Freitag, 5. März 2010
Partner verlängern den Ausbildungspakt
„Der Ausbildungspakt hat sich bewährt“, denn „trotz der Krise ist der Ausbildungs-markt stabil“, verkündete Bundeswirtschaftminister Rainer Brüderle nach der Sitzung des Lenkungsausschusses des Nationalen Pakts für Ausbildung und Fachkräftenachwuchs in Berlin am 10. Februar. Deshalb wird der Pakt um zunächst zwei weitere Jahre verlängert. Im Herbst 2010 werden sich Wirtschaft und Politik über die Details abstimmen.
Trotz Wirtschaftskrise war das Ausbildungsjahr 2009 ein Erfolg. Die Vereinbarungen zwischen Politik und Wirtschaft sehen vor, 60.000 neue Ausbildungsplätze und 30.000 neue Ausbildungsbetriebe pro Jahr einzuwerben. Kammern und Verbände gewannen im vergangenen Jahr sogar insgesamt 72.600 neue Ausbildungsplätze.
Das Ergebnis ist auch bei den Betrieben gut: 16.300 neue Ausbildungsbetriebe zusätzlich zu den 30.000 geforderten neuen Unternehmen konnten 2009 gewonnen werden.
Bei den Einstiegsqualifizierungen (EQ) ist die Bilanz nicht so positiv. Mit 32.360 Plätzen konnten im letzten Ausbildungsjahr 7.640 weniger Plätze für EQs von der Wirtschaft bereitgestellt werden. 40.000 Plätze sind im Pakt vorgesehen. Allerdings war auch in den vergangenen Jahren die Nachfrage immer deutlich niedriger als das Angebot. Bis Januar 2010 begannen 18.900 Jugendliche eine EQ.
Auch der Bund hielt seine Zusagen ein. Statt der zugesagten Auszubildendenquote von 7 Prozent in obersten Bundesbehörden, wurden 7,6 Prozent erreicht. Die Bundesagentur für Arbeit förderte 41.000 Eintritte in außerbetriebliche Ausbildungen.
Fachkräftemangel droht
Trotz der positiven Bilanz sind Politik und Wirtschaft aufmerksam. Sie wissen, dass die Situation auf dem Ausbildungsmarkt angespannt ist. Die Aussichten für Jugendliche sind schwierig. 50.340 weniger Ausbildungsverträge als im Vorjahr registrierten die Paktpartner. 2009 erhielten 566.004 Jugendliche einen Ausbildungsplatz. Das sind 8,2 Prozent weniger Verträge als 2008.
Für das Jahr 2010 prognostiziert die Kultusministerkonferenz außerdem 25.000 weniger junge Schulabgängerinnen und Schulabgänger. Das sind 3 Prozent weniger als 2009. Allein bei Haupt- und Realschulen werden es sogar 4 Prozent weniger sein.
Auf der einen Seite führt das in manchen Regionen zu einer Entlastung des Ausbildungsmarktes. Das ist hauptsächlich in den alten Bundesländern der Fall. Hier gibt es häufig mehr Bewerber als Ausbildungsplätze.
Auf der anderen Seite führt die sinkende Bewerberquote dazu, dass vor allem in den neuen Bundesländern Unternehmen schwieriger qualifizierte Bewerberinnen und Bewerber finden. Damit deutet sich ein Fachkräftemangel in Deutschland in wenigen Jahren an.
Ausbildungsprogramm Ost
Mit dem „Ausbildungsprogramm Ost" soll die Abwanderung junger Menschen aus den neuen Bundesländern verhindert werden. Bund und Länder haben zugesichert, bis 2010 mit 22.000 zusätzlichen Stellen der demographischen Entwicklung entgegenwirken.
„Kein Jugendlicher unter 25 Jahren“ soll „länger als drei Monate ohne Ausbildung oder Arbeit bleiben“, sagte Bundesbildungsministerin Annette Schavan, bei der Unterzeichnung des neuen Ausbildungsprogramms Ost im Frühjahr 2009. Im Ausbildungsjahr 2009 wurden darin insgesamt 5.000 neue Ausbildungsplätze bereitgestellt.
Dafür investieren Bund und die beteiligten Länder 68 Millionen Euro. Davon tragen die Länder eine Hälfte. Sachsen hat mit 1.079 Plätzen die größte Anzahl der Programmplätze im Ausbildungsprogramm Ost. Gefolgt wird Sachsen von Branden-burg mit 989 Plätzen, Sachsen-Anhalt mit 821, Berlin mit 689 und Thüringen mit 589 Plätzen.
Lücken schließen
Die Paktpartner haben sich verpflichtet, jedem Jugendlichen ein Qualifizierungsangebot zu machen. Dies geschieht mit den so genannten Nachvermittlungsaktionen, die nach Beginn des Ausbildungsjahres starten.
Darunter fällt auch das Programm der Einstiegsqualifizierungen (EQ). Im Ausbil-dungsjahr 2009 waren mit Hilfe dieser Aktionen deutlich weniger Bewerberinnen und Bewerber unversorgt als in den Vorjahren. Die EQ-Plätze sind die Türöffner in eine Ausbildung für Jugendliche mit besonders erschwerten Vermittlungsaussichten.
Jugendliche, die an einer Einstiegsqualifizierung teilnehmen, absolvieren ein sozialversicherungspflichtiges Langzeitpraktikum in einem Betrieb. Sehr viele Jugendliche werden danach von dem Betrieb in eine reguläre Ausbildung übernommen.
Diese Praktika dauern in der Regel sechs bis maximal zwölf Monate. Erfolgreiche Absolventinnen und Absolventen erhalten ein Kammerzertifikat und können unter bestimmten Umständen die EQ auf die Berufsausbildung anrechnen lassen. 2009 absolvierten 23.700 Jugendlichen ein derartiges betriebliches Praktikum.
Während des Praktikums erhalten die Jugendlichen bis zu 212 Euro monatlich. Dieses Taschengeld finanziert der Bund ebenso wie die Sozialversicherungsbeiträge.
Im September 2009 waren noch 9.600 Bewerber und Bewerberinnen unversorgt, davon fanden 5.300 einen EQ-Platz, eine Ausbildungsstelle oder setzten die schulische Ausbildung fort. Alle unversorgten Jugendlichen erhielten in der Nachvermitt-lung mindestens ein Qualifizierungsangebot.
Jugendliche mit Migrationshintergrund besonders fördern
Mit der Verlängerung des Ausbildungspaktes werden sich Politik und Wirtschaft verstärkt um benachteiligte Jugendliche kümmern. Konkret sind das Jugendliche aus sozial schwachen und bildungsfernen Familien, Altbewerber sowie Jugendliche mit Migrationshintergrund.
Besonders junge Menschen mit ausländischem Hintergrund haben es auf dem Ausbildungsmarkt schwer. 2008 lag die Ausbildungsbeteiligungsquote nur bei 32 Prozent. Im Gegensatz dazu begannen im gleichen Jahr 68 Prozent der deutschen Jugendlichen eine Ausbildung. Auch bilden nur wenige Unternehmerinnen und Unternehmer mit ausländischen Wurzeln im dualen Berufsbildungssystem aus.
Ziel der Bundesregierung ist es, Jugendliche mit Migrationshintergrund künftig verstärkt zu einem Berufsbildungsabschluss zu motivieren. Außerdem sollen auch Unternehmen mit ausländischen Inhabern ermutigt werden selbst auszubilden.
Die Ausbildung im eigenen Betrieb ist zudem Grundstoff einer nachhaltigen Personalpolitik. Denn Unternehmen, die heute ausbilden, sichern sich somit ihre Fachkräfte von morgen. Dabei verfügen Jugendliche mit Migrationshintergrund über bilinguale und interkulturelle Kompetenzen. Damit weisen diese jungen Menschen ein besonderes Kapital gegenüber deutschen Bewerberinnen und Bewerbern auf und sind dementsprechend attraktiv für ein Unternehmen. Außerdem erhalten sie gleichzeitig eine Aussicht und Chance für eine gute Zukunft in Deutschland.

