Freitag, 5. November 2010
Bildungsketten: Alle Potenziale nutzen
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Rico Jesus Grüning lernt seinen Traumberuf: Er wird Koch. Das war nicht selbstver-ständlich. In der Hauptschule lief es nicht immer so gut, zumindest musste er mitunter motiviert werden, mehr zu tun. Genau das tat Helmut Hiller, Berufseinstiegsegleiter von der Ausbildungszentrum OTA GmbH. In der neunten Klasse hatte er sich in Ricos Klasse vorgestellt und angeboten, die Berufswahl, Bewerbungsphase und den Ausbildungsbeginn zu begleiten.

Rico fand die Idee prima und nahm die Hilfe von Hiller in Anspruch. Dieser mahnte schon mal, wenn die Motivation für die Schule fehlte. Er verhalf seinem Schützling zu zwei Praktika in der Gastronomie, die die Berufswahlentscheidung festigten. Er half bei Bewerbungsschreiben und gab viele Ratschläge für Vorstellungsgespräche und Einstellungstests.
Einfach lief es dann allerdings nicht. Nach fünfzig erfolglosen Bewerbungs-schreiben entdeckte Rico die Stellenausschreibung des Katholischen Militärbischofs in Berlin für sein Gästehaus, und hier klappte es. Helmut Hiller ist immer noch für ihn da und fragt immer mal wieder nach, ob alles in Ordnung ist. Wenn Rico Probleme hat, kann er ihn anrufen. Momentan allerdings läuft alles bestens.
Ausbildungspakt unterstützt Bildungsketten
Berufseinstiegsbegleiter sind ein erfolgreiches Projekt der Bundesagentur für Arbeit, das nun mit Unterstützung des Ausbildungspakts ausgeweitet wird. Die Paktpartner haben sich darauf geeinigt, künftig verstärkt solche Jugendlichen in den Blick zu nehmen, die bisher Schwierigkeiten beim Übergang in die Ausbildung hatten. Das heißt unter anderem, die Ausbildungsreife und Berufsorientierung zu verbessern. Der Pakt unterstützt daher das Programm "Bildungsketten" des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF). Damit will die Bundesregierung bundesweit lerngefährdeten Hauptschülerinnen und Hauptschülern zu Schulabschluss und Einstieg in eine Ausbildung verhelfen.
Gedacht ist an 30.000 Schülerinnen und Schüler ab Klasse 7, die nach einem Kompetenztest individuell betreut und dann in Betriebe vermittelt werden. Schon heute arbeiten 1.000 von der Bundesagentur für Arbeit finanzierte Fachleute als Berufseinstiegsbegleiter und betreuen etwas 20.000 Schülerinnen und Schüler.
Weitere 500 Berufseinstiegsbegleiter kommen noch in diesem Jahr aus dem Programm des BMBF hinzu. Die Zahl wächst dann im kommenden Jahr auf insge-samt 1.000 Berater. 755 Millionen Euro investiert die Bundesregierung bis zum Jahr 2018 in das Programm.
Die hauptamtlichen Begleiter führen als ersten Schritt eine Potenzialanalyse in der siebten Klasse durch. Dabei stehen die Fragen "Wie will ich später leben und arbei-ten?" und "Was kann und was will ich erreichen?" im Vordergrund.
Begleitung über die Schule hinaus
Anschließend erstellen die Berufseinstiegsbegleiter einen Förderplan für die letzten beiden Schuljahre sowie - im Fall eines erfolgreichen Abschlusses eines Ausbil-dungsvertrags - das erste Ausbildungsjahr.
In der achten Klasse sammeln die Jugendlichen in einer überbetrieblichen Bildungseinrichtung praktische Erfahrungen. In Ausbildungswerkstätten können sie drei Berufe ausprobieren, also zum Beispiel Schreinern, Löten und Frisieren. Die meisten Jugendlichen erhalten so ein ganz neues Bild von einer Berufsausbildung und gehen meist motiviert in die nächste Phase der Berufsorientierung.
In der neunten Klasse lernen sie einen für sie besonders interessanten und geeig-neten Beruf vertieft kennen. In der zehnten Klasse gehen sie dann in ein betriebli-ches Praktikum.
Mit Beginn der Berufsausbildung endet die Begleitung jedoch nicht. Das ist sehr wichtig, da sehr viele Ausbildungsverträge in den ersten Monaten wieder aufgelöst werden. 1.000 Senioren-Experten – das sind Praktiker mit Berufsbildungserfahrung – betreuen gefährdete Jugendliche während der Berufsausbildung meist als ehrenamtliche Bildungslotsen weiter. Dafür baut das BMBF seine bereits bestehende Kooperation mit dem Senioren Experten Service aus.
Die bisherigen Erfahrungen mit Berufseinstiegsbegleitern lassen erwarten, dass das Programm Bildungsketten dazu beiträgt, dass deutlich weniger Jugendliche die Schule ohne Abschluss verlassen und deutlich mehr einen Ausbildungsplatz finden.
