Donnerstag, 30. April 2009
Gute Chancen auf dem Ausbildungsmarkt
Der Ausbildungspakt von Regierung und Wirtschaft wirkt, stellte Bundesbildungsministerin Annette Schavan in der Bundestagsdebatte über den aktuellen Berufsbildungsbericht am 23. ‚April fest. Die Unternehmen forderte Schavan auf, auch in diesen wirtschaftlich schwierigen Zeiten Jugendliche auszubilden.
Schavan betonte, dass Ausbildung gerade in der Wirtschaftskrise Vorrang habe. Jeder ausbildungswillige und ausbildungsfähige Jugendliche müsse eine Ausbildung erhalten. "Wer in wirtschaftlich schwierigen Zeiten nicht ausbildet, dem fehlen die Fachkräfte der Zukunft. Fachkräftemangel darf nicht zur Wachstumsbremse werden", warnte Schavan.
Der neue Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK), Hans Heinrich Driftmann verspricht: „Jeder Jugendliche bekommt auch in der Krise ein Angebot, eine Perspektive“. Tatsächlich können die Schulabgänger zuversichtlich in die Zukunft schauen. Denn: Schon im vergangenen Ausbildungsjahr gab es erstmals seit 2001 wieder mehr offene Stellen als Bewerber.
Auch für das aktuelle Jahr lassen die ersten Prognosen der Bundesagentur für Arbeit einen positiven Trend erkennen: Von Oktober bis April haben sich deutlich weniger junge Menschen für einen Ausbildungsplatz beworben – und je weniger Konkurrenten, desto besser die Chance auf eine Lehrstelle.
Ausbildungspakt zeigt Wirkung

Diesen Trend bestätigt auch der Berufsbildungsbericht 2008. Rein rechnerisch hätten alle Bewerberinnen und Bewerber im vergangenen Jahr eine Lehrstelle bekommen können. Zum Stichtag Ende September waren bei der Agentur für Arbeit mehr offene Stellen als unversorgte Jugendliche gemeldet.
Trotz Wirtschaftskrise ist die Botschaft also positiv: Die Bundesregierung hat eine Trendwende am Ausbildungsmarkt geschafft. „Der Ausbildungspakt von Regierung und Wirtschaft wirkt“, sagte Bundesbildungsministerin Annette Schavan. Nun kommt es darauf an, diesen Trend fortzusetzen.
Genau 616.259 Ausbildungsverträge wurden im Jahr 2008 abgeschlossen. Das sind etwa 9.500 und damit rund 1,5 Prozent weniger als im Vorjahr. Die Gründe für diesen Rückgang liegen aber nicht allein bei den Unternehmen. Die Zahl der jugendlichen Schulabgängerinnen und Schulabgänger ist deutlich zurückgegangen.
Mehr Angebot als Nachfrage: Chancen gut, wie lange nicht
Ende September hatten 14.500 Jugendliche in Deutschland noch keinen Ausbildungsplatz. Damit hat sich die Zahl der unversorgten Bewerberinnen und Bewerber im Vergleich zum Vorjahresmonat halbiert.
Nach der jährlichen Nachvermittlungsaktion sieht es sogar noch besser aus: Im Januar suchten nach Angaben der Agentur für Arbeit nur noch knapp 6.000 Schulabgänger eine Lehrstelle. Das ist bei einigen tausend freien Ausbildungsplätzen und 13.800 Angeboten für betriebliche Praktika im Rahmen der so genannten Einstiegsqualifizierungen eine geringe Zahl.
Boom in Industrie und Handel
Vor allem Industrie und Handel verzeichneten 2008 ein deutliches Plus an Auszubil¬denden (plus 1.710 Verträge bzw. 0,5 Prozent). So viele neu abgeschlossene Verträge gab es in diesem Bereich seit 1992 nicht mehr.
Bei den freien Berufen war das Bild ausgeglichen: Während Ärzte- (plus 0,3 Prozent), Apotheker- (plus 3,3 Prozent) und Steuerberaterkammern (plus 1,1 Prozent) Zuwächse meldeten, ging die Zahl der Ausbildungsverträge bei Anwalts- (minus 4,7 Prozent), Tierärzte- (minus 1,6 Prozent) und Zahnärztekammern (minus 3,4 Prozent) zurück.
Nach einem deutlichen Plus im Jahr 2007 hatte das Handwerk die stärksten Einbußen zu verzeichnen (minus 5,3 Prozent). Die Landwirtschaft meldete einen Rückgang um 4,3 Prozent.
Strukturwandel auf dem Ausbildungsmarkt
Das System der dualen Berufsausbildung wird mehr und mehr von Dienstleistungsberufen getragen. Über die Hälfte der Ausbildungsstellen entfielen 2008 auf diesen Sektor (55 Prozent). 1994 dagegen war das Verhältnis zwischen Dienstleistungs- und Fertigungsberufen noch ausgeglichen.
Noch immer Unterschiede zwischen Ost und West

Zwischen den alten und den neuen Bundesländern zeigen sich noch immer deutliche Unterschiede auf dem Ausbildungsmarkt: Die alten Länder verzeichneten erneut einen erfreulichen Anstieg der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge um 1.654 (plus 0,3 Prozent). Mit insgesamt 502.441 Verträgen wurde hier das höchste Ergebnis seit 1992 erzielt.
In den neuen Ländern dagegen sank die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge um 11.280 (minus 9 Prozent) auf 113.818. Hier zeigt sich vor allem die dramatische demografische Veränderung in den neuen Ländern und die damit verbundenen stark gesunkenen Bewerberzahlen.
Optimismus trotz Krise
Jeder ausbildungswillige Jugendliche soll die Chance auf eine Lehrstelle haben: An diesem Ziel hält die Bundesregierung auch im Ausbildungsjahr 2009 fest
Trotz der wirtschaftlich schwierigen Lage sieht auch der DIHK die Perspektiven für Ausbildungssuchende optimistisch. Zwar wird mehr als jedes vierte krisengeschüttelte Unternehmen (27 Prozent) nach einer DIHK-Umfrage sein Ausbildungsangebot zurückfahren. Gleichzeitig aber wird auch die Zahl der Bewerber um rund 30.000 sinken.
Diesen Trend bestätigt die aktuelle Statistik der Bundesagentur für Arbeit (BA): Von Oktober bis März wurden 26.600 Ausbildungsstellen weniger gemeldet als im Vorjahreszeitraum. Zugleich haben deutlich weniger Schulabgängerinnen und Schulabgänger (minus 78.400) die Bundesagentur bei der Suche nach einer Lehrstelle eingeschaltet.
Nachwuchs-Probleme vor allem im Osten
Vom Rückgang bei den neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen (-9.626) waren allein männliche Jugendliche betroffen. Während sie fast 9.700 Verträge weniger unterschrieben als im Vorjahr, stieg die Zahl der mit Mädchen abgeschlossenen Ausbildungsverträge leicht an.
Weiterhin entscheiden sich aber deutlich weniger Frauen als Männer für eine betriebliche Berufsausbildung (Frauenquote 42 Prozent). Dies ist auch auf eine höhere Attraktivität von schulischen Qualifizierungsformen für junge Frauen zurückzuführen.
Vor allem im Osten Deutschlands könnten die geburtenschwachen Jahrgänge zu einem Nachwuchsproblem führen. Denn auch bei trüben Geschäftsaussichten wollen sich die Unternehmen Fachkräfte sichern.
Gerade in der Krise müssen die Betriebe also in ihre Zukunft investieren. Die Bundesregierung fordert daher alle Unternehmen auf, bei ihren Ausbildungsleistungen trotz des konjunkturellen Abschwungs nicht nachzulassen – sonst kann der Fachkräftemangel künftig zur Wachstumsbremse werden.
Handlungsbedarf trotz positiver Aussichten
Im Gesamtergebnis ist die Ausbildungsbilanz positiv. Trotzdem sieht die Bundes-regierung weiterhin Handlungsbedarf. Denn noch immer ist der Einstieg in die Aus-bildung für viele Jugendliche schwierig.
Auch wenn bundesweit genug Ausbildungsplätze zur Verfügung stünden, sind nicht alle Regionen gleich gut versorgt. Auch die hohe Zahl der Altbewerber, die nach dem Schulabschluss keinen Ausbildungsplatz bekommen haben und sich nun erneut bewerben, bleibt eine Herausforderung. Immerhin fallen noch immer 51,7 Prozent aller Ausbildungssuchenden in diese Kategorie.
Gleichzeitig aber klagen viele Unternehmen, dass ihre Ausbildungsplätze unbesetzt bleiben. Dies kann mittel- und längerfristig zu einem Wachstumshemmnis für die Betriebe und die regionale Wirtschaft werden.
Ausbildungspakt weit übertroffen
Die Bundesregierung hat mit der Qualifizierungsinitiative „Aufstieg durch Bildung“ daher ein ganzes Bündel von Maßnahmen gegen den Lehrstellen- und Fachkräfte-mangel auf den Weg gebracht.
Auch der „Nationale Pakt für Ausbildung und Fachkräftenachwuchs“ wurde erfolg-reich fortgeführt. Die Selbstverpflichtung der Wirtschaft zur Schaffung neuer Ausbildungsplätze wurde im vergangenen Ausbildungsjahr weit übertroffen: Statt der zugesagten 60.000 wurden 86.500 neue Ausbildungsplätze eingerichtet. Statt der geforderten 30.000 stellten 52.700 neue Betriebe erstmals einen Auszubildenden ein.
Jugendliche ohne Schulabschluss fördern
Besonders Jugendliche ohne Schulabschluss oder mit schlechten Abschlussnoten werden in der Qualifizierungsinitiative unterstützt. Erfolgreich sind auch die sogenannten Einstiegsqualifizierungen, also betriebliche Praktika, nach denen viele Teinehmerinnen und Teilnehmer in die betriebliche Ausbildung übernommen werden. Rund 38.000 Praktikumsplätze wurden angeboten.
Auch Auszubildenden in insolventen Unternehmen will die Bundesregierung unter die Arme greifen. Betriebe, die diese Lehrlinge übernehmen und dafür einen zusätzlichen Ausbildungsplatz einrichten, können bei der Agentur für Arbeit den Ausbildungsbonus beantragen. So sollen auch in der Wirtschaftskrise alle Jugendlichen die Chance bekommen, ihre Ausbildung erfolgreich abzuschließen.
Perspektiven für Fachkräfte: Ohne Abi an die Uni
Eine weiteres Ziel der Qualifizierungsinitiative ist, dass mehr junge Menschen studie¬ren. Im März haben die Kultusminister der Länder zugesagt, die Universitäten auch für Meister und andere Fachkräfte ohne klassisches Abitur zu öffnen. In Baden-Württemberg und Niedersachsen dürfen Meister bereits jetzt ohne Eignungstest oder Probezeit an einer Universität studieren. Nach dem Beschluss der Kultusminister¬konferenz sollen nun auch die anderen Bundesländer so schnell wie möglich ihre Hochschulgesetze ändern.

