Freitag, 5. November 2010
Gute Schulabschlüsse und Prüfungsnoten lohnen sich
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Lohnt es sich, einen guten Schulabschluss anzustreben? Sind Prüfungsnoten wichtig, um ein gutes Gehalt zu bekommen? Bislang konnte man nur vermuten, dass beide Fragen mit "ja" zu beantworten sind, inzwischen ist das auch durch eine Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) belegt.
Im sogenannten "Ausbildungspanel Saarland" begleiten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die Ausbildungs- und Erwerbsbiografie von etwa 10.000 Menschen, die zwischen 1999 und 2002 ihre Ausbildung abgeschlossen haben. Ausgewertet wurden aktuell die Beziehungen zwischen Schulabschluss, Aus-bildungsberuf, Noten des Abschlusszeugnisses sowie das Gehalt.
Schulabschluss wichtig für den Ausbildungsberuf

Grundsätzlich schreibt keine Ausbildungsordnung einen bestimmten Schulabschluss als Voraussetzung für eine Ausbildung vor. Die Ausbildungsord-nungen sollen sich sogar am Niveau der Hauptschule orientieren. Grundsätzlich könnten auch Schülerinnen und Schüler ohne Schulabschluss in eine Ausbildung zum Bankkaufmann oder zur Fachinformatikerin eingestellt werden.
Die Realität sieht anders aus. In besonders nachgefragten und anspruchsvollen kaufmännischen Berufen wie Bankkauffrau, Versicherungskauffrau und Fremdenverkehrskauffrau bei den weiblichen Auszubildenden finden wir überwiegend Abiturientinnen, deutlich weniger Realschulabsolventinnen und eine kaum nennenswerte Anzahl von Frauen mit Hauptschulabschluss. (siehe Abbildung 1). Anders in den vergleichsweise schlecht bezahlten Berufen Verkäuferin und Friseurin, in denen auch junge Frauen ohne Schulabschluss eine Chance haben.
Bei den Männern ergibt sich bei Betrachtung der zehn am häufigsten gewählten Berufe ein etwas anderes Bild. Das liegt allerdings auch daran, dass Männer, die in die duale Ausbildung starten, häufiger einen niedrigeren Schulabschluss besitzen als Frauen. So finden sich auch bei den beiden Berufen, bei denen Abiturienten die Mehrzahl der Auszubildenden stellen – Bürokaufmann und Informatiker – etwa zehn Prozent, die nur einen Hauptschulabschluss besitzen. Am höchsten ist der Anteil von Hauptschulabsolventen bei den handwerklichen Berufen.
Geschlechtsspezifische Unterschiede bei Einstiegsgehältern
Das Berufswahlverhalten von Männern und Frauen ist nach wie vor sehr unter-schiedlich. Betrachtet man die zehn am meisten gewählten Berufe, so sind es 80 Prozent der Frauen, die sich für diese entscheiden. Männer dagegen interessieren sich für ein breiteres Berufsspektrum. Die zehn beliebtesten Berufe werden nur von 60 Prozent der Männer gewählt. Einige der von Frauen am häufigsten gewählten Berufe (Friseurin, Verkäuferin, Hotelfachfrau) sind besonders schlecht bezahlt. Die Einstiegsgehälter liegen zwischen 5,60 Euro und 7,60 Euro pro Stunde. Männer verdienen dagegen im vergleichsweise am schlechtesten bezahlten Beruf Rohr-installateur 9,10 Euro die Stunde.
So erklärt sich, dass die durchschnittlichen Einstiegsgehälter 9,30 Euro bei den Frauen und 10,70 Euro bei den Männern betragen. Bei den Spitzengehältern von über 12 Euro finden sich die Berufe Versicherungskauffrau, Bankkauffrau, Betriebs-/ Reparaturschlosser und Dreher.
Gute Noten zahlen sich aus
Die Studie untersucht schließlich, wie sich die Prüfungsnoten auf das spätere Gehalt auswirken. Es zeigt sich ein deutlich signifikanter Zusammenhang zwischen Noten und Einstiegsgehältern. Allerdings variiert das Ergebnis stark nach den Berufen. So ist das Zeugnis für Frauen am wichtigsten bei den Versicherungskauffrauen, Technischen Zeichnerinnen und Groß- und Außenhandelskauffrauen, bei den Männern bei den Elektrikern, Informatikern und Drehern.
Die Studie bestätigt auch, dass sich die Betriebsgröße auf das Einkommen auswirkt: je größer der Betrieb, desto höher das Einkommen. Betrachtet man die gesamte Kette, so kann man sagen, dass sich die Chancen auf einen gut bezahlten Beruf mit einem höheren Berufsabschluss verbessern und die Gehaltsaussichten vom Ausbildungserfolg abhängen.
Auch wenn die Daten nur im Saarland gewonnen wurden, dürften die Ergebnisse darüber hinausgehende Bedeutung haben – gleichermaßen für Betriebe wie Ausbildungssuchende.
