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Freitag, 5. November 2010

Mehr Ausbildungsstellen – weniger Bewerber: Ausbildungsbilanz 2009/2010, Ausbildungspakt wird fortgesetzt

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Es wird immer leichter für junge Menschen, eine Lehrstelle zu finden, und schwieriger für Betriebe, Ausbildungsplätze zu besetzen. Das ist das zentrale Ergebnis der Ausbildungsbilanz, die die Bundesagentur für Arbeit (BA) vorgelegt hat.

Von Oktober 2009 bis September 2010 meldeten Betriebe den Agenturen für Arbeit und den Arbeitsgemeinschaften (ARGEn) insgesamt 483.500 Ausbildungsstellen. Dies sind, trotz der zu Beginn des Beratungsjares schwierigen wirtschaftlichen Situation, 8.100 mehr als im Vorjahreszeitraum.

Erstmals liegen Daten zur Zahl der gemeldeten Bewerberinnen und Bewerber von Seiten der BA, der ARGEn und der zugelassenen kommunalen Träger vor. Demnach gab es in Deutschland insgesamt 552.200 Bewerber, 3.300 weniger als 2009. Die Zahl der gemeldeten Bewerber geht demografisch bedingt weiter zurück, in diesem Jahr allerdings ausschließlich in Ostdeutschland (-14.100 auf 94.700).

Angebot übersteigt die Nachfrage

Ende September gab es noch 19.600 unbesetzte Berufsausbildungsstellen, 2.400 (+ 13,6 Prozent) mehr als noch vor einem Jahr. Ihnen standen 12.300 Bewerberinnen und Bewerber gegenüber. Das sind 3.400 (-21,8 Prozent) weniger als im Vorjahr. Das Angebot übersteigt damit die Nachfrage um rund 7.300 Ausbildungsplätze.

Die Zahl der bisher neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge ist nahezu gleich geblieben: Betriebe in Industrie und Handel schlossen 313.856 Ausbildungsverträge ab, das sind 2.031 mehr als im Vorjahr. Im Handwerk waren es 141.551 Ausbil¬dungsverträge, 101 mehr als im Vorjahr. Bei den Freien Berufen wurden 42.589 Verträge abgeschlossen, ein Plus von 88.

Schülerinnen und Schüler streben zunehmend höhere Schulabschlüssen an und bleiben daher länger in der Schule. Auch dadurch entspannt sich der Ausbildungs-markt. Das ermöglicht der BA, sich verstärkt um die sogenannten „Altbewerber“ zu bemühen.

Gute Perspektive für die Nachvermittlung

Die Perspektive für die Nachvermittlung ist daher sehr gut, denn außer den noch unbesetzt gemeldeten Ausbildungsplätzen stehen ausreichend Plätze für Einstiegsqualifizierungen (EQ), außerbetriebliche Ausbildungen und  Berufsvorbereitungsmaßnahmen zur Verfügung. So können alle daran interessierten  Jugendlichen einen Einstieg ins Berufsleben schaffen.

Diese Bilanz belegt auch den Erfolg des Nationalen Pakts für Ausbildung und Fachkräftenachwuchs. Die Wirtschaft hatte zugesagt, in diesem Jahr 60.000 Ausbildungs¬plätze einzuwerben. Mit 58.400 neuen Ausbildungsplätzen ist dieses Ziel schon fast erreicht. Mit 36.200 neuen Ausbildungsbetrieben übererfüllten die Kammern die Verpflichtung, 30.000 Betriebe zu gewinnen. 21.000 Stellen für Einstiegsqualifizie¬rungen sind bereits eingeworben. Weitere Stellen werden im Laufe der derzeit laufenden Nachvermittlungsaktionen hinzu kommen.

Seit 2007 ist die Zahl der bei der Bundesagentur für Arbeit gemeldeten Bewerberinnen und Bewerber um gut ein Viertel zurückgegangen. In den neuen Bundesländern hat sie sich sogar halbiert. Trotzdem haben zahlreiche Jugendliche Probleme, den Einstieg in die Ausbildung zu finden. Das liegt oftmals daran, dass die Anforderungen der Unternehmen nicht zu den Qualifikationen der Bewerber passen.

Der Ausbildungspakt wird fortgeführt

Viele Jahre lang gab es selbst rein rechnerisch keine ausreichende Anzahl von Ausbildungsplätzen für alle Schulabgänger. Deshalb ging es im Ausbildungspakt vor allem darum, neue Plätze einzuwerben. Das gilt auch weiterhin, obwohl inzwischen das Angebot an Stellen die Nachfrage deutlich übersteigt.

Nicht alle Probleme sind gelöst. Weiterhin gibt es zahlreiche junge Menschen, die seit Jahren vergeblich nach einer Ausbildung suchen. Viele Jugendliche verlassen die Schule ohne Abschluss und ohne die für eine Ausbildung notwendigen Kennt-nisse, Fähigkeiten und sozialen Kompetenzen.

Politik und Wirtschaft weiten daher vor allem Programme aus, die der Berufsorien-tierung und dem leichteren Übergang von der Schule zur Ausbildung dienen. Dies geschieht vor allem mit der Initiative "Bildungsketten"  (siehe nachfolgenden Artikel).

Speziell für Jugendliche mit besonderen Schwierigkeiten wird es Einstiegsqualifi-zierungen mit gezielten Unterstützungsmaßnahmen (EQ Plus) geben. Die Wirtschaft will dafür 10.000 Plätze einwerben. EQ Plus kombiniert ein betriebliches Praktikum mit gezielten Unterstützungsmaßnahmen, wie zum Beispiel ausbildungsbegleitende Hilfen.

60.000 neue Ausbildungsplätze

Die Wirtschaft strebt weiterhin an, im Durchschnitt pro Jahr 60.000 neue Ausbildungsplätze, 30.000 neue Ausbildungsbetriebe sowie 30.000 betrieblich durch-geführte Einstiegsqualifizierungen einzuwerben. Eingeschränkt werden könnte diese Absicht durch die demografische Entwicklung und die unzureichende Ausbildungs¬reife vieler Jugendlicher.

Neue Partner im Pakt sind die Länder, vertreten durch die Kultusministerkonferenz, und die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Maria Böhmer. Alle Paktpartner bedauern, dass die Gewerkschaften sich nicht an dieser gesamtgesellschaftlichen Aufgabe beteiligen werden.

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