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Donnerstag, 30. April 2009

Stellen Betriebe mehr Auszubildende ein?

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Wollen Betriebe in den kommenden Jahren verstärkt ausbilden oder ihr Angebot verringern? Wie werden sich die Einstellungszahlen in den verschiedenen Wirtschaftszweigen entwickeln? Welche Auswirkung hat die derzeitige Krise?

Diesen Fragen geht eine Betriebsbefragung des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) nach. Die Forscher führten in 907 Betrieben, die im Jahr 2008 Auszubildende einstellten, ausführliche Interviews. Die Ergebnisse wurden auf Basis der Auszubildendenzahlen gewichtet.

Das zukünftige Angebot an Ausbildungsplätzen errechnete sich aus der Aussage der Betriebe, ob und wie viele Ausbildungsplätze sie anbieten werden. Waren sie sich dabei nicht sicher, wurden sie um eine Schätzung gebeten.

Betriebliche Ausbildungsbereitschaft 2009

Befragungsergebnisse. Werden Sie 2009 Auszubildende einstellen?

Rund sechs von zehn befragten Unternehmen wollen im kommenden Ausbildungsjahr Auszubildende einstellen. 20 Prozent der Betriebe sind noch unschlüssig (vgl. Abbildung 1). Insbesondere hatten viele ostdeutsche Betriebe noch keine abschließende Entscheidung getroffen.

22 Prozent der Betriebe wollen im kommenden Ausbildungsjahr ihr Angebot steigern, 32 Prozent wollen es auf gleicher Höhe wie im Vorjahr halten. Auf der anderen Seite beabsichtigen 25 Prozent der Betriebe, weniger Ausbildungsplätze als im Vorjahr anzubieten und weitere 20 Prozent wollten sich noch nicht abschließend äußern. Damit zeigt sich, dass der Anteil der Betriebe, die ihr Angebot reduzieren wollen, den Anteil der Betriebe übersteigt, die ihr Angebot ausweiten möchten. Diese Tendenz tritt verstärkt bei Betrieben aus Industrie und Handel auf - nur 15 Prozent wollen hier ihr Angebot steigern, doppelt so viele (31 Prozent) reduzieren. Ganz andere Einschätzungen ergeben sich dagegen bei Handwerksbetrieben. Hier wollen nur 21 Prozent der Betriebe die Ausbildung einschränken, 29 Prozent dagegen ausweiten. Vergleicht man West- und Ostdeutschland, so zeigt sich, dass es überwiegend Betriebe aus Westdeutschland sind, die ihr Ausbildungsplatzangebot für 2009 reduzieren wollen.

Bei der Angabe von Gründen für ein gegenüber dem Vorjahr reduziertes Ausbildungsangebot zeigen sich deutliche Auswirkungen der aktuellen Wirtschaftskrise. Fast jeder dritte Betrieb (28 Prozent) begründet seine Zurückhaltung direkt mit wirtschaftlichen Schwierigkeiten. Die beiden am häufigsten genannten Gründe - ,Übernahme nach der Ausbildung nicht möglich' mit 36 Prozent und ,kein Fachkräftebedarf' mit 34 Prozent – stehen ebenfalls im Zusammenhang mit der Wirtschaftslage der Unternehmen.

Betriebe, die ihr Angebot gegenüber dem Vorjahr beibehalten oder steigern wollen, sehen mehrheitlich in der Ausweitung ihrer Ausbildungsaktivitäten die Chance zu einer besseren Stellenbesetzung, eine kostengünstige Alternative zur Gewinnung von Fachkräften und die Sicherstellung einer ausgewogenen Altersverteilung. Häufig begründen sie ihr Engagement für eine Berufsausbildung auch mit Tradition bzw. gesellschaftlicher Verantwortung.

Ausbildungsplatzangebot 2009

Die Hochrechnung zu dem zu erwartenden Ausbildungsplatzangebot ergibt eine Zahl von 566.000 neuen Ausbildungsverträgen. Damit würde die Zahl gegenüber dem letzten Ausbildungsjahr (616.000 neue Ausbildungsverträge) voraussichtlich um rund 50.000 Ausbildungsplätze sinken (-8 Prozent). Auch andere Hochrechnungen von BIBB und Deutschem Industrie- und Handelskammertag (DIHK) sagen Rückgänge von fünf bis zehn Prozent voraus. Der Rückgang trifft vor allem den Bereich Industrie und Handel, wo ein Minus von rund 10 Prozent zu erwarten ist. Demgegenüber hält sich das Handwerk nahezu auf dem Vorjahresniveau (-1 Prozent). Der Rückgang wird die westlichen Länder (- 9 Prozent) stärker als die östlichen (- 4 Prozent) treffen. Die Ausbildungsangebote der Großbetriebe mit über 500 Beschäftigten (-1 Prozent) halten weitgehend den Stand des Vorjahres. Besonders deutlich wird das Ausbildungsplatzangebot im Bereich von Klein- und Mittelbetrieben aus Industrie- und Handel einbrechen.

Die prognostizierte Lücke - rund 18.000 Ausbildungsplätze, die 2009 fehlen, um die Versorgungssituation des Vorjahres zu erreichen - ist nicht so groß, als dass sie nicht durch bereits vorliegende Programme geschlossen werden könnte. Das sind Förderinstrumente wie der Ausbildungsbonus für Altbewerber, Einstiegsqualifizierungen oder berufsvorbereitende Maßnahmen der Arbeitsagenturen.

Ausbildungsplanungen für die kommenden drei Jahre

Verhalten äußerten sich die Unternehmen hinsichtlich ihres Angebots an Ausbildungsplätzen in den kommenden drei Jahren. So erwarteten drei von vier Betrieben einen Gleichstand, jeweils sechs Prozent wollten ihr derzeitiges Angebot ausweiten beziehungsweise reduzieren. Jeder sechste Betrieb wollte in den nächsten drei Jahren keine Auszubildenden einstellen.

In den alten Ländern wird das Ausbildungsplatzangebot in den kommenden drei Jahren voraussichtlich stagnieren. Jeweils 6 Prozent der Unternehmen erwarten nach eigener Aussage eine Zunahme bzw. Abnahme. In den neuen Ländern ist eher mit einer leichten Steigerung zu rechnen, da 14 Prozent der Betriebe ihr Angebot ausweiten und lediglich 7 Prozent reduzieren wollten. Hier könnte auch der höhere Druck eines dort bereits jetzt sichtbaren Fachkräftemangels zu dieser Haltung geführt haben.

Aus vermutlich ähnlichen Gründen planen auch Großbetriebe ihr künftiges Angebot an Ausbildungsplätzen. So wollten 14 Prozent der befragten Unternehmen ihr Angebot ausweiten und nur 8 Prozent reduzieren. Bei Klein- und Mittelbetrieben ist eher ein leichter Rückgang ihres Ausbildungsplatzangebots anzunehmen.

Differenziert man nach Wirtschaftszweigen, so zeigt sich, dass in den nächsten drei Jahren - dann vor allem im Dienstleistungsbereich - mit stabilen, vielleicht auch steigenden Ausbildungsaktivitäten gerechnet werden kann. Im Handel deutet sich eher das Gegenteil an.

Differenziert man zwischen gewerblich-technischen und kaufmännischen Ausbildungsberufen, so zeigt sich bei den gewerblich-technischen eher ein leichter Rückgang an Ausbildungsangeboten. In kaufmännischen und Dienstleistungsberufen wird sich vermutlich bei den Angeboten wenig ändern. Es bleibt jedoch anzumerken, dass die Befragungsergebnisse hier mit einer erheblichen Unsicherheit behaftet sind. Viele Betriebe (bei gewerblich-technischen Berufen 27 Prozent, bei kaufmännischen und Dienstleistungsberufen 37 Prozent) sahen sich nicht in der Lage, sich auf einen Entwicklungspfad festzulegen.

Der Einfluss der aktuellen wirtschaftlichen Lage

Zwischen dem voraussichtlichen Ausbildungsplatzangebot 2009 und der aktuellen wirtschaftlichen Lage der Betriebe ist ein eindeutiger Zusammenhang festzustellen. Unternehmen in einer guten wirtschaftlichen Lage zeichneten insbesondere zwei Merkmale aus. Zum einen wollen 55 Prozent der Befragten auch im kommenden Ausbildungsjahr mehr oder gleich viele Auszubildende einstellen. Zum anderen waren sie weit überwiegend in der Lage, ihre Planungen für das kommende Ausbildungsjahr zu benennen.

Betriebe, die eine mittelmäßige wirtschaftliche Lage nannten, zeigten sich hingegen deutlich zurückhaltender in der Quantifizierung ihrer Einstellungsabsichten. Jeder vierte Betrieb konnte sich nicht zu einer Aussage durchringen und es überwiegen per Saldo die Betriebe, die im Herbst 2009 weniger Ausbildungsplätze anbieten werden.

Betriebe in einer schlechten wirtschaftlichen Situation wollten nahezu zur Hälfte ihre Ausbildung zurückfahren. Jeder fünfte antwortete, dass das Angebot für das kommende Ausbildungsjahr noch nicht feststehe.

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