Mittwoch, 23. Dezember 2009
Duale Berufsausbildung in den neuen Ländern muss noch aufholen
Auch 20 Jahre nach dem Fall der Mauer unterscheiden sich die Strukturen der beruflichen Ausbildung in den alten und neuen Bundesländern immer noch ganz wesentlich. Dies geht aus einer Studie des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) zur Entwicklungsgeschichte und aktuellen Situation der betrieblichen Ausbildung in den neuen Bundesländern hervor. Gleichwohl haben sich die Chancen der Jugendlichen auf eine Ausbildungsstelle derzeit verbessert.

Begünstigt durch den massiven Rückgang der Schulabgängerzahlen hat sich der Ausbildungsmarkt im Osten Deutschlands im Jahr 2009 entspannt. Erstmals stehen Jugendlichen in den neuen Bundesländern relativ mehr Ausbildungsplätze zur Verfügung als Jugendlichen in den alten Bundesländern. Zuvor waren die Chancen eines Jugendlichen, nach der Schule einen Ausbildungsplatz im dualen System zu erhalten, ähnlich: In beiden Landesteilen überstieg die Nachfrage nach Ausbildungsstellen das Angebot. Auf 100 Bewerberinnen und Bewerber kamen im Westen 88,8 und im Osten 91,3 Ausbildungsstellen (vgl. Abbildung 1).
Die Relation zwischen Auszubildenden und sozialversicherungspflichtig Beschäftig¬ten (Ausbildungsquote) war 2008 in den neuen Ländern sogar geringfügig höher als in den alten (6,0 zu 5,7).
Bund und Länder konnten ähnliche Ausbildungssituationen im gesamten Bundes-gebiet nur durch erhebliche öffentliche Mittel für neue Ausbildungsplätze schaffen. 2008 investierte der Bund allein in das Bund-Länderprogramm rund 72 Millionen Euro. Die Länder brachten einen ähnlich hohen Betrag auf.
Viel außerbetriebliche Ausbildung
In der BIBB-Untersuchung wird die Entwicklung des Ausbildungssystems in den neuen Ländern in den letzten 20 Jahren vor dem Hintergrund wirtschaftlicher, demografischer und bildungsbezogener Trends nachgezeichnet. Die Studie zeigt, dass die nach dem Zusammenbruch der DDR erforderliche Umstrukturierung der Berufsausbildung trotz finanzieller Förderung nicht befriedigend gelungen ist. Nach wie vor ist die duale Ausbildung in Ostdeutschland geprägt von einem hohen Anteil außerbetrieblicher Ausbildungsstellen und einem vergleichsweise geringeren Anteil von Betrieben, die Jugendliche selbst ausbilden.
Während in den alten Bundesländern auf 100 Beschäftige in regulären Betrieben 5,2 Auszubildende kommen, sind dies in den neuen Ländern nur 4,6. Hinzu kommt, dass prozentual weniger Betriebe in den neuen Ländern ausbilden. Während es im Westen 26,4 Prozent sind, beträgt der Anteil im Osten nur 19,2 Prozent.
Fachkräftemangel droht
Inzwischen zeichnet sich ab, dass Betriebe und Unternehmen vor gravierenden Probleme stehen werden. Angesichts der zurückgehenden Zahl von Schulabgängerinnen und –abgängern und der anhaltenden Abwanderung ostdeutscher Jugendlicher droht ein erheblicher Fachkräftemangel.
Betriebe und Unternehmen müssen aus Sicht des BIBB verstärkt in die berufliche Ausbildung einsteigen. Dabei sollten auch Jugendliche mit schlechteren schulischen Voraussetzungen, Altbewerber und Altbewerberinnen oder junge Erwachsene ohne abgeschlossene Berufsausbildung eine faire Chance erhalten. Anderenfalls droht eine Einschränkung der Leistungsfähigkeit der ostdeutschen Wirtschaft. Dies gilt insbesondere für diejenigen Regionen, die bereits heute mit den dramatischen Folgen von Bevölkerungsrückgang und Überalterung zu kämpfen haben.
Detaillierte Informationen enthält der neue BIBB REPORT 12/09: "Im Osten nichts Neues? 20 Jahre nach dem Mauerfall steht die Berufsausbildung vor großen Herausforderungen".

