Mittwoch, 9. Juni 2010
Neue Ausbildungsordnungen 2010

Was wäre ein Zirkus ohne Zirkuszelt, das Oktoberfest ohne Bierzelte oder eine Open-Air-Veranstaltung ohne funktionelle Überdachung der Showbühne? Ohne ausgefeilte Segeltechnik gewinnt man keine Regatta, und Markisen schützen uns vor zu viel Sonne. Überall begegnen uns Produkte, die Segelmacher/-innen und Technische Konfektionäre/-innen herstellen. Die vom Bundesinstitut für Berufs-bildung (BIBB) im Auftrag der Bundesregierung gemeinsam mit Sozialpartnern und Sachverständigen modernisierten Ausbildungsordnungen beider Berufe treten am 1. August 2010 in Kraft.
Das alte Berufsbild des Segelmachers stammt noch aus dem Jahr 1963. Es war daher dringend notwendig, es komplett zu überarbeiten und modernsten technischen und wirtschaftlichen Standards anzupassen. Auch bei der Aktualisierung der 13 Jahre alten Ausbildung zum Technischen Konfektionär galt es, neuen Entwicklungen in der Branche Rechnung zu tragen. Beide Aus-bildungsberufe bieten gute Zukunftsaussichten, weil gut ausgebildete Fachkräfte dringend gesucht werden.
Beim Segelmacher handelt es sich um einen traditionellen Handwerksberuf, während die Arbeit der Technischen Konfektionäre durch industrielle Fertigungsverfahren geprägt ist. Beide Berufe beschäftigen sich mit der Herstellung sogenannter Technischer Textilien wie Zelte, Planen und Markisen. Trotz inhaltlicher Überschneidungen gibt es zwei getrennte Ausbildungsordnungen und schulische Rahmenlehrpläne. In der Regel wird – wie bei Berufen mit wenigen Auszubildenden üblich – in Bundesfachklassen unterrichtet: die Segelmacher in Lübeck-Travemünde, die Technischen Konfektionäre in Köln.
312 neue und neu geordnete Berufe
Seit vielen Jahren entstand 2010 erstmals kein völlig neuer Ausbildungsberuf. In den vergangenen 15 Jahren waren es insgesamt 82. Auch bei der Modernisierung der Ausbildungsordnungen liegt ein gewaltiges Arbeitspensum hinter den Experten von BIBB und Sozialparteien. 230 Ausbildungsordnungen passten sie an die modernen technischen, sozialen und wirtschaftlichen Erfordernisse an. Segelmacher und Konfektionär sind zwei der insgesamt voraussichtlich 11 Berufe, die nach Neuordnung zum Beginn des neuen Ausbildungsjahres in Kraft treten werden:
- Böttcher/Böttcherin
- Buchhändler/Buchhändlerin
- Büchsenmacher/Büchsenmacherin
- Geomatiker/Geomatikerin
- Milchtechnologe/Milchtechnologin
- Papiertechnologe/Papiertechnologin
- Pferdewirt/Pferdewirtin
- Revierjäger/Revierjägerin
- Segelmacher/Segelmacherin
- Technischer Konfektionär/Technische Konfektionärin
- Vermessungstechniker/Vermessungstechnikerin
Unter den Berufen gibt es allerdings eine neue Berufsbezeichnung: „Milchtechnologe/Milchtechnologin“. Es ist allerdings kein völlig neuer Beruf, sondern der neue Name des „alten“ Berufs "Molkereifachmann/-frau". Die Bezeichnung trägt der zunehmenden Technisierung in der Milchwirtschaft bei der Herstellung und Verarbeitung von Milch und Milcherzeugnissen wie zum Beispiel Butter, Käse oder Jogurt Rechnung. Schwerpunkte der dreijährigen Ausbildung sind die Leittechnik zur Steuerung des gesamten Produktionsprozesses, die Überwachung der einzelnen Herstellungsschritte sowie Hygienestandards. Arbeitsfelder können außer milchverarbeitenden Betrieben auch Feinkost-, Getränke- oder Süßwarenhersteller sein.
Der Beruf mit der ebenfalls neuen Bezeichnung "Geomatiker/-in" ersetzt den Beruf "Kartograph/-in". Im Zentrum des Berufs steht das Geodaten-Management. Es geht dabei um die Erfassung der Daten, die durch örtliche Vermessung gewonnen wurden wie auch um Daten aus der Fernerkundung. Damit spielen modernste Informations- und Kommunikationssysteme eine wichtige Rolle.

