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Mittwoch, 14. Oktober 2009

Das Ansehen zählt: Berufe mit Imageproblemen

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Nicht nur die Wirtschaftskrise und der drohende Lehrstelleneinbruch im kommenden Herbst setzen dem Ausbildungsmarkt momentan zu, sondern mancherorts auch ein Bewerberschwund. Dies gilt vor allem für Ostdeutschland. Ende Mai 2009 verzeich­nete die Bundesagentur für Arbeit (BA) dort 27 Prozent weniger Lehrstellenbewer­berinnen und Lehrstellenbewerber als im Vorjahresmonat. In fünf der 37 Arbeitsagenturbezirke wurden bereits weniger Interessenten als betriebliche Ausbildungsstellen registriert.

Die rückläufigen Zahlen sind Vorboten eines Problems, das in naher Zukunft ganz Deutschland treffen wird. Aufgrund der demografischen Entwicklung werden es die Betriebe deutlich schwerer haben, Nachwuchs zu rekrutieren. "Allerdings werden nicht alle Berufe gleich stark davon betroffen sein", so Manfred Kremer, Präsident des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB). "Maßgeblich ist hier das Image der Berufe, denn das spielt für die zu erwartenden Bewerberzahlen eine wichtige Rolle."

Image oft ausschlaggebend

Ausbildungsberufe wie Gestalter/-in für visuelles Marketing, Mediengestalter/-in Digital und Print, Tierpfleger/-in oder auch Fotograf/-in sind bei den Jugendlichen weiterhin sehr gefragt - und dies wird nach Einschätzung des BIBB auch so bleiben. Große Nachwuchsprobleme haben dagegen bereits heute verschiedene Ausbil­dungsberufe im gewerblichen Bereich - insbesondere im Reinigungsgewerbe und im Nahrungsmittelhandwerk. Aber auch in den Gastronomieberufen sieht es nicht besonders gut aus. In manchen Berufen entfielen Ende Mai noch nicht einmal 50 Bewerberinnen und Bewerber auf 100 Ausbildungsstellen.

Nur zum Teil hängt die geringe Nachfrage damit zusammen, dass den Jugendlichen das Interesse an den für die Berufe typischen Arbeiten fehlt. Dies ergab eine Befra­gung des BIBB unter Schülerinnen und Schülern aus den höheren Klassen der allgemeinbildenden Schulen. Eine wichtige Rolle spielt dagegen, wie anerkannt die Berufe aus Sicht der Jugendlichen in unserer Gesellschaft sind.

Nach Meinung der Jugendlichen genießen vor allem jene Berufsinhaberinnen und -inhaber ein hohes Ansehen, die als überdurchschnittlich gebildet, intelligent, einkommensstark und ehrgeizig gelten. Tugenden wie Geschicklichkeit, körperliche Fitness, Fleiß, Kontaktfreudigkeit und auch Selbstlosigkeit spielen dagegen aus Sicht der Jugendlichen für das Ansehen eines Berufes keine große Rolle. Die Folge: Büro­berufe mit kreativer Tätigkeit gelten als besonders imageförderlich und sind unter den Jugendlichen dementsprechend begehrt. Berufe, bei denen körperliche Arbeit, manuelles Geschick und soziale Tätigkeiten im Vordergrund stehen, haben das Nachsehen.

Neue Berufsbezeichnung - neues Interesse

Das Grundproblem - die offenbar unzureichende Würdigung der Arbeit in einigen gewerblich-industriellen Berufen - kann durch neue Ausbildungsordnungen und neue Berufsbezeichnungen allerdings nur bedingt gelöst werden.

Allerdings ist bemerkenswert, wie eine neue Berufsbezeichnung das Image verän­dern kann. War das Interesse und Image der Schauwerbegestalter als vermeintlich rein handwerklicher Beruf wenig attraktiv, so bekam er ein ganz anderes Image mit dem neuen Namen: Gestalter/-in für visuelles Marketing.

Die Autorinnen und Autoren der Studie meinen, es sei ein allgemeiner Bewusst­seinswandel erforderlich. Dabei würden manchmal auch - wie aus früheren Studien bekannt - die Unterhaltungsserien der Fernsehsender beitragen. Denn für die Jugendlichen haben Medien eine große Bedeutung, um sich gesellschaftlich zu orientieren. Ist nun beispielsweise eine praktisch arbeitende Person Star einer beliebten Unterhaltungsserie, kann dies auch das Image des entsprechenden Berufs beeinflussen.

Der Artikel "Berufe - Entwicklungen und Perspektiven" aus der BIBB-Fachzeitschrift "Berufsbildung in Wissenschaft und Praxis - BWP" Heft 3/2009 steht als kostenloser Download zur Verfügung.

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