Donnerstag, 5. Mai 2011
Frauen in der dualen Berufsausbildung unterrepräsentiert
Frauen sind in der dualen Berufsausbildung immer noch in der Minderheit. 2010 wurden bundesweit 42 Prozent aller Ausbildungsverträge im dualen System mit jungen Frauen abgeschlossen. Insgesamt hat sich der Frauenanteil seit dem Jahr 1992 kaum verändert. Junge Frauen sind somit in der dualen Berufsausbildung im Vergleich zu ihrem Anteil an der Bevölkerung ( 49 Prozent) deutlich unterrepräsentiert. Dies sind Ergebnisse von Langzeitbeobachtungen des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB).
Die auf Daten der Berufsbildungsstatistik der statistischen Ämter des Bundes und der Länder basierenden Langzeitreihen zeigen allerdings große Unterschiede in den einzelnen Wirtschaftsbereichen. So liegt der Frauenanteil im Bereich der Hauswirtschaft und der freien Berufe bei über 90 Prozent. In den Berufen des öffentlichen Dienstes ist er im Vergleich zum Jahr 1992 (51 Prozent) deutlich gestiegen und liegt seit 1998 gleichbleibend bei etwa 63 bis 65 Prozent. In Industrie und Handel entspricht er dem Gesamtdurchschnitt von etwa 40 Prozent.
Im Handwerk sind Frauen in der Ausbildung weiterhin deutlich unterdurchschnittlich vertreten. 2009 lag ihr Anteil bei nur 24 Prozent. Und auch in der Landwirtschaft sind immer weniger Frauen unter den Auszubildenden: 2009 waren es rund 23 Prozent, während der Anteil 1992 noch bei über 35 Prozent lag.
Auch zwischen den Ausbildungsberufen der einzelnen Wirtschaftsbereiche zeigen sich deutliche Unterschiede. Beispielsweise ist der Frauenanteil - trotz vieler Bemühungen und Kampagnen - in den technischen Ausbildungsberufen immer noch sehr gering. So weist zum Beispiel der Beruf Fachinformatiker/-in (Industrie und Handel) lediglich einen Frauenanteil von 6 Prozent aus.
Insgesamt besteht in der dualen Berufsausbildung eine deutliche geschlechtsspezifische Trennung der Berufe. Dabei ist die Struktur der weiblich und männlich dominierten Berufe seit Mitte der 80er-Jahre nahezu unverändert. Auch 2009 fanden fast 60 Prozent aller weiblichen Auszubildenden eine Ausbildung in einem weiblich dominierten beziehungsweise überwiegend weiblich besetzten Beruf. Andersherum befanden sich auch 2009 immer noch weniger als 20 Prozent aller weiblichen Auszubildenden in einem männlich dominierten beziehungsweise überwiegend männlich besetzten Ausbildungsberuf. Nach der vom BIBB angewandten Klassifikation werden Ausbildungsberufe mit einem Männeranteil von unter 20 Prozent als "weiblich dominierte" beziehungsweise mit einem Männeranteil von unter 40 Prozent als "überwiegend weiblich besetzte" Berufe bezeichnet.
Die Tatsache, dass weniger Mädchen als Jungen eine duale Ausbildung beginnen, ist nicht unbedingt negativ zu sehen, da inzwischen der Frauenanteil bei den Studienanfängern deutlich höher ist als der Männeranteil. Grundsätzlich bedeutet dies jedoch, dass bei den Anstrengungen nicht nachgelassen werden sollte, für die vom anderen Geschlecht dominierten Berufe gezielt zu werben. Dies geschah auch in diesem Jahr durch den Girls Day und erstmalig durch den "Boys Day "Jungen Zukunftstag".

