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Mittwoch, 9. Juni 2010

Bessere Perspektiven durch Zusatzqualifikationen

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20 kaufmännische Auszubildende kommen zweimal wöchentlich ins Kreishaus Unna und lernen dort "Technik für kaufmännische Auszubildende". Die 80 Unterrichtsstunden der Zusatzqualifikation befassen sich unter anderem mit Fertigungstechnik, technischer Kommunikation, Elektrotechnik und betrieblichem Umweltschutz.

Der Lehrgang der Industrie- und Handelskammer zu Dortmund wird von der Stiftung Weiterbildung unterstützt und ist ein Projekt des Ausbildungsstrukturprogramms Jobstarter. Die gestiegenen Qualifikationsanforderungen der Arbeitswelt führten in den vergangenen Jahren zu zahlreichen innovativen Qualifizierungsmodellen. Im Brennpunkt standen dabei Zusatzqualifikationen während der regulären dualen Ausbildung. Das Programm fördert die Umsetzung von Innovationen.

Die Bedingungen auf dem Arbeitsmarkt ändern sich ständig. Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer müssen sich anpassen und stärker qualifizieren. Das beginnt schon während der beruflichen Ausbildung mit einer engeren Verzahnung von Erstausbildung und Weiterbildung. So verbinden zum einen duale Studiengänge die Vorteile einer praxisnahen Ausbildung mit den systematischen und tiefer gehenden Erkenntnissen einer Hochschulausbildung. Zum anderen bieten Zusatzqualifikationen schon während der Ausbildung eine Erweiterung der Kompetenzen über die Ausbildungsinhalte hinaus. Beide Modelle sind inhaltlich sehr vielfältig und an die individuellen Bedürfnisse der Betriebe angepasst.

Was sind Zusatzqualifikationen?

Zusatzqualifikationen nach dem Berufsbildungsgesetz (§ 49 BBiG) vermitteln über das Ausbildungsberufsbild hinaus zusätzliche berufliche Fertigkeiten, Kenntnisse und Fähigkeiten. Sie richten sich überwiegend an Auszubildende während der dualen Ausbildung, werden also im Ausbildungszeitraum vermittelt.

Zusatzqualifikationen

  • ergänzen die Ausbildung durch zusätzliche Inhalte, die nicht in der Ausbildungsordnung eines Berufes vorgeschrieben sind;
  • finden während der Berufsausbildung statt oder beginnen unmittelbar nach Abschluss der Ausbildung, maximal ein halbes Jahr später;
  • haben einen zeitlichen Mindestumfang;
  • können durch das Zertifikat eines Betriebes, eines Bildungsträgers oder einer Kammer nachgewiesen werden.

Zusatzqualifikationen sind kein neues Instrument, aber durch die Arbeitsmarktsituation aktueller denn je. Wegen der Vielzahl an Varianten für die unterschiedlichsten Ausbildungsberufe ist es schwierig, eine Gesamtübersicht über alle aktuellen Angebote zu finden. Im Internetportal AusbildungPlus sind jedoch derzeit über 2.200 verschiedene Zusatzqualifikationen erfasst. Für die meisten Zusatzqualifikationen sind keine besonderen Vorkenntnisse notwendig. Manche Angebote bedingen jedoch etwa ein Mindestmaß an schulischer Vorbildung oder gute schulische Leistungen in bestimmten Fächern.

Seit der Novellierung des Berufsbildungsgesetzes im Jahr 2005 können so genannte kodifizierte Zusatzqualifikationen in Ausbildungsordnungen integriert werden. Der Vorteil: Sie sind damit verbindlich und bundesweit gültig. Erstmalig wurde diese Möglichkeit im August 2009 für den Ausbildungsberuf Musikfachhändler/-in genutzt. Eine ganze Reihe von kodifizierten Zusatzqualifikationen für andere Berufsbilder ist derzeit in der Entwicklung. Es wird spannend sein zu beobachten, welche Berufsausbildungen auf diesem Weg folgen und ebenfalls eine bundesweite Vergleichbarkeit mit allgemeiner Anerkennung der Zusatzqualifikation herstellen.

Mit Erfahrungsberichten gewinnen

Für Zusatzqualifikationen gilt es zu werben, denn durch sie werden Qualifikationslücken geschlossen. Deshalb sucht das Bundesinstitut für Berufsbildung in einem Wettbewerb gezielt Berichte von jungen Menschen, die authentisch ihre Erfahrungen mit Zusatzqualifikationen und dualen Studiengängen beschreiben.

Die besten Beiträge werden auf dem BIBB-Portal www.myausbildungplus.de veröffentlicht. Interessierten Jugendlichen wird so die Möglichkeit geboten, Einblicke und Eindrücke von Gleichaltrigen aus erster Hand zu gewinnen. Für die drei besten Einsendungen winken attraktive Geldpreise (1. Preis: 500 Euro, 2. Preis: 300 Euro, 3. Preis: 100 Euro).

Halbzeit bei Jobstarter

Das Jobstarter-Programm, zu dem das Projekt Zusatzqualifikationen gehört, feierte seine Halbzeit und zog Bilanz. Das Programm des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) hat in den vergangenen vier Jahren mit 241 durchgeführten Projekten 42.500 neue Ausbildungsplätze geschaffen. Dr. Helge Braun, Parlamentarischer Staatssekretär im BMBF, erläuterte den Erfolg des Programms: "Ein Grund für den Erfolg ist die flexible Anpassung der Projekte an die regionalen Nachfragebedingungen. Damit konnte man gezielt auf eine Verbesserung der lokalen Ausbildungsstrukturen hinwirken."

So gibt es rund 30 Projekte, die langfristige europäische Ausbildungskooperationen in den Grenzregionen Deutschlands ermöglichen, sowie insgesamt 29 Initiativen, die sich mit der Entwicklung einer Ausbildungskultur in Betrieben von Migranten beschäftigen. Dadurch entstanden bislang 2.600 Ausbildungsplätze in Firmen, in denen der Inhaber selber eine Zuwanderungsgeschichte hat. Aktuell laufen in 34 Städten Ausbilderseminare für Fachkräfte sowie für Unternehmerinnen und Unternehmer mit Migrationshintergrund. Bis Ende 2010 sollen 1.000 zusätzliche Ausbilderinnen und Ausbilder mit Migrationshintergrund das von den Kammern ausgestellte Zertifikat der Ausbildereignung in der Hand halten.

Das aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds kofinanzierte Programm Jobstarter wird bis zum Jahr 2013 fortgesetzt. Geplant ist, vor allem die Übergangsmöglichkeiten an den Schnittstellen der verschiedenen Bildungssysteme zu verbessern. Vor allem die Berufsorientierung und Förderung schwacher Schülerinnen und Schüler bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz ist ein Schwerpunkt. Hier soll das neue BMBF-Programm "Bildungsketten bis zum Berufsabschluss" greifen.

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