Donnerstag, 30. April 2009
Mehr Nutzen als Kosten – Ausbilden zahlt sich aus
Wer ausbildet, profitiert: Das ist das Ergebnis einer aktuellen Betriebsumfrage des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB). Für viele Firmen gilt demnach: Die betriebliche Berufsausbildung zahlt sich aus – auch wenn sie zunächst Kosten verursacht.
Für einen Auszubildenden haben die Betriebe 2007 durchschnittlich 15.288 Euro gezahlt. Doch Azubis verursachen dem Unternehmen nicht nur Kosten, sondern arbeiten und leisten einen nicht unerheblichen Beitrag zur laufenden Produktion.
Günstige Arbeitskräfte

Würden die Aufgaben eines Azubis von einem regulären Mitarbeiter übernommen, müsste ein Unternehmen deutlich mehr zahlen. Im Jahr 2007 erwirtschafteten die Azubis ihren Betrieben daher im Schnitt 11.692 Euro. Damit betrugen die Nettokosten eines Auszubildenden für seinen Ausbildungsbetrieb 2007 nur 3.596 Euro.
Jeder dritte Betrieb setzt seine Auszubildenden während ihrer Lehre schon produktiv ein und gleicht so die Ausbildungskosten wieder aus. Über die Hälfte der Betriebe gab in der BIBB-Umfrage zu, sie bildeten aus, um die Azubis während der Lehre als Arbeitskraft einsetzen zu können.
Azubis übernehmen – Geld sparen
Vor allem aber nach der Lehre zahlen sich die Auszubildenden aus. Denn übernimmt ein Betrieb seinen Azubi und stellt ihn als Fachkraft ein, spart er Kosten für Bewerbungsverfahren, Einarbeitungszeit und Fortbildungen.

Sucht ein Unternehmen eine neue Fachkraft über den externen Arbeitsmarkt, kostet dies im Schnitt 4.214 Euro – ein Betrag, den man bei Übernahme eines Azubis sparen kann.
Vor allem Leistungsunterschiede während der Einarbeitungszeit, aber auch in den Monaten danach, sprechen für eine Übernahme der eigenen Auszubildenden. Sie kennen die Besonderheiten des Betriebs, sind mit der Firmenphilosophie vertraut.
Fachkräfte nach eigenen Ansprüchen ausbilden
Mehr als die Hälfte der Ausbildungsbetriebe in Deutschland (57 Prozent) haben im Jahr 2007 mindestens einen ihrer Auszubildenden übernommen. Fast alle Unternehmen (84 Prozent) bilden aus, um Nachwuchskräfte zu bekommen, die genau den betrieblichen Anforderungen entsprechen.
Je besser ein Arbeitgeber seine künftigen Mitarbeiter kennt, desto geringer ist das Risiko einer personellen Fehlbesetzung. Auch dies ist für viele ein Grund, selbst auszubilden.
Wer viel und gut ausbildet, hat einen guten Ruf bei Kunden, Lieferanten und Öffentlichkeit – auf diesen Imagegewinn setzen die Betriebe.
Azubis leisten immer mehr
In den vergangenen zehn Jahren haben Auszubildende immer mehr zum Gewinn ihres Betriebes beigetragen. Erwirtschafteten sie im Jahr 2000 noch durchschnittlich 7.730 Euro, waren es 2007 um 50 Prozent mehr (11.692 Euro). Grund für diesen Anstieg sind vor allem veränderte Ausbildungspläne und gestiegene Löhne.
Doch nicht in allen Bereichen sind die Azubis ein Gewinn für ihren Betrieb. Werden sie in Lehrwerkstätten ausgebildet, kosten sie ihr Unternehmen wesentlich mehr (im Schnitt 20.063 Euro). Gleichzeitig ist die Produktivität deutlich geringer (6.890 Euro).
Teure Azubis in Industrie und Öffentlichem Dienst
Auch zwischen den Ausbildungsbereichen schwanken Kosten und Produktivität der Auszubildenden.
Vor allem für die Landwirtschaft und die Freien Berufe lohnt sich die Ausbildung. Hier sind die Nettokosten wegen der hohen Produktivität vergleichsweise niedrig (962 Euro bzw. 268 Euro). Auch im Handwerk lohnt sich bei Nettokosten von 2.513 Euro die Beschäftigung von Auszubildenden.
Im Öffentlichen Dienst und in Industrie und Handel dagegen kosten Auszubildende deutlich mehr (Nettokosten 7.234 Euro bzw. 4.607 Euro). Hier stehen hohe Kosten vergleichsweise geringen Erträgen gegenüber.

