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Donnerstag, 5. Mai 2011

Wieder mehr Lehrstellen als Ausbildungssuchende

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Das zentrale Ergebnis des Berufsbildungsberichts 2011: Im Ausbildungsjahr 2009/2010 gab es wieder mehr Lehrstellen als Ausbildungssuchende.

Von Oktober 2009 bis 30. September 2010 wurden 560.073 Ausbildungsverträge neu geschlossen. Das sind 4.234 oder 0,8 Prozent weniger als im Vorjahr. Im Westen waren es 468.410 Verträge (0,7 Prozent mehr), im Osten 91.663 (7,4 Prozent weniger). Am 30. September waren 2010 waren

Grafik zeigt die Entwicklung der unbesetzten Ausbildungsstellen im Verhältnis zur Zahl unversorgter Bewerber.

12.225 unversorgte Bewerberinnen und Bewerber gemeldet (3.424 oder 21,8 Prozent weniger als im Vorjahr). Die Zahl  der unbesetzten Ausbildungsstellen ist dagegen um 2.350 auf 19.605 gestiegen. Die Anzahl von Altbewerbern und jungen Menschen im Übergangssystem ist rückläufig. Zum dritten Mal in Folge gab es damit weniger unversorgte Bewerber als unbesetzte Ausbildungsplätze.

Fachkräftemangel durch demografische Entwicklung

Wichtigste Herausforderung für das Berufsbildungssystem bleiben der Rückgang der Schulabgängerzahlen und ein drohender Fachkräftemangel. Die Bevölkerungszahl in Deutschland wird bis 2030 von etwa 82 auf rund 78 Millionen Menschen sinken. Daraus ergeben sich rückläufige Schulabgängerzahlen. Gleichzeitig steigt die Anzahl der Studierwilligen. Durch die doppelten Abiturjahrgänge wird der Rückgang der Bewerberzahlen zunächst nicht sehr hoch ausfallen, längerfristig jedoch ein erhebliches Problem darstellen.

 

Prognoss der Zahl studienberechtigter und nicht studienberechtigter Schulabgänger bis 2020

Erste Auswirkungen zeigen sich bereits auf dem Arbeitsmarkt: Ingenieure sind bereits Mangelware. Gut ausgebildete Arbeitskräfte im Bereich von Pflege und Erziehung, aber auch studierte Fachkräfte wie Mathematiker, Informatiker, Naturwissenschaftler und Techniker sind schwer zu finden. In einigen Regionen Deutschlands finden Betriebe kaum noch Auszubildende.

Was für die Jugendlichen erfreulich ist, macht den Betrieben zunehmend Sorgen. Schon im vergangenen Jahr gelang es nicht, alle Ausbildungsstellen zu besetzen. Wer Auszubildende im technisch-naturwissenschaftlichen Bereich sucht, wird nicht so schnell fündig: Noch immer entscheiden sich die meisten jungen Frauen für die Berufe Verkäuferin, Kauffrau im Einzelhandel, Bankkauffrau oder medizinische Fachangestellte. Bei jungen Männern bleiben Kraftfahrzeugmechaniker, Kaufmann im Einzelhandel, Industriemechaniker und Koch an der Spitze der von ihnen besetzten Ausbildungsplätze.

Alle Potenziale nutzen

Der zwischen Bundesregierung, Kultusministerkonferenz und der Wirtschaft im Herbst 2010 neu geschlossenen Pakt für Ausbildung wird sich deshalb verstärkt um Nachwuchskräfte aus dem Übergangsystem kümmern: Lernschwache und sozial benachteiligte Jugendliche, die in vergangenen Jahren kaum eine Chance auf einen Ausbildungsplatz hatten.

Mit dem Programm „Bildungsketten bis zum Ausbildungsschluss“ will die Bundesregierung lerngefährdeten Hauptschülerinnen und Hauptschülern den Weg in eine Ausbildung ebnen. Gedacht ist an etwa 60.000 Hauptschülerinnen und Hauptschüler ab Klasse 7. Nach Analyse ihrer Fähigkeiten und Interessen sollen sie von 3.200 Berufseinstiegsbegleitern individuell betreut und in Betriebe vermittelt werden.

Laut Berufsbildungsbericht ist die Zahl der jungen Menschen in Übergangssystemen - also in Maßnahmen zwischen Schule und Ausbildung - seit 2005 um 94.000 oder 22,5 Prozent zurückgegangen. Man dürfe mit den Ausbildungsanstrengungen nicht nachlassen und müsse besonders Jugendliche unterstützen, denen der Einstieg in eine Ausbildung schwer fällt, erklärte Bundesbildungsministerin Schavan. „Unsere Maßnahmen zielen deshalb vor allem auf eine bessere Verzahnung von Schule, Übergangssystem und dualer Ausbildung“.

Migranten einbeziehen

Die Ausbildungsquote junger Ausländer war 2009 mit 31,4 Prozent nur halb so hoch wie die der deutschen Jugendlichen (64,3 Prozent).Die Ausbildungsbeteiligung junger ausländischer Frauen fällt mit 29,1 Prozent sehr niedrig aus, sie liegt bei deutschen Frauen bei 55,5 Prozent.

Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund stellen inzwischen mehr als ein Viertel der Altersgruppe. In Ballungsräumen der alten Bundesländer kommen sogar mehr als vierzig Prozent der Jugendlichen aus Zuwandererfamilien. Während bei  deutschen Jugendlichen fast zwei Drittel eines Jahrgangs eine berufliche Ausbildung beginnen, erhält nur ein knappes Drittel der Jugendlichen ausländischer Herkunft eine qualifizierte Berufsausbildung.

Ziel der Bundesregierung ist es gerade auch, diesen Jugendlichen mit schlechten Startchancen eine gute berufliche Ausbildung und Perspektive zu ermöglichen.  „Wir stehen in einem weltweiten Wettbewerb um die besten Köpfe“, sagt deshalb auch Bundesministerin Schavan. „Darum müssen wir das Potenzial all derer, die bei uns leben optimal nutzen.“

Bundesregierung setzt auf Nachqualifizierung

Rund 15 Prozent (hochgerechnet 1,46 Millionen) der jungen Erwachsenen zwischen 20 und 29 Jahren in Deutschland verfügen nach Ergebnissen des Mikrozensus über keinen Berufsabschluss. Hierbei handelt es sich um eine weitere "Reserve", die für eine Steigerung der künftigen Zahl junger Fachkräfte genutzt werden kann. Für diesen Personenkreis müssen allerdings in Folge des bereits fortgeschrittenen Alters zum Teil spezielle Wege aufgezeigt werden, den fehlenden Ausbildungsabschluss nachzuholen.

In der Förderinitiative "Perspektive Berufsabschluss" des BMBF werden derzeit zwei Ansätze erprobt, die mehr jungen Menschen einen Berufsabschluss ermöglichen sollen. Der präventive Ansatz zielt auf die Erhöhung der Transparenz, Qualität und die Effektivität der regional verfügbaren Förderangebote für Jugendliche beim Übergang von Schule in Ausbildung durch mehr Abstimmungen und Kooperationen der beteiligten Akteure vor Ort. Ein zweites Ziel ist eine "Abschlussorientierte modulare Nachqualifizierung" von un- und angelernten jungen Erwachsenen durch die Stärkung der  innerbetrieblichen Weiterbildungskultur und den Ausbau modularer, flexibler Nachqualifizierungsmodelle.

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