prozent mehr als im Vorjahr. Das Handwerk verzeichnet mit 152.500 neuen Lehrverträgen nur einen leichten Rückgang um 0,6 Prozent. In den Freien Berufen gab es 43.100 neue Verträge, ein Plus von 1,1 Prozent.
Betriebe können damit ihren Fachkräftebedarf durch Ausbildung in den eigenen Betrieben immer schlechter decken. Bei betrieblichen Stellen stieg das Angebot um 10,2 Prozent, während die Bewerberzahl demografiebedingt um 2,5 Prozent sank.
Alle Potenziale nutzen
Der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages Hans Heinrich Driftmann fürchtet, dass bis Ende des Jahres jede achte Ausbildungsstelle unbesetzt bleiben könnte. Es gilt vor allem, alle Potenziale junger Menschen zu nutzen. Besonders wichtig ist es, die Zahl der Altbewerber weiter abzubauen und auch Jugendliche in Ausbildung zu bringen, die Schwierigkeiten haben.
Weiterhin wollen Wirtschaft und Kultusministerkonferenz die Berufsorientierung an den Schulen verbessern Zu den dafür eingesetzten Instrumenten zählen neben den an den Schulen verstärkt eingesetzten Berufseinstiegsbegleitern vor allem Partnerschaften zwischen Schulen und Betrieben.
Driftmann sagte: "Mit unserem Engagement bei der Berufsorientierung wollen wir junge Menschen für eine betriebliche Ausbildung interessieren, wollen ihnen zeigen dass eine Ausbildung beste Chancen auf einen Arbeitsplatz und eine wirkliche berufliche Karriere schafft."
Pakt zieht positive Bilanz
Der Ausbildungspakt hat zur erfreulichen Bilanz durch neue Ausbildungsplätze, neue Ausbildungsbetriebe und zahlreiche Stellen für Einstiegsqualifizierungen einen wesentlichen Beitrag geleistet.
Die Bundesregierung hat die Instrumente zur Förderung junger Menschen neu geordnet und auf den individuellen Handlungsbedarf ausgerichtet. Berufseinstiegsbegleiter unterstützen an 2.000 Schulen Schüler ab dem vorletzten Schuljahr beim Übergang von der Schule in die Ausbildung. Deshalb wird die Berufseinstiegsbegleitung ab April 2012 vom Modell zum Regelinstrument.
Die Bundesregierung hat ihre Programme fortgeführt: So verdoppelte sie die Zahl der Vermittler für die passgenaue Vermittlung. Zur Steigerung der Ausbildungsbeteiligung junger Menschen mit Migrationshintergrund führt die Bundesregierung derzeit drei Ausbildungskonferenzen durch.
Die Wirtschaft zieht folgende Zwischenbilanz:
- 63.100 neue Ausbildungsplätze wurden von Kammern und Verbänden eingeworben.
- 38.100 Betriebe konnten erstmalig für Ausbildung gewonnen werden.
- Für die Einstiegsqualifizierungen (EQ) stellten die Betriebe 22.700 Plätze zur Verfügung, davon stehen 3.710 Plätze förderungsbedürftigen Jugendlichen zur Verfügung (EQ Plus).
Die Wirtschaft verstärkt zudem ihr Engagement für mehr Partnerschaften zwischen Schulen und Betrieben und für die Berufsorientierung.
Bessere Ausbildungsreife
Die Kultusministerkonferenz sorgt für eine bessere Ausbildungsreife von Schülerinnen und Schüler. Die Länder setzen sich intensiv mit der Bündelung von Maßnahmen im Übergang von Schule und Ausbildung auseinander und tauschen sich regelmäßig mit der Beauftragten der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration und den Vertretern der Organisationen von Menschen mit Migrationshintergrund aus. Zudem unterstützen die Länder den Übergang von der Schule in die betriebliche Ausbildung durch systematische Vorbereitung im Unterricht, Anlaufstellen für Berufsorientierung und den Ausbau von Bildungspartnerschaften zwischen Unternehmen und Schulen.
Viele offene Ausbildungsangebote bei den Nachvermittlungsaktionen
Die Aktivitäten zur Nachvermittlung von Arbeitsagenturen, Jobcentern, Kammern und Verbänden laufen seit Wochen. Dazu gehören vor allem Einladungen zur Nachvermittlung, Kompetenzchecks und Last-Minute-Lehrstellenbörsen. Aufgrund der regional geringen Zahl an unversorgten Jugendlichen finden in einigen Regionen keine gesonderten Nachvermittlungsaktionen mehr statt. Auch in diesen Fällen werden die Jugendlichen weiterhin individuell beraten und vermittelt. Angesichts der noch vorhandenen unbesetzten Berufsausbildungsstellen steht dabei die Vermittlung in betriebliche Ausbildung im Vordergrund.
Der Präsident der Kultusministerkonferenz, Bernd Althusmann, lobte die Zusammenarbeit mit Wirtschaft und Bund bei der Berufsorientierung. "Dadurch sind die Chancen für junge Menschen, eine qualifizierte Berufsausbildung zu erreichen, deutlich gestiegen", sagte er.

